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Neumünster : 42-Jähriger nach tödlichem Streit in Untersuchungshaft

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Streit zwischen zwei Männern eskaliert: Ein 46-Jähriger kommt dabei ums Leben. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 17:54 Uhr

Neumünster | Ein Streit zwischen zwei Männern in einer Wohnung an der Störstraße endete am Dienstagnachmittag für einen 46-Jährigen tödlich. Ein Tatverdächtiger (42) wurde festgenommen. Er wurde gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt. Die Kieler Mordkommission ermittelt.

Nach Auskunft von Matthias Arends, Sprecher der Polizeidirektion in Kiel, gerieten die beiden Polen am Nachmittag in dem Mehrfamilienhaus aneinander. Der jüngere wohnte offenbar mit drei weiteren Männern im ersten Stock. Das spätere Opfer war laut Polizei nur zu Gast in der Wohnung. Worum es bei der Auseinandersetzung genau ging, ist laut Polizei noch unklar. Woran der 46-Jährige starb, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Ein Obduktionsergebnis steht zurzeit noch aus. „Waffen kamen nach derzeitigem Ermittlungsstand jedoch nicht zum Einsatz“, sagt Arends. Der Tatverdächtige soll unter Alkoholeinfluss gestanden haben. Nach Auskunft der Ermittler soll er selbst die Polizei gerufen haben.

Dafür brauchte er aber offenbar Hilfe. Eduard Gottfried wohnt mit seiner Frau im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses, in dem die Gewalttat geschah. Gegen 17 Uhr klingelte es am Dienstagnachmittag an seiner Wohnungstür. „Als meine Frau öffnete, stand da einer der Polen aus der Wohnung im ersten Stock mit einem Handy. Er telefonierte mit irgendwem und gestikulierte. Dann gab er meiner Frau das Handy. Am anderen Ende war da schon die Polizei“, erzählt er. Gemeinsam mit dem aufgeregten Nachbarn, der sich bei der Polizei aufgrund von sprachlichen Problemen offenbar zuerst nicht recht verständlich machen konnte, ging seine Frau aus dem Erdgeschoss zur gegenüberliegenden Wohnung im ersten Stock. „Meine Frau verstand nur, dass da wohl irgendwie in der Wohnung einer auf dem Boden liegt“, berichtet Eduard Gottfried weiter. Doch vor der Tür war die Hilfe der Nachbarin plötzlich nicht mehr erwünscht. „Als sie reingehen wollte, kam ein anderer Mann heraus und schubste sie zurück, er wirkte aggressiv und redete auf Polnisch wild auf sie ein“, erzählt der Ehemann. Daraufhin habe seine Frau lieber den Rückzug angetreten. Wenig später kam die Polizei. Die Beamten fanden den 46-Jährigen leblos in der Wohnung. Ein Notarzt stellte den Tod des Mannes fest.

Eine andere Nachbarin, die direkt unter der Tatwohnung lebt und ihren Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, wurde möglicherweise Ohrenzeugin des Streits. „Ich dachte, da telefoniert einer lautstark“, erzählt die Frau. Der Ton sei aggressiv gewesen. „Jedes zweite Wort war ‚Kurwa‘“, berichtet die Nachbarin am Tag nach der Tat. „Kurwa“ ist polnisch und bedeutet auf Deutsch „Hure“ oder „Scheiße“. Allerdings habe sie sich nichts Schlimmes dabei gedacht. Denn: „Bei den vier Männern war es öfter mal laut. Ich habe immer wieder mal ihre Stimmen gehört“, sagt sie.

Das bestätigen auch andere Nachbarn. „Da war oft was los. Es wurde auch viel gefeiert. Nicht nur am Wochenende. Dann hörte man laute Gespräche und Musik bis in die frühen Morgenstunden“, erzählen sie. Ansonsten wissen die Nachbarn wenig über die Männer aus der Wohnung im ersten Stock rechts. Sie sollen bei einem Paketdienst gearbeitet haben. „Sie grüßten immer freundlich, suchten aber ansonsten keinen Kontakt. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass sie kaum Deutsch sprachen“, vermuten Anwohner.

Stundenlang wurden in der Nacht zu gestern in der Tatwohnung Spuren gesichert. Dann versiegelte die Polizei die Tür. Dienstagvormittag rückten die Ermittler erneut an. Am Nachmittag wurde ein Untersuchungshaftbefehl erlassen. Sowohl das Opfer als auch der Tatverdächtige sind bisher noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

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