Eiserne Hochzeit : 65 Jahre lang gemeinsam alles gemeistert

Auch nach 65 Jahren halten sie gern noch Händchen: Käthe (85) und Erwin Kroschinski (89) feiern heute das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Ihr zuliebe stimmt er ein Ständchen mit einem Stimmungslied an.
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Auch nach 65 Jahren halten sie gern noch Händchen: Käthe (85) und Erwin Kroschinski (89) feiern heute das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Ihr zuliebe stimmt er ein Ständchen mit einem Stimmungslied an.

Käthe (85) und Erwin Kroschinski (89) feiern heute das Fest der eisernen Hochzeit. Beim Tanzen in der Tonhalle lernten sie sich kennen. Eine große Familie gratuliert zum Jubiläum.

shz.de von
15. Juli 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | So lange ist selten ein Paar zusammen: Erwin Kroschinski lernte beim Tanzen in der Tonhalle „seine“ Käthe kennen. Sie war 21 Jahre jung, und er war auch ein schmucker Kerl. „Ich mochte ihn gut leiden, er war immer gut angezogen“, sagt die heute 85-Jährige. Er machte ihr förmlich einen Antrag, und sie heirateten 1950 – und am heutigen Mittwoch feiern sie das seltene Fest der eisernen Hochzeit.

Neumünster war immer ihr Lebensmittelpunkt: Käthe Kroschinski, geborene Kelch, wuchs als Einzelkind in Hochfeld bei Brokdorf an der Elbe auf, wollte aber immer gerne in Neumünster leben. Erwin, der gebürtig aus Jankendorf bei Danzig kommt, wuchs dort auf und wurde als 16-Jähriger als Soldat in den Zweiten Weltkrieg geschickt. Mit viel Glück überlebte er, kam in französische Gefangenschaft, lernte die Sprache und arbeitete als Koch. Über das Deutsche Rote Kreuz fand er seine Familie wieder und kam nach Neumünster, wo er seine Frau kennenlernte.

Als sie 1950 heirateten, zogen sie zusammen und wohnten zunächst in der Innenstadt. Als erstes von sieben Kindern kam Tochter Marlis 1951 zur Welt, es folgten Regina, Ute, Ilona, Liane, Petra und ganz am Schluss der ersehnte Stammhalter, Sohn Lars. Für Käthe war die Familie ihr Ein und Alles, sie umsorgte die Kinder und ihren Mann, der als Postbeamter am Schalter in der Hauptpost arbeitete. „Ich habe immer schwer gearbeitet und alles zu Fuß besorgt, wir hatten damals kein Auto“, erinnert sie sich. Das Paar zog mehrfach um, bis sie ein Haus an der Nachtigallenstraße bauten, in dem sie bis 2010 wohnten.

Käthe Kroschinski war gelernte Haushaltsgehilfin und arbeitete, als die Kinder größer waren, als Köchin im Friedrich-Ebert-Krankenhaus. Und da Liebe bekanntlich auch ein wenig durch den Magen geht, servierte sie ihm daheim seine Lieblingsgerichte – Hausmannskost wie Kartoffeln, Fleisch und Soße, Fliederbeersuppe oder Milchgerichte wie Pudding und Milchsuppe. Als liebste Hobbys nennt sie Handarbeiten: „Ich habe damals viel für meine Kinder genäht und gestrickt, auch mal einen Pullover für meinen Mann.“ Als die Kinder groß waren, reisten die zwei gerne – am liebsten nach Usedom oder auf die Blumeninsel Mainau, machten auch Ausflüge nach Brokdorf in ihre alte Heimat oder an den Kanal nach Breiholz. Sie hatten einen großen Freundeskreis und gute Kontakte zu den Nachbarn und pflegten die Mitgliedschaft im Postwanderverein. Sie verbrachten viel Zeit miteinander, nur einmal in der Woche ging sie allein zu ihrer Kniffelgruppe.

2010 zogen die Kroschinskis aus ihrem Haus aus und siedelten aus gesundheitlichen Gründen in die DRK-Fachklinik Hahnknüll um. Sie wohnen dort gemeinsam in einem Zimmer, in dem viele Erinnerungen sind – Familienfotos, Puppen, die Käthe immer sehr liebte und ihre gehäkelten Decken. Damals wie heute ist Erwin Kroschinski musikalisch, er spielte viele Jahre Akkordeon und Mundharmonika. Auch heute noch bringt er in guten Momenten seiner Frau ein Ständchen und singt alte Stimmungslieder: „Ich bin ein alter Brummer“, sagt er, und seine Frau nimmt seine Hand und streichelt sie.

Zum Jubiläum gratulieren die Kinder und Kindeskinder im Rahmen einer vom DRK-Klinikteam ausgerichteten Feier – zur großen Familienschar gehören insgesamt zehn Enkel und fünf Urenkel.

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