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Gnadenhochzeit : 70 Jahre gemeinsam durch dick und dünn

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hildegard (93) und Werner Hesse (96) feiern heute das seltene Fest der Gnadenhochzeit. Gemeinsam schafften sie es auch in den schweren Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | In harten Zeiten lernten sie sich kennen: Werner Hesse war im Zweiten Weltkrieg verwundet, erholte sich im Genesungsurlaub daheim in Königsberg. Dort lernte er seine „Hilla“ – Hildegard – kennen. „Das Mädchen möchte ich kennenlernen, habe ich damals gedacht. Sie war hübsch, hatte eine gute Figur“, erinnert sich der heute 96-Jährige schmunzelnd. Und gescheit war sie auch. Der Bund fürs Leben hält immer noch: Das Paar feiert heute das seltene Fest der Gnadenhochzeit.

Dabei war am Anfang gar nichts sicher: 1943 verlobte sich das Paar, doch er musste wieder an die Front, wurde ein zweites Mal verwundet. Hildegard musste Jahre bangen, ehe sie ihren Werner wieder in die Arme schließen konnte, musste sich um ihre Geschwister kümmern, weil ihre Mutter 1949 starb. Sie flüchteten mit einem Dampfer, kamen nach Rendsburg, dann nach Neumünster. „Wir waren jung, hatten viel Mut, aber alles war sehr mühselig“, erinnert sich Hildegard, die in Königsberg als Bernsteinschleiferin arbeitete, an die ersten Jahre, und lobt ihren Mann: „Er war immer zur Stelle, er ist ein Tausendsassa.“ Als Mitglied der Siedlergemeinschaft „Eigener Herd“ profitierten sie von dem ersten Projekt für Flüchtlinge, bauten ihr Haus am Dahlienweg – mit zwei kleinen Kindern: Sohn Ralf kam 1948, Tochter Dagmar kam 1950 zur Welt. Werner Hesse liebte das Autofahren, arbeitete erst „beim Engländer“ als Transporteur, dann 27 Jahre lang als Lkw-Fahrer bei Max Huss. Es wurde alles besser, Hildegard kümmerte sich liebevoll um Haus und Kinder („wir hatten auch ein bisschen Glück“).

Und wie hält eine Beziehung 70 Jahre lang? „Wir haben uns immer gut verstanden, uns gegenseitig zugehört und uns respektiert, und wenn mal Streit war, haben wir uns schnell wieder vertragen, immer vor dem Schlafengehen“, sagt Werner Hesse mit einem liebevollen Blick zu seinem „Pummelchen“.

Heute hält er sich mit Gartenarbeit fit und pflegt seine „Hilla“ hingebungsvoll. Ich wünsche mir, dass es noch so lange bleibt, wie es geht“, sagt er. Dem Paar gratulieren seine Kinder, aber auch Enkel Björn (35) und Urenkelin Kim (14).

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