Ein Autofahrerleben : 73 Jahre ohne Unfall - jetzt fährt er Bus

Ein „Prinz 3“ war das erste Auto von Karl-Heinz Rickert aus Gadeland. Das Foto stammt aus den 50er-Jahren.
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Ein „Prinz 3“ war das erste Auto von Karl-Heinz Rickert aus Gadeland. Das Foto stammt aus den 50er-Jahren.

Karl-Heinz Rickert (90) aus Gadeland machte als 17-Jähriger seinen Führerschein / Erstes Fahrzeug war ein Panzer im Weltkrieg

shz.de von
05. Mai 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Schon als junger Bengel liebte Karl-Heinz Rickert das Autofahren. „Das lag mir einfach im Blut, ich heizte gerne durch die Gegend, auch später, zum Leidwesen meiner Frau“, erzählt der heute 90-Jährige, der in Gadeland lebt. Er hat eine denkwürdige Bilanz seines Autofahrer-Lebens: Er fuhr 73 Jahre unfallfrei – er verursachte nicht einen einzigen Unfall in über sieben Jahrzehnten.

Schon im Alter von 17 Jahren machte er seinen Führerschein Klasse 4, von dem er noch eine dunkle Kopie hat. Er ist am 18. Mai 1942 in Neumünster zugelassen und hatte die Nummer 6686. „Wir waren damals in der Hitlerjugend, man hatte uns das so beigebracht, wir hatten ja alle einen kleinen Vogel“, sagt Rickert. Der gebürtige Landwirtssohn aus Hartenholm fuhr daher als erstes in seinem Leben einen Panzer. „Ich war drei Jahre in Russland, wurde viermal abgeschossen. Ich kann es auch heute kaum verkraften, dass ich da heil und gesund heraus und nach Hause bin – trotz Verletzungen“, erinnert sich der Senior nachdenklich. 1950 heiratete er seine Frau Helga, die erst vor Kurzem starb – und hatte sein erstes Auto, einen „Prinz 3“ mit Vier-Gang-Schaltung und 23 PS. „Der hatte den Spitznamen Kommissbrot, weil er so aussah“, sagt Rickert schmunzelnd. Seine Leidenschaft zum Autofahren konnte er auch beruflich ausleben: Er wurde nach dem Krieg „Lieferanten- und Cheffahrer“ bei Karstadt, kutschierte die Chefs mit einem Opel Olymp umher und fuhr als Auslieferer einen Lkw. Doch nicht nur das: Rickert hatte neben dem Panzerführerschein den Führerschein Klasse 2 und konnte alle Fahrzeuge fahren – auch Motorräder. „Ich war im Motorsportclub, fuhr auch Rallyes und war Ersatzfahrer beim Motocross“, sagt er. Von 1956 bis 1968 diente er als Feldwebel und Materialnachweisführer bei der Bundeswehr in der Scholtz-Kaserne. Danach war er für ein Bosch-Küchenstudio zwölf Jahre lang als Lagermeister für die Auslieferung der Küchen zuständig. 

Eine bestimmte Automarke hat Rickert nicht bevorzugt – er fuhr einen VW-Käfer, Japaner, einen roten Ford Escort, weitere Ford-Modelle und einen roten Opel Manta, den seine Frau beim Ball des Sports gewonnen hatte. „Wir fuhren  23 Jahre in den Bayrischen Wald und zehn Jahre  an die Mosel“, sagt Rickert und schätzt die Kilometer, die er in seinem Leben abgerissen hat, auf mehrere Millionen. „Ich war immer ein auf Sicherheit bedachter Autofahrer. Ich habe von Borgwardt die goldene Ehrennadel für unfallfreie 100 000 Kilometer bekommen, doch es wurden sehr viele mehr“, sagt er und zeigt das goldene Lorbeerblatt, das er 1995 für 50 Jahre „bewährtes Autofahren“ erhielt.

 Er verursachte nie einen Unfall, aber eine Frau fuhr einmal auf seinen Wagen auf: „Die unterhielt sich mit ihrem Beifahrer und sah nicht, dass ich anhielt.“

Während man früher wie Gott in Frankreich fuhr,  erscheinen ihm die heutigen Autofahrer eher rücksichtslos: „Höflichkeit ist bei der heutigen Dichte auf den Straßen einfach notwendig.“ Seit diesem Jahr hat er den Führerschein abgegeben: „Ich merkte, ich musste ihn abgeben, weil ich unsicher geworden bin.“ Er fährt jetzt ein Jahr kostenlos Bus: „Das ist empfehlenswert. Ich komme überall hin.“

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