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Landtagswahl : 4455 Erstwähler dürfen an die Urne

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Peter Klassen (16) aus der Böcklersiedlung hat sich über Politik vor allem an der Schule informiert / Viele Altersgenossen haben kein Interesse

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 12:00 Uhr

Neumünster | Wenn Peter Klassen mit seinem älteren Bruder Victor (19) und Mutter Tatjana am Mittagstisch sitzt,  wird auch intensiv über Politik diskutiert. „Das kann schon mal zwei Stunden dauern“, sagt die Mutter.  Peter ist einer von 4455  Erstwählern in Neumünster, die am 7. Mai bei der Landtagswahl ihr Kreuz machen dürfen. Der 16-Jährige aus der Böcklersiedlung, der auf die Gemeinschaftsschule Faldera geht, weiß zwar noch nicht, welche Partei er wählt, ist sich aber über eines sicher: „Ich werde auf jeden Fall wählen gehen.“

Wie informiert er sich? Bisher überwiegend in der Schule: „Im Wirtschaftskursus haben wir vieles diskutiert, Sozialpolitik, Umwelt, Justiz. In einer so genannten Vorhaben-Woche haben wir uns über Politik informiert.“ Als Vorbereitung für eine Diskussion mit Parteivertretern in der Schule wurden die Schüler in Gruppen eingeteilt und nahmen jeweils die Perspektive einer Partei ein. Es wurden Fragen für die Politiker formuliert, wichtige Themen für die Schüler waren Schul- und Flüchtlingspolitik, ganz konkret ging es auch um die Kosten für Schulmaterial und Sicherheit in Schulen. Die Diskussion in der Schule, die persönliche Begegnung mit Politikern habe ihm geholfen, sich ein Bild zu machen, sagt Peter Klassen. Dabei ging es auch um Streitkultur: „Ich fand es respektlos, als viele die AFD ausgebuht haben. Man muss sich ausreden lassen. Ich erwarte ein sachliches, respektvolles Gespräch, bei dem ich mich informieren kann.“ Ein Argument, das ihm geholfen habe, sei die Position der Parteien zum freien Internet in der Schule und das Thema digitale Schule: „Wenn ich später Kinder habe, sollen sie das auch haben.“

Als weitere Informationsquelle sieht er das Internet, auch wenn er sich bewusst ist, dass da auch „viel Müll“ steht. Wahrscheinlich werde er sich noch am Computer über die Parteien informieren, bisher „schiebe ich das aber vor mich hin“. Zeitungen halte er für zuverlässiger als das Internet. 

Insgesamt stellt er allerdings ein begrenztes Interesse seiner Altersgenossen an der Politik fest: „Im Freundeskreis bei anderen Erstwählern ist Politik kein Thema, es interessiert sich kaum jemand dafür. Ich finde, es ist keine gute Idee, dass man schon mit 16 wählen kann.“ Gehen er oder Freunde auf politische Veranstaltungen? Peter Klassen verneint. Politik sei bei Gleichaltrigen kein Gesprächsstoff. Daher  plädiert er für ein Wahlrecht ab 18 Jahren: „Dann ist man aus der Schule raus, macht sich mehr Gedanken über die Zukunft, hat einen anderen Blick auf politische Fragen.“ Er selbst interessiere sich vor allem für aktuelle Themen – Praktikum, Berufsfindung, Ausbildung. „Außen-, Finanz- und Umweltpolitik oder Renten interessieren mich nicht.“

Am Ende ist sein Fazit:  „Ich werde auf jeden Fall demokratisch wählen.“ Seine Mutter bestätigt: „Er soll sich eine Meinung bilden und schauen, welche Parteien was versprechen und ob das möglich ist. Aber wichtig ist vor allem, dass er demokratisch wählt, nichts mit Nazis oder Drogen.“

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