Wachholtz-Verlag : 90 Jahre im Dienste der Kultur

Hoher Besuch (von links): Die drei Geschäftsführer des Wachholtz-Verlags, Olaf Irlenkäuser, Henner Wachholtz und Dr. Sven Murmann, begrüßten gestern den Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.
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Hoher Besuch (von links): Die drei Geschäftsführer des Wachholtz-Verlags, Olaf Irlenkäuser, Henner Wachholtz und Dr. Sven Murmann, begrüßten gestern den Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.

Der runde Geburtstag des Wachholtz-Verlags wurde im Gerisch-Park gefeiert. Der Standort Neumünster ist deutlich abgeschmolzen

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18. Juni 2014, 09:00 Uhr

Neumünster | Alles begann mit einer kurzen Notiz im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels am 30. Juli 1924. Der Courier-Verleger Karl Wachholtz kündigte die Gründung seines Buchverlages an: „Hiermit gebe ich dem Gesamtbuchhandel zur Kenntnis, daß ich neben meinem bereits seit Jahrzehnten bestehenden Buchdruckerei- und Zeitungsbetrieb eine Verlagsabteilung eröffnete.“ Das ist ziemlich genau 90 Jahre her, und dieser runde Geburtstag des Wachholtz-Verlags wurde gestern Abend bei der Gerisch-Stiftung an der Brachenfelder Straße, im Garten der Villa Wachholtz, gefeiert.

Rund 90 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter fast das halbe Landeskabinett. Neben dem Festredner, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, waren auch Innenminister Andreas Breitner und Kulturministerin Anke Spoorendonk erschienen. Ministerpräsident Torsten Albig ließ sich wegen eines wichtigen Termins entschuldigen.

Verleger Dr. Sven Murmann freute sich über die Gäste, merkte aber auch gleich bescheiden an: „Die Lorbeeren stehen mir gar nicht zu. Von den 90 Jahren wurde der Verlag schließlich 88 Jahre von Familie Wachholtz geführt.“ Murmann hatte die Anteile vor zwei Jahren gekauft und integriert das traditionsreiche Haus seitdem nach und nach in seine Hamburger Verlagsgruppe. „Einen Verlag zu gründen ist leicht, aber 90 Jahre durchzuhalten – das ist schwierig“, sagte Murmann und bedankte sich freundlich bei Gabriele Wachholtz, die den Verlag von 1994 bis 2012 geleitet hatte. Durch ihren Schwager Henner Wachholtz ist die Familie aber bis heute in der Geschäftsführung vertreten.

Sitz des Verlags ist immer noch die Rungestraße 4 in Neumünster, aber der Standort ist in den vergangenen zwei Jahren stark abgeschmolzen. Nur noch eine Handvoll Mitarbeiter arbeitet dort. Auch das Lager mit mehr als 350 000 Büchern ist mittlerweile nach Leipzig abgewandert.

Minister Meyer zeichnete in seiner Festrede das Bild eines Buchverlags, der „immer wahnsinnig viel für die Kultur“ getan habe und sehr wichtig für das Heimatgefühl in Schleswig-Holstein sei. Das Haus verlege viele Standardwerke der Heimat- und Landesgeschichte, sei im Plattdeutschen zu Hause, beschäftige sich mit Wissenschaft ebenso wie mit großformatigen Bildbänden, habe aber auch stets den Anschluss an die Moderne geschafft. Naturthemen, Norddeutsche Kultur, Orts- und Landeskunde, Geschichte und Archäologie seien wichtige Bereiche. „Als ich in das neueste Programm geschaut habe, sind mir neue Bücher über die Unternehmer Fielmann und Gosch aufgefallen, aber eben auch ein Werk über die Geschichte der umstrittenen Neulandhalle in der Zeit des Nationalsozialismus’“, lobte Meyer.

Der Kieler Geschichtsprofessor Dr. Martin Krieger arbeitet an einer Chronik des Wachholtz-Verlags, die demnächst erscheinen soll. Er gab den Gästen einen kurzen Überblick über die Geschichte des Unternehmens. Das habe sich in seiner Geschichte mehrfach neu aufgestellt und veröffentliche heute rund 60 neue Titel pro Jahr.

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