Interview der Woche : Ute Obel: Synergieeffekte in der Stadtverwaltung sollten besser genutzt werden

Avatar_shz von 06. August 2021, 08:00 Uhr

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Ute Obel verlässt Neumünster und fängt im September in Bad Oldesloe an.
Ute Obel verlässt Neumünster und fängt im September in Bad Oldesloe an.

Die Fachdienstleiterin verlässt nach 25 Jahren die Stadtverwaltung, um sich in Bad Oldesloe neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen. Der Abschied erfolgt mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Neumünster | Mit Mut handeln, Veränderungsprozesse anzustoßen und in Verantwortung für die nachfolgenden Generationen die Wirtschaftlichkeit von Entscheidungen nicht nur kurzfristig zu betrachten – das sind Ziele, die für Ute Obel (53) immer an vorderer Stelle standen. Nun verlässt die aus dem Taunus stammende Fachdienstleiterin nach 25 Jahren Neumünster, um sich einer neuen Aufgabe zu widmen. Mit ihr sprach Courier-Redakteur Christian Lipovsek. Frau Obel, warum verlassen Sie die Stadtverwaltung Neumünster? Ab dem 1. September werde ich den Fachbereich Bauen und Umwelt in der Kreisstadt Bad Oldesloe leiten. Für mich besteht hier die Möglichkeit einer beruflichen Weiterentwicklung. Ich freue mich, dort meine Erfahrungen einzubringen und mit größerem Gestaltungsspielraum bei einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Stadtentwicklung entscheidend mitwirken zu können. Welche Funktionen hatten Sie während Ihrer Dienstzeit? Nach 25 Jahren Dienstzeit bei der Stadt Neumünster blicke ich auf verschiedene berufliche Stationen zurück. Gestartet bin ich im damaligen Fachdienst Natur und Umwelt. Dort lagen meine Aufgaben im Bereich des Bodenschutzes und des Gewässerschutzes. Seit 2011 leitete ich jeweils zunächst kommissarisch die Abteilung Natur und Umwelt und ab 2014 den Fachdienst Umwelt und Bauaufsicht mit heute über 40 Mitarbeitenden. Mit welchen Gefühlen verlassen Sie Neumünster? Nach engagierter Berufstätigkeit in Neumünster mit vielen Entwicklungen verlasse ich die Stadt und hier insbesondere mein sowohl fachlich als auch menschlich sehr geschätztes Team im Fachdienst mit dem berühmt berüchtigten weinenden Auge, während das lachende Auge schon nach Bad Oldesloe blinzelt. Letztendlich sehe ich aber auch, dass in Veränderungen für alle Beteiligten auch eine Chance der Weiterentwicklung liegt. Was ist während Ihrer Dienstzeit in Neumünster vorangekommen? In den verschiedenen beruflichen Stationen gibt es beispielhaft ganz unterschiedliche Erfolge. Ich kann hier zum Beispiel die systematische Erfassung und Erstbewertung der Altstandorte und Altablagerungen in Neumünster und die Mitwirkung bei der Erarbeitung der Methodik zur Altlastenerfassung und Erstbewertung in Schleswig-Holstein nennen oder in Fortsetzung des Lederforschungsprojektes – ehemals geleitet von Frau Dr. Ströh-Neben – das einheitliche Vorgehen bei der Altlastenbearbeitung ehemaliger Lederfabrikationen insbesondere im Hinblick auf die Milzbrandproblematik. Das stieß aufgrund der speziellen Thematik bundesweit auf Interesse. Außerdem wurden unter anderem wichtige Planungsinstrumente sowie städteplanerische Grundlagen mit auf den Weg gebracht. Dazu zählen die Erarbeitung und Etablierung der Grundwasserplanungskarte für Neumünster, Knickschutz und Artenvielfalt, das aktualisierte Klimaschutzkonzept und die Klimaanalyse. Welche weiteren Projekte sind Ihrer Meinung nach auf einem guten Weg? Dazu zähle ich die Umstrukturierung und Weiterentwicklung des Fachdienstes Umwelt und Bauaufsicht auch mit dem Ziel, das Image der „alten Ordnungsbehörden“ etwas zu entstauben und zum einen Bürgerservice und zum anderen Vorsorge-Bestrebungen für die Schutzgüter Wasser, Boden, Natur und Klima und den sparsamen Umgang mit Ressourcen stärker in den Vordergrund zu rücken. Durch die Neueinrichtung der Abteilung Klima und Umweltqualität wird dieses Anliegen gut sichtbar etabliert und zeigt die Notwendigkeit, vernetzt zu denken und im Querschnitt mit vielen Abteilungen und Akteuren zusammenzuarbeiten. Die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes ist hier nur ein Baustein, wie auch die Klimaanpassungsstrategie für Neumünster und der Klimaplan 2035, der den Weg zu der durch Ratsbeschluss festgelegt bis 2035 zu erreichenden Klimaneutralität aufzeigen soll. All dies wird aktuell mit vielen Akteuren aus Zivilbevölkerung, NGOs, Politik, Wirtschaft, städtischen Gesellschaften und Verwaltung auf den Weg gebracht, um konkrete Maßnahmen formulieren und umsetzen zu können. Wo sehen Sie denn noch Entwicklungspotenzial? Von zentraler Bedeutung sind frühzeitigeres gemeinsames Planen und vernetztes Denken mit allen Fachabteilungen, um fachliches Know-how und möglichst alle Aspekte der verschiedenen Abteilungen einzubeziehen. Durch diese Querschnittsarbeit können Synergieeffekte genutzt werden, um insbesondere eine nachhaltige Stadtentwicklung sicherzustellen. Über die verwaltungsinternen Abstimmungen hinaus sollte dies auch in gemeinsamen Prozessen mit Selbstverwaltung, städtischen Gesellschaften und weiteren Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft weiter intensiviert werden. Und dann gibt es ja noch die erste Klima-Analyse für Neumünster... Genau. Ich freue mich, dass in Kürze Ergebnisse vorliegen werden, die sehr deutlich zeigen werden, wie entscheidend ein sehr ein sensibler Umgang mit Grünstrukturen und Gewässern in der Stadt, aber auch ein sparsamer Umgang mit Flächen für die Erhalt der Lebensqualität der grünen Stadt Neumünster sein wird. Der wertschätzende Umgang mit den überaus qualifizierten Mitarbeitenden, dem wertvollsten Kapital der Stadtverwaltung, und deren Beteiligung bei Planungen und in Umsetzungsprozessen mit dem notwendigen Gestaltungsspielraum, liegen mir besonders am Herzen....

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