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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 06:28 Uhr

Heidmühlen : 7000 Narzissen blühen im Garten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nikolaus Westphal pflegt und genießt rund um sein Geburtshaus einen Garten mit vielen Besonderheiten und Raritäten.

von
erstellt am 21.Apr.2017 | 12:41 Uhr

Heidmühlen | Morgens, wenn es dunkel ist und noch alles schläft, verlässt Nikolaus Westphal (68) sein Haus und geht in seinen Garten. Da steht er dann, schaut, lauscht und fühlt. „Ich stehe hier zwei Stunden und schaue den erwachenden Farben des Sonnenaufgangs zu“, sagt der naturliebende Künstler. Sein wilder, uralter Garten ist ein besonderes florales Schmuckstück: Zurzeit recken etwa 7000 Narzissen ihre strahlend-gelben Blüten aus der Wiese.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein sich selbst überlassenes Stückchen Natur, ist mit durchdachter Hand angelegt. „Ich habe vor 25 Jahren damit angefangen, botanische Raritäten anzupflanzen“, erklärt Nikolaus Westphal. So wächst auf seinem Grundstück an der Dorfstraße zum Beispiel die bedrohte Kronenwicke. Auch die Heidenelke und den Sandthymian hat der kundige Hobby-Gärtner dort gesetzt. „Meinen Garten habe ich nach drei Grundsätzen angelegt: Ästhetik, Ökologie und praktischen Nutzen“, erklärte der studierte Musikwisschenschaftler. Rasen, saubere Kanten und Beete gibt es in dem Garten, der aus dem 17. Jahrhundert stammt, nicht. Dafür einen schmalen Schlängelpfad, der durch hohes Gras an 300 Jahre alten Eichen, einem Mammutbaum und Obstbäumen entlang führt.

„Auf dieser alten Streuobstwiese gibt es eine Vielzahl von Leben“, freut sich Nikolaus Westphal, der in seinem Wohnhaus in Heidmühlen das Licht der Welt erblickte. „Der Garten war früher einmal ein Wischhoff, da wurde Gras für das Vieh gemäht. Dort hinein hatte man Obstbäume gesetzt“, erzählt er. Eine ganz besondere Apfelsorte wächst dort auch, wie der ledige Künstler weiter ausführt: „Es ist der Wirtsapfel, den gibt es nur hier in Heidmühlen in meinem Garten. Das hatte mir mein Großvater schon erzählt.“ Es handelt sich bei dem Wirtsapfel um eine lokale Sorte des Borsdorfer Apfels. Und weil der Apfel ihm so gut schmeckt, hat Nikolaus Westphal den Baum veredelt, bevor er abstirbt. „Acht Menschen aus Heidmühlen haben jetzt dieses Edelholz in ihrem Garten, und wir hoffen, dass der Apfel weiter lebt.“

Auf der Wanderung durch Westphals Wiese kommt man an ausgedruckten Gedichten vorbei, die der Künstler an Holzpflöcken angeheftet hat. Sie sollen mit der Stimmung des Platzes korrespondieren. „Hier kann man innehalten und sich selbst in der Natur wieder nahe kommen. Wir sollten uns mit der Natur wieder versöhnen“, sagt er programmatisch.

Das Grundstück des Künstlers liegt zweigeteilt beidseitig der Dorfstraße. Auf dem Grundstück hinter seinem Geburtshaus hat der Heidmühler mehrere große Steine aufgereiht: „Das sind Fundsteine aus einem alten Stall. Sie dienen der Zauneidechse als Sonnentankstelle.“ Die seltenen Echsen sind Insektenvertilger und schützen so nebenbei das Gemüsebeet des Besitzers. Das hat er in mehreren, etwa 20 Meter langen Hochbeeten aus Haselnusshölzern angelegt. „So wurde das im Mittelalter gemacht“, erklärt er.

Nicht allen in Heidmühlen gefällt sein lebendiges, artenreiches Grundstück. „Mit manchen Nachbarn habe ich deswegen Ärger.“ Andere wieder sind ganz begeistert und lassen sich gerne von dem sympathischen, kundigen Mann herumführen. „Hier waren schon Leute aus England und München, die von meinem Garten gehört haben und ihn gerne sehen wollten.“

Wie jeder Gartenbesitzer zupft auch Nikolaus Westphal Unkraut, allerdings ohne zu murren: „Die Tätigkeit der Hände macht den Kopf völlig frei. Da ist dann Platz für Ideen, und bisweilen rauschen ganze Vorträge einfach so herbei.“ Ohnehin hat er alles von Hand angelegt, mit der Schubkarre Sand für die Wälle heran gekarrt und mit der Schaufel aufgehäuft. Und weil sein Garten ein harmonisierendes Refugium ist, hat das Handy dort auch nichts verloren. „Das liegt immer im Haus. Ich bin ein echtes Naturkind und kann mich lautlos an Tiere anschleichen. Einen Eisvogel habe ich schon beim Fischfang beobachtet. Und ich habe einen Hermelin auf Mäusejagd gesehen. Eine Ricke wirft hier jedes Jahr ihre Kitze, ich durfte dabei sein, wie sie ihre Kinder säugt. Ich spreche dann leise Plattdeutsch mit ihr, und sie läuft nicht weg. Es ist ein Wunder.“ 

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