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Pläne für die Rantzau-Kaserne : 500 Flüchtlinge sollen nach Boostedt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Land ist in Not und braucht dringend eine Zweigstelle der zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber.

Boostedt | Nun ist es offiziell. Die Landesregierung will 400 bis 500 Asylbewerber in Teilen der Rantzau-Kaserne in Boostedt unterbringen. Das bestätigte Bernd Küpperbusch, Staatssekretär im Innenministerium, gestern bei einem Besuch in Boostedt bei Bürgermeister Hartmut König (CDU).

Geplant ist zurzeit die Anmietung von vier Gebäuden, die mit einem Zaun vom Kasernengelände abgetrennt werden sollen. Ein entsprechender Antrag zur Amtshilfe wurde dazu an die Bundeswehr gestellt (der Courier berichtete).

„Die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber am Haart in Neumünster ist total überlastet. Dort muss jetzt schon mit Zelten gearbeitet werden. Deshalb brauchen wir dringend weitere Unterkünfte, denn der Strom der Flüchtlinge wird nicht abreißen“, erklärte Bernd Küpperbusch. Noch sei bei der Bundeswehr nichts entschieden, doch die Not sei groß und man werde hier weiter verhandeln. Die Entscheidung zum Antrag werde zurzeit im Kommando für territoriale Angelegenheiten in Berlin geprüft. Eine Antwort wird in diesem Monat erwartet.

„Es wurden auch andere Gemeinden geprüft. Doch die Nähe zum Haart sowie auch die funktionierende Infrastruktur im Ort macht Boostedt zu einem guten Standort für eine Zweigstelle“, sagte Küpperbusch weiter. Natürlich dürfe man die Einwohner nicht überstrapazieren, aber die geplante Zahl der Plätze mache 10 Prozent der Einwohnerzahl aus. „Das ist für die Gemeinde zu verkraften. Wir wollen die Gemeinden nicht überfallen, wir wollen jedoch die Notlage deutlich machen, denn es werden noch Tausende Flüchtlinge erwartet“, sagte der Staatssekretär weiter.
 Hartmut König reagierte auf die Mitteilung aus der Landesregierung abwartend. „Wir müssen jetzt sehen, was entschieden wird. Noch steht ja nicht fest, dass die Bundeswehr die Gebäude schon freigibt“, sagte er. Sicherlich existiere in der Bevölkerung Sorge vor dem Unbekannten, aber es sei auch eine menschliche Verpflichtung, den Flüchtlingen zu helfen. Dennoch brauche die Gemeinde bei einem positiven Entscheid dann die Unterstützung des Landes, erklärte König weiter.

Dieser Meinung schlossen sich auch die Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung auf Anfrage einstimmig an. „Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen, denn wir sind hier keine Insel der Seligen. Man muss den Leuten helfen, aber auch die Landesregierung muss das Ihre dazu beitragen“, sagte Wolfgang Brückner (CDU).

Für Manfred Stankat steht die Verpflichtung zur Hilfe ebenfalls außer Frage. „Natürlich sind die Menschen beunruhigt, aber mit jeder Sorge muss man auch rational umgehen. Gefordert ist hier jetzt ein intensiver Dialog mit dem Land“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD.

Auch für Marina Weber, die der Fraktion der FWB vorsteht, steht der Respekt vor den Ängsten und Nöten der Flüchtlinge im Vordergrund. „Doch es muss zeitnah einen Aufklärungstermin für die Politik und Bürger mit Verantwortlichen der Landesegierung geben, damit wir wissen, was hier eigentlich auf uns zukommt“, forderte sie.

Im Hinblick auf die Konversion des Kasernengeländes, bei der die Planungshoheit wieder an die Gemeinde übergeht, erläuterte der Leitende Verwaltungsbeamte Sven Plucas noch einen weiteren Aspekt zu den jetzt offen gelegten Plänen: „Wenn jetzt langfristige Mietverträge geschlossen werden, die über die Nutzungsdauer der Bundeswehr hinausgehen, werden Tatsachen geschaffen, die die Planungen der Gemeinde unter Umständen beeinträchtigen. Auch dieser Frage müssen sich die Beteiligten bei einer Entscheidung für Boostedt widmen.“

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