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Geflügelpest : Ab sofort Stallpflicht am Einfelder See

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt setzt Kieler Anordnung um: Der Bereich von 500 Metern um den See gilt als Risikozone. Geflügelzüchter bezweifeln den Sinn der Maßnahme

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erstellt am 27.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Der Kampf gegen die Vogelgrippe hat jetzt auch Neumünster erreicht: Auf Anordnung des Landwirtschaftsministeriums erklärte die Stadt gestern einen 500 Meter breiten Ring um den Einfelder See zur Risikozone. Ab sofort müssen Hühner, Enten, Gänse und ähnliches Geflügel in diesem Bereich in geschlossenen Ställen untergebracht werden. Dadurch soll verhindert werden, dass sich der Erreger der Geflügelpest über Wildvögel weiter ausbreiten kann.

Von dem Bestallungsgebot sind nach Auskunft der Stadt etwa zehn Geflügelhalter auf Neumünsteraner Gebiet betroffen. Professionelle Zuchtbetriebe gibt es in der Zone nicht. Auch für Brieftaubenzüchter hat die Anordnung keine Bedeutung. Für die Nordseite des Sees hat der dort zuständige Landkreis Rendsburg-Eckernförde gleichlautende Auflagen erlassen.

Die Leiterin der städtischen Veterinär- und Lebensmittelaufsicht, Dr. Bettina Kohnen-Gaupp, kündigte gestern an, die (der Stadt bekannten) Züchter unabhängig von der amtlichen Bekanntmachung auf der Homepage der Stadt, gesondert zu kontaktieren, um mit den Haltern weitere Sicherheitsmaßnahmen zu erörtern, die jetzt besonders wichtig seien. So sollten die Züchter etwa beim Betreten der eigenen Gatter das Schuhwerk wechseln, um nicht den Kot von Wildvögeln einzuschleppen. Die Stadt werde betroffenen Haltern einen gewissen Vorlauf geben, um die Stallpflicht umzusetzen, dann aber auch konsequent kontrollieren, kündigte die Amtsveterinärin an.

Bei Geflügelzüchtern stieß die vom Land verfügte Stallpflicht gestern auf Unverständnis. Eine flächendeckende Unterbringung der Geflügelbestände in Stallungen sei kaum möglich, reagierte Armin Eggers, Ehrenvorsitzender des Landesgeflügelzuchtverbandes. Eggers bezweifelt den Sinn des Stallzwangs: Alle bisher bekannt gewordenen Fälle von Vogelgrippe seien in hermetisch abgeschirmten Großställen aufgetreten, sagte Eggers. Das belege, dass das Bestallungsgebot keinen wirklichen Schutz vor der Seuche biete. „Die Anordnung zur Bestallung ist Augenwischerei“, so Eggers.

Sven und Heike Stüber, die in ihrer Gärtnerei am Looper Weg rund 120 Gänse, Hühner und Enten halten , sehen das ganz ähnlich: „Für uns grenzt das eher an Tierquälerei, wenn wir unsere Tiere jetzt einpferchen sollen“, erbost sich Heike Stüber. „Die Tiere brauchen Auslauf und Kontakt zu Wasserflächen, um sich sauber halten zu können.“ Würden die Tiere auf engem Raum zusammengesperrt, fördere das zwangsweise ihr Erkrankungsrisiko.

Die Stübers hoffen, dem Stallzwang entgehen zu können. Sven Stüber hat nachgerechnet: Seine Geflügelgatter liegen danach knapp außerhalb der 500- Meter-Zone. Ohnehin sei die Grenze natürlich willkürlich gesetzt, kritisiert der Züchter.

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