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Kronjuwelen-Hochzeit : 75 Jahre gemeinsam alles gemeistert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Magdalene „Leni“ Arp (95) und ihr Mann Franz (100) erlebten gestern das seltene Fest der Kronjuwelen-Hochzeit Eine große Familie gratulierte

Sie schauen sich auch heute noch liebevoll in die Augen und halten Händchen: Vor 75 Jahren gaben sich Magdalene und Franz Arp das Ja-Wort. Gestern beging das Paar, das im Fürsthof wohnt, das extrem seltene Fest der Kronjuwelen-Hochzeit. „Auf dem Bummel auf dem Großflecken haben wir uns die ersten Blicke zugeworfen. Später hat es dann gefunkt“, sagt Franz Arp, der am Montag vergangener Woche seinen 100. Geburtstag feierte, mit einem vielsagenden Blick zu seiner „Leni“ (95).

Franz Arp war damals Segelflieger; auf dem Boostedter Berg kletterte er aus der „Kiste“ heraus, und sie kam auf ihn zu, erinnert er sich. Nachdem er bei ihrer Mutter um ihre Hand angehalten hatte, folgte der klassische Hochzeitsantrag mit Blumenstrauß. Die Trauung fand 1939 im kleinen Rahmen bei der Mutter der Braut in Neumünster statt; beide sind gebürtige Neumünsteraner. „Wir saßen auf Finkenwerder Stühlen, und es gab Spargel mit Schinken“, erinnert sich Leni Arp. Franz Arp war damals 25 Jahre alt – ab diesem Alter durfte man heiraten. Wenige Monate danach begann der Zweite Weltkrieg; Franz Arp wurde eingezogen und war als Funkmeister in Köthen (Sachsen-Anhalt) stationiert. Er wurde zweimal verwundet, das zweite Mal nur wenige Tage vor Kriegsende. „Ich habe Glück gehabt“, sagt er rückblickend. Während des Heimaturlaubs bereitete er sich bereits auf seine Meisterprüfung vor und eröffnete 1947 sein Geschäft „Elektro-Arp“ an der Ehndorfer, später an der Rungestraße.

Mitten im Krieg kamen seine Söhne Klaus (1940) und Uwe (1943) in Köthen zur Welt; dorthin war ihm seine Frau gefolgt. Tochter Ursula wurde 1949 in Neumünster geboren. 25 Jahre führte Franz Arp sein Geschäft, seine Frau erledigte die Buchhaltung; sie gingen durch Dick und Dünn. Auf die Frage, wie eine Ehe über so lange Zeit klappt, haben sie verschiedene Antworten. „Man hat sich gegenseitig toleriert und gesagt: ,Dein Problem ist auch mein Problem’. Und wenn’s mal gekracht hat, gab es einen Grund, sich zu versöhnen“, sagt Leni Arp und lacht ihren Mann an. Dieser sagt: „Es gibt einige menschliche Tugenden wie beispielsweise Maß zu halten. Man kann von allem essen, aber nicht zuviel“, erklärt er und spielt dabei auf die grundlegenden Freimaurer-Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität an. Denn er gehört der Freimaurer-Loge an der Carlstraße seit 48 Jahren an und ist der älteste Logenbruder. Seinen Vorträgen lauschen hörer aus ganz Norddeutschland. Die geistige Arbeit halte ihn fit, sagt er.

Den Ehrentag selbst feierte das Paar gestern nicht. Er wurde noch nie gefeiert. „Das ist ein ganz normaler Werktag“, schmunzelte Franz Arp. Aber Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek überreichte seinem Logenbruder und dessen Frau eine Gratulationsurkunde der Stadt und wünschte dem Paar, dass ihm noch ein langer und zufriedener Lebensweg beschieden sein möge. Strohdiek hatte auch eine zweite Urkunde dabei, in der Ministerpräsident Torsten Albig ebenfalls herzlich gratulierte. „Kronjuwel-Hochzeitspaare hatten wir erst zwei in Neumünster“, sagte Strohdiek.

Alle guten Wünsche kommen außerdem von der großen Familie – zu der gehören sieben Enkel, drei Urenkel und eine acht Monate alte Ur-Ur-Enkelin.

 

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erstellt am 28.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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