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Diamantene Hochzeit : 60 gemeinsame Jahre als Geschenk

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Eheleute Helga (80) und Bernhard Albrecht (89) aus Wittorf feiern heute das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Es war im Sommer 1954. Bernhard Albrecht war mit seinem Cousin unterwegs, und auf einer Jugendfreizeit der freikirchlichen Gemeinden am Brahmsee trafen Kieler und Neumünsteraner Chorsänger aufeinander. „Da guckte man sich so die hübschen Mädchen an“, erinnert sich der heute 89-Jährige schmunzelnd. Auch Helga Petzimma und ihre Schwester Gerda waren da. Bernhard und sein Cousin rätselten: „Sind das Zwillinge oder Schwestern?“ Der gebürtige Ukrainer, der seit 1946 in Neumünster lebte, fackelte nicht lange: Er ging auf die beiden zu und fragte offen heraus: „Aha! Schwestern!“ Sie tauschten Adressen aus – und im Oktober verlobten sie sich. Freundschaft und Zuneigung hielten 60 Jahre bis heute: Das Wittorfer Paar feiert heute das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

„Das war ein reines Wunder“, sagt Bernhard Albrecht mit einem liebevollen Blick zu seiner Helga. Eigentlich waren es zwei Wunder: Er überlebte nach schwerer Verletzung die russische Gefangenschaft, schlug sich erst zu seinem Onkel nach Frankfurt an der Oder, dann nach Neumünster durch. Und: Ohne den gemeinsamen Glauben und ohne den Chor, damals von Karlheinz Grube geleitet, wären sie sich nie begegnet, sagen die gläubigen Baptisten. Es war Liebe auf den zweiten oder sogar dritten Blick, aber sie hielt umso fester. „Wenn ich mich mit ihr unterhalten habe, habe ich immer gestaunt, wir haben viele Gespräche geführt, sie war so verständnisvoll“, erinnert er sich.

Die hübsche Frau mit wachem Verstand eroberte sein Herz. Er besuchte sie immer wieder und traute sich: „Eigentlich verstehen wir uns ja gut, aber Du bist ja so viel jünger als ich... Wollen wir uns verloben?“ Die gebürtige Tilsiterin (Ostpreußen), die es nach dem Krieg nach Kiel verschlug, sagte glücklich Ja. Am 30. Juni 1956 heiratete das Paar in Kiel. Aufgrund der Wohnungsnot lebten sie zunächst mit ihren Müttern in einer 45 Quadratmeter großen Wohnung an der Rendsburger Straße gegenüber der Kreuzkirche.

Das Paar gründete eine große Familie. April 1957 kam Tochter Angelika (59) zur Welt, im November 1959 folgte Tochter Sigrid (56), Stammhalter Friedhelm (55, „Friedo“) wurde im Juli 1961 geboren. 1964 zog die Familie nach Wittorf in das Reihenhaus, in dem sie jetzt seit 50 Jahren wohnt und es sich schön gemacht hat. Beide hatten immer ein offenes Haus, 30 Jahre fanden ein christlicher Hauskreis, Verlobungen der Kinder und viele andere Feste dort statt. Und noch ein Wunder passierte: Der Dachdecker, der zunächst bei der Firma Beyer arbeitete, bei Gotthard und Schuldt in die Lehre ging, überlebte auf einer dienstlichen Fahrt 1961 einen schweren Autounfall. Von 1961 bis zur Rente war er bei der Firma Kuhnert tätig. Helga Albrecht engagierte sich nach der Familienphase in der Pflege Gebrechlicher und Todkranker und arbeitete als Hauswirtschafterin.

1976 nahm das Paar seine Pflegetochter Ira (55) auf. Der Familienzusammenhalt ist bei den Albrechts ein zentraler Lebenssinn – genau wie gegenseitiger Respekt. „Wenn Leute sagen, sie sind immer glücklich und hätten nie Streit, kann das nicht stimmen“, sagt Helga Albrecht. Ein Patentrezept für so eine lange gemeinsame Zeit gebe es nicht, aber: „Wenn auch Meinungsverschiedenheiten da waren, haben wir darüber geredet und sind uns wieder einig geworden. Ohne Gute-Nacht-Kuss sind wir nie ins Bett gegangen.“

Eine große Familie mit den Enkeln Markus (38), Tobias (36), Benjamin (33), Arne (28), Olav (25), Börge (18), Pia (24), Ruven (21), Damaris (19), Anna (31), Lea (29), Laura (28), Lisa (22) und Julius (13) und einer Urenkel-Schar gratuliert den Jubilaren. Helga Bernhardt lacht: „Wir freuen uns und sind dankbar für die geschenkte Zeit zu zweit. Ich schätze an meinem Mann seinen Humor. Wir lachen miteinander. Je länger man zusammen lebt, desto mehr merkt man, dass man ohne den anderen nicht leben möchte.“ Die zwei zitieren einen Vers von Matthias Claudius: „Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben. Ich war wohl klug, dass ich Dich fand. Doch ich fand nicht, Gott hat Dich mir gegeben. So segnet keine andere Hand.“

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