Neumünster : 38 Jahre für alle Patienten da

Seit dem Neubau 2014 ist die Rettungswache räumlich von der Feuerwache getrennt und der Arbeitsplatz von Karl-Heinz Herrmann. Ende Februar hört der dann 60-jährige Abteilungsleiter auf.
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Seit dem Neubau 2014 ist die Rettungswache räumlich von der Feuerwache getrennt und der Arbeitsplatz von Karl-Heinz Herrmann. Ende Februar hört der dann 60-jährige Abteilungsleiter auf.

Karl-Heinz Herrmann geht Ende Februar als Abteilungsleiter des Rettungsdienstes in den Ruhestand.

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24. Januar 2018, 19:33 Uhr

Als er anfing, gab es noch keine Medikamente und keinen Defibrillator im Krankenwagen. Die Einsatzzahlen waren noch viel geringer. Am 1. Januar 1980 startete Karl-Heinz Herrmann (59) seine Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr. „Noch heute gehe ich gerne zur Arbeit, auch wenn man es mir nicht immer ansieht. Wegen meines Gesichtsausdrucks gelte ich manchmal als muffig. Das bin ich gar nicht“, sagt der verheiratete Einfelder und lächelt. Seine Arbeitstage sind gezählt. Ende Februar geht der Abteilungsleiter, der seit 20 Jahren die Rettungswache leitet, in den Ruhestand.

Bis zum Schluss war er im Einsatz. Dabei gibt es nichts, was der gelernte Werkzeugmacher, der bei AEG am Berliner Platz lernte, nicht gesehen hat. Unzählige Verletzte und Tote musste er bergen, auch Kinder waren darunter. „Wenn Mensch und Metall nach einem Unfall eins werden, ist das nicht schön“, sagt der Vater einer mittlerweile erwachsenen Tochter. Ein hoher Anspruch und emotionale Stärke zeichnen ihn aus. „Wenn ein Feuerwehrmann früher geweint hat, galt er als schwach. Das hat sich zum Glück gewandelt.“ Heute gebe es psychosoziale Hilfe.

Was ihn schon immer wurme, sei Hilflosigkeit. Deshalb erinnert sich Herrmann, der durch seinen Bruder zur Feuerwehr kam, auch noch an einen Einsatz Mitte der 1990er-Jahre in Gadeland. Ein Turnierpferd war in einen Zuflussgraben für ein Wasserrückhaltebecken gefallen und zwischen Spundwänden eingeklemmt. „Wir haben stundenlang mit allen möglichen Dingen versucht, es zu retten. Irgendwann ging es unter und ertrank.“ Lange habe ihn das beschäftigt. „Wenn wir gerufen werden, sind wir verantwortlich, dass ein Patient gerettet wird und es ihm besser geht. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Menschen, ein Pferd oder eine Taube handelt.“ Gerade bei Tieren habe sich die Einstellung aber gewandelt. „Da heißt es heute oft, ist doch nur ein Vogel. Aber auch der ist ein Lebewesen.“

So ganz lässt Karl-Heinz Herrmann der Rettungsdienst auch im Ruhestand nicht los. Als Dozent und Ausbilder bleibt er weiter tätig. Ansonsten hat der begeisterte Motorradfahrer und Familienmensch einige Reisen auf dem Zettel. Drei Maschinen stehen in seiner Garage. „Ich habe schon in der Vergangenheit viele Reisen durch Europa gemacht. Meine Frau hört im September auf. Dann wollen wir uns als passionierte Camper ein Wohnmobil zulegen, auf das auch ein Motorrad passt“, sagt er.

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