Grossenaspe : Abwasserpilz: Staatsanwalt ermittelt

Ein Abwasserpilz brachte im Juni das Leben in der Hardebek-Brokenlander Au praktisch zum Erliegen. Die Ermittlungen zum Verursacher dauern zurzeit noch an.
Ein Abwasserpilz brachte im Juni das Leben in der Hardebek-Brokenlander Au praktisch zum Erliegen. Die Ermittlungen zum Verursacher dauern zurzeit noch an.

Der gewässergefährdende Pilz in der Hardebek-Brokenlander Au hat ein Nachspiel. Der Landesfischereiverband kritisiert fehlende Proben.

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29. Juli 2014, 06:30 Uhr

Grossenaspe | Nach dem massiven Wachstum eines gewässergefährdenden Abwasserpilzes in der Hardebek-Brokenlander Au im Juni ermitteln nun auch Staatsanwaltschaft und Umweltpolizei mit Hochdruck an der Ursache. Gegenstand der Untersuchungen ist hierbei auch ein möglicher Zusammenhang zwischen der Gewässerbelastung und dem Gülleunfall, bei dem Ende Januar in der angrenzenden Biogasanlage rund 2 Millionen Liter aus einem Fermenter ausgelaufen waren (der Courier berichtete).

Die zuständige Wasserbehörde beim Kreis Segeberg bestätigte die Ermittlungen auf Nachfrage des Couriers. „Die Staatsanwaltschaft ist hier tätig. Wir gehen davon aus, dass die Verunreinigung des Gewässers nicht direkt mit dem Unfall in Zusammenhang steht. Was oder wer letztlich jedoch dafür verantwortlich ist, wird weiterhin untersucht“, erklärt dazu Thomas Heinbokel von der behördlichen Gefahrenabwehr für Gewässer.

Nach dem Absterben des Pilzes habe sich die Wasserqualität in dem Bachlauf jedoch nicht nur optisch, sondern auch qualitativ wieder erholt. „Wir haben jetzt hier die gleiche Qualität wie vorher“, sagte Heinbokel weiter. Nichtsdestotrotz sei das Gewässer aber durch die abgestorbenen Algen stark in Mitleidenschaft gezogen. „Bis sich das Ökosystem wieder erholt hat und es zu einer Wiederansiedlung von Kleinstlebewesen kommt, kann es schon einige Zeit dauern“, so der Fachmann. In einem mechanischen Absaugen der Schleimschicht sieht der Ingenieur keine Alternative, da damit das ökologisch wichtige Kiesbett des Baches weiter zerstört würde. Einig ist er sich darin mit dem Biologen Martin Purps, der als Fischereiberater beim Landessportfischerverband (LSFV) angestellt ist. Der Verband hatte sich im Juni in den Fall eingeschaltet, da ihm ein ortsansässiger Angelverein den Befall der Au mit dem Abwasserpilz gemeldet hatte.

„Ein Absaugen oder Ausbaggern ist zwar technisch möglich, aber mit hohem Aufwand verbunden. Außerdem bedeutet dies einen massiven Eingriff in diesen sensiblen Lebensraum, der auch so schon Jahre brauchen wird, um sich wieder zu erholen“, erklärt Purps. Zudem seien bestimmte Populationen von wirbellosen Kleintieren hier wohl für immer verloren.

Kritik übt der Biologe zu diesem Fall auch an dem Vorgehen der Behörden, da weder im Januar noch im Juni Proben der Ablagerungsgesteine gezogen wurden. „Das hätte die Untersuchungen zur Entstehung des Pilzes leichter gemacht, denn es handelt sich hierbei um eine außergewöhnliche Ausprägung der sauerstoffzehrenden Bakterien“, sagt er.

Seiner Empfehlung nach müssten geschädigte Gewässer zudem generell nicht nur nach der aktuellen Wassergüte, sondern ebenfalls über einen längeren Zeitraum nach ihrer biologischen Qualität beurteilt werden. „Denn schließlich liegt die Verantwortung nicht im Moment, sondern vielmehr ist die Natur hier ja auf Jahre hinaus gestört“, so seine Argumentation.

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