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Gnadenhochzeit : 70 Jahre gemeinsam die Welt entdeckt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Lore (90) und Werner Ehrich (93) feiern heute das seltene Fest der Gnadenhochzeit / Es gratuliert eine große Familie

Neumünster | Sie wohnten als Kinder nur 200 Meter entfernt voneinander, aber erst, als Lore Bennat 15 Jahre alt war, brachte sie ein Praktikum im Rahmen eines Pflichtjahrs in die Nähe ihres Zukünftigen – in seine direkte Nachbarschaft. Werner Ehrich war kein Draufgänger: „Wir lernten uns nach und nach kennen. Ich schätzte ihre fröhliche, spontane, quirlige Art.“ Das tut er noch immer – denn am heutigen Dienstag feiert Lore (90) und Werner Ehrich (93) das seltene Fest der Gnadenhochzeit.

Dabei fand die Hochzeit vor 70 Jahren unter schwierigen Umständen statt: Der Zweite Weltkrieg tobte. Werner Ehrich, damals Unteroffizier, reiste von der Front in Süditalien an, hatte sich zehn Tage Sonderurlaub genommen. Seine Lore war damals Chefsekretärin beim Beschaffungsamt der Kriegsmarine in Kiel, hatte alle notwendigen Unterlagen bereit. Damals mussten Eheleute Bescheinigungen über die arische Abstammung vorlegen, erinnert er sich. Am 6. November 1944 wurde Neumünster von einem schweren Bombenangriff getroffen; am 11. November wurde geheiratet, allerdings nicht wie geplant in der Vicelinkirche, sondern im Pastorat. Und auch an diesem Tag gab es Fliegeralarm. Die Gäste mussten in die Keller und Bunker flüchten.

Nach dem Krieg musste hart gearbeitet werden – in der Landwirtschaft, beim Straßenbau, später in der Metallindustrie und einer Lederfabrik. „Wir sammelten Ähren auf den abgeernteten Feldern und stoppelten Kartoffeln“, erinnert sich Werner Ehrich. 1948 nahm er sein Studium für das Lehramt wieder auf, unterrichtete ab 1950 an einigen Schulen in Neumünster, war bis zu seiner Pensionierung vor 31 Jahren 17 Jahre lang Leiter der Gustav-Hansen-Schule. Daheim waltete Lore Ehrich mit Leidenschaft als verantwortungsbewusste Familienmutter, bestellte den Garten, erzog die Töchter Sybille (61) und Angela (58). Mit der Familie und den Nachbarn wurde gern gefeiert. „Wir haben gesund und bescheiden gelebt, hatten nie den Ehrgeiz, viel zu besitzen. Die Kompetenzen waren klar aufgeteilt“, sagt der Jubilar auf die Frage, wie eine Ehe so lange halten kann. Sie betonen: „Wir sind Kompromisse eingegangen, haben uns gegenseitig respektiert und alles gemeinsam beschlossen. Streit war nie unsere Lebensart.“ Sie schätzte an ihm „seine ruhige zurückhaltende Art“, sagt sie – und auch heute noch halten sie beide liebevoll Händchen und schauen sich in die Augen: „Dat kümmt all’ns as dat schall.“

Und sie hatten eine schöne Zeit: In den Ferien erkundeten sie die Welt – mit Zelt und Schlafsack als Globetrotter in die Mittelmeerländer, den Nahen Osten, den Balkan, nach Spanien, Marokko, Israel und Indien. Doch trotzdem blieben sie bodenständig und der Heimat verhaftet; immer noch wohnen sie an der Straße, an der sie geboren und aufgewachsen sind – an der Wasbeker Straße in Faldera. „Wir fühlen uns wie die letzten Eingeborenen“, sagen sie schmunzelnd. Zu dem besonderen Fest gratuliert eine große und eng miteinander verbundene Familie – neben den Töchtern die Enkel Stefanie (34), Tim (32), Johanna (29) und Frederike (18) sowie die Urenkel Michael (9) und Emma (6).

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