Gottesdienst mit 1000 Pfadfindern : Abschied vom Vater der Pfadfinder

In seinem Amtszimmer hat Pastor Ulli Schwetasch sich eine Pfadfinderecke mit vielen Andenken eingerichtet.
In seinem Amtszimmer hat Pastor Ulli Schwetasch sich eine Pfadfinderecke mit vielen Andenken eingerichtet.

Bischof Gothart Magaard würdigt Pastor Ulli Schwetasch beim Friedenslichtgottesdienst in der Anscharkirche.

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14. Dezember 2017, 11:00 Uhr

Neumünster | Wenn Ulli Schwetasch von „seinen“ Pfadfindern erzählt, dann spricht sein ganzer Körper: Die Hände gestikulieren, die Augen leuchten, die Muskeln federn, als hielte es ihn kaum noch auf dem Sofa. Kein Wunder. Gilt der Pastor von Krummesse (bei Lübeck) doch landläufig als Vater der rund 6700 evangelischen Gemeindepfadfinder in 120 Kirchengemeinden der Nordkirche, zwischen dänischer und polnischer Grenze. Nun hängt er sein landeskirchliches Amt als Pfadfinderpastor an den Nagel und wird am 3. Advent (17. Dezember) verabschiedet, im feierlichen Friedenslichtgottesdienst in der Anscharkirche um 16 Uhr. Dazu werden rund 1000 Pfadfinder aus ganz Schleswig-Holstein erwartet, und auch Bischof Gothart Magaard kommt.

Grube in Ostholstein, Kirchbarkau im Kreis Plön und jetzt Krummesse bei Lübeck: Nicht gerade die typischen Orte, um die Karriereleiter hochzusteigen. Darum ging es Ulli Schwetasch auch nicht, als der junge Pastor 1984 seine erste Pfarrstelle in Grube antrat. „Da lag die Kin-der- und Jugendarbeit völlig brach“, erinnert sich der 61-Jährige. Und weil das nicht so bleiben konnte, streifte er sich ein Fahrtenhemd über, lieh sich ein paar Zelte und fuhr mit Kindern ins Ferienlager. Das sollte der Beginn einer Bewegung werden, die heute die ganze Nordkirche erfasst hat und bis nach Indien reicht: die evangelischen Gemeindepfadfinder.

Denn diese Idee breitete sich rasant aus, zuerst im benachbarten Grömitz, dann in Husberg bei Neumünster, in Schenefeld und in Brokstedt (Kreis Steinburg). „Uns ging es um Gemeindeaufbau, wir wollten junge Menschen zu Christen machen und sie darin bestärken, mit dem Ziel, dass sie selbstständig werden und einmal Verantwortung übernehmen“, beschreibt Ulli Schwetasch.

Zwischen seinen nüchternen Worten blitzt das Lagerfeuer durch, riecht man den Rauch, erahnt man Abenteuer, Natur und Gemeinschaft. Die Faszination dafür hatte ihn schon mit 14 Jahren gepackt, als der Arbeitersohn aus einfachen Verhältnissen mit Freunden im Jahr 1969 eine Pfadfindergruppe im Kieler Stadtteil Wellingdorf aufgebaute. „Die Kirchenge-meinde war für uns eine Heimat, wo wir was machen durften und gleichzeitig fromm sein – ohne dass es jemand komisch vorkam“, erinnert sich Schwetasch.

Zeitsprung in die 90er-Jahre: Die ersten Gemeindepfadfinderstämme in Schleswig-Holstein schließen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, tauschen ihre Erfahrungen aus. Hauptsächlich um finanzielle Förderung zu erhalten, gründen sie schließlich 1996 einen Verband, den Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP). „Gremien, Satzungen, damit haben wir uns schwer getan, wir wollten doch eine kreative Bewegung sein“, sagt Schwetasch. Doch im Nachhinein bereue er diesen Schritt nicht. Trotz einiger fester Regeln, entwi-ckeln sich die Gemeindepfadfinder stetig weiter.

In Zukunft allerdings ohne Ulli Schwetasch. „Ich bin alt genug zu gehen“, gibt er zu bedenken. „Nicht mehr diese Gesamtverantwortung in der Nordkirche zu tragen, das entlastet mich schon sehr.“ Sicherlich, in seiner Kirchengemeinde Krummesse will er sich als Pastor weiterhin mit den Kindern und Jugendlichen in den Matsch schmeißen, die Natur entdecken und zur Gitarre am Lagerfeuer singen. „Ich möchte, dass sie die Wärme in der Gemeinde erfahren, und ich möchte weitergeben, was mich bis heute trägt.“

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