Poetry Slam : Abwechslungsreiche Texte mit viel Pathos

Energisch trug Jacqueline Lindemeyer (20) aus Flensburg ihren Text „Alles wird gut“ vor.
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Energisch trug Jacqueline Lindemeyer (20) aus Flensburg ihren Text „Alles wird gut“ vor.

Mit viel Applaus belohnte das Publikum in der Stadthalle die wortgewandten Darbietungen des modernen Dichterwettstreits.

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15. Januar 2015, 06:15 Uhr

Neumünster | „Lyrik und Textase“ war das Motto des Poetry Slams, der am Dienstagabend rund 90 Besucher in die Stadthalle lockte. Das überwiegend jugendliche Publikum unterstützte die zehn unter 20-jährigen Poeten dabei nach Leibeskräften.

Mit viel Applaus, Fußgetrappel und Gejohle belohnte und motivierte es die wortgewandten und einfallsreichen Darbietungen des modernen Dichterwettstreits. Höchstens sechs Minuten hatte jeder Autor Zeit, seinen Text ohne Requisiten zu präsentieren.

Originalität steht dabei immer im Vordergrund: „Texte von Goethe oder Bushido dürfen nicht vorgetragen werden, es sei denn, sie treten selber auf“, erklärte der Moderator des Abends, Michel Kühn, gewohnt amüsant. Inhaltlich zeigten die Texte viel Abwechslung: Eine anstrengende Busfahrt inmitten von lauten Schülern, die Vorzüge der virtuellen „Welt, wo nur Gutes passiert“ oder nicht erwiderte Liebe waren unter anderem Themen.

Mit dem aktuellen Weltgeschehen beschäftigte sich Jacqueline Lindemeyer (20) aus Flensburg. Ihr Text „Alles wird gut“ hinterfragte kritisch und zornig den Zweckoptimismus angesichts von Gewalteskalationen. „Ich habe den Text gestern Abend in einer halben Stunde verfasst, nachdem ich Nachrichten gesehen habe“, erklärte sie. Mit energischer Stimme und Pathos zeigte sie sich auf der Bühne.

Dass die Präsentation wichtig ist, wusste auch Laura Funke (16) aus Schleswig: „Poetry Slam hat auch viel mit Spiel zu tun. Ein guter Text ist natürlich die Grundlage, aber man kann mit einer guten Performance sehr viel herausholen“, sagte die Schülerin, die im Theaterjugendclub am Landestheater Schleswig agiert. Diese Erfahrung hat sie gekonnt mit eingebracht und den Wettbewerb gewonnen. Mit einem humoristischen Text über freche Jugendliche, den sie im authentischen Straßen-Slang witzig vorlas, setzte sie sich gegen die Finalistin Lena Iversen aus Kiel durch.

Texte zu verfassen bereitet der Siegerin keinerlei Probleme: „Diesen habe ich vorhin auf der Fahrt hierher im Auto geschrieben“, erklärte sie.

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