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Sicherheitsschulung : 7 von 10 Lastern sind falsch beladen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Angehende Berufskraftfahrer der Lehmkuhl-Schule bekamen beim Praxistag einen Eindruck über Gefahren durch stümperhafte Lkw-Sicherungen.

Neumünster | Bremsen quietschen scharf. Nur Bruchteile einer Sekunde später ist ein heftiger Knall zu hören, dann ist Stille. André Thiele tritt mit einer Gruppe junger Männer an die Ladefläche des Lasters heran, der gerade eine Vollbremsung gemacht hat. Der Referent für Ladungssicherung aus Bremen hält eine Blechtonne hoch. Die angehenden Berufskraftfahrer sind beeindruckt. Der Steinklotz, der vorher recht mittig auf dem Auflieger gelegen hatte, ist in vollem Tempo gegen die davor stehende Tonne gerauscht und hat diese ordentlich eingebeult. Den Schülern wird klar: Bei einem Unfall hätte die nicht gesicherte Ladung die Wand zur Führerhauskabine durch- und den Fahrer womöglich erschlagen. Gleich an der ersten von insgesamt neun Stationen beim Praxistag erfuhren 42 Walther-Lehmkuhl-Schüler aus Schleswig-Holstein und Hamburg jetzt hautnah, was sie bisher nur aus der Theorie kannten.

Die Veranstaltung fand in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburg-Kaserne an der Färberstraße statt. Organisiert wurde sie von Studienrat Jan Schippmann (37), der insgesamt zehn Ausbilder engagiert hatte. „Die Flächen hier sind optimal. Dank der Unterstützung durch die Logistik-Branche bekommen die Schüler einen Eindruck, was passiert, wenn Ladung nicht richtig gesichert wird“, sagte er. Die Speditionen Voigt, Boyens, Moser, Irtz, Backring Nord und Schultz & Sohn hatten Laster zur Verfügung gestellt, hinzu kam ein Bus von Vineta aus Kiel, in dem die Schüler selbst einmal erfuhren, was eine Vollbremsung mit ihrem Körper bewirkt. „In dieser Form ist der Praxistag einzigartig in Norddeutschland“, so Schippmann.

Eine Station betreute Michael Möller vom Bundesverband der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik (Deula) in Rendsburg. Gleich mehrere Fehler hatte er auf einem Hänger bei verfrachteten Paletten eingebaut. Die Schüler mussten diese finden. Doch vorab präsentierte er aus seiner jahrelangen Erfahrung erschreckende Zahlen: „70 Prozent der Laster auf deutschen Straßen fahren mit falsch gesicherter Ware. Da muss nur mal ein Kind vor die Zugmaschine laufen oder das Stauende zu schnell kommen, dann ist die Katastrophe da.“ Vladislav Puschkarev (19) aus Malente und Björn Blaffert (19) aus Preetz wollen es später besser machen: „Der Tag hier ist super, man bekommt endlich mal Praxiserfahrung.“

Ein paar Meter weiter kämpften Marvyn Heincke (18), Marcel Rüß (21), Marcel Oelschläger (21) und Andre Tenkhoff (19) damit, einen Stahlträger richtig zu sichern. Zwölf Minuten Zeit hatte Stabsunteroffizier Alan Jenkinson, bei der Bundeswehr in Husum für Gefahrgut und Bergung zuständig, ihnen dafür gegeben. Am Ende war er nicht ganz zufrieden. „Man merkt bei vielen die Unerfahrenheit. Ältere Kollegen verunsichern die jungen zusätzlich. Sie erzählen, es sei schon immer ohne ausreichende Sicherung gut gegangen, also werde das auch weiter so bleiben. Das ist unverantwortlich.“

Und damit alle Schüler gut davon haben, drehte Lehrerin Mareike Wehrmann während des Praxistages einen Film, der künftig im Unterricht gezeigt werden soll.

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erstellt am 27.Sep.2014 | 12:00 Uhr

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