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100 Jahre Sozialverband : 3500 Gäste feierten ihren Verband

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hildegard Meyer war Ehrengast bei der Feier. Sie wird im Dezember ebenfalls 100 Jahre alt.

Neumünster | „Das ist heute ein unvergesslicher Tag für mich“, freute sich Hildegard Meyer. Im Rahmen des großen Jubiläums „100 Jahre Sozialverband Deutschland (SOVD)“ hatte der Landesverband Schleswig-Holstein am Sonnabend zu einem sechsstündigen „Fest für das Ehrenamt“ geladen und die Neumünsteranerin Hildegard Meyer zum offiziellen Ehrengast ernannt. „Wenn jemand wie Frau Meyer im selben Jahr geboren wurde, in dem Erich Kuttner 1917 den Bund der Kriegsbeschädigten als Vorläufer des heutigen SOVD gründete, und zudem seit 65 Jahren Mitglied im Sozialverband ist, gebührt ihm große Ehre“, sagte Moderator Christian Schröder unter dem Applaus von 3500 Gästen in der Holstenhalle.

„Das ist hier wie eine Familie für mich“, sagte Hildegard Meyer. Der Verband habe sie als junge Kriegerwitwe unterstützt und ihr Halt gegeben. „Das Schicksal, plötzlich ohne Mann zu sein und für ein kleines Kind sorgen zu müssen, teilten im Nachkriegsdeutschland viele Frauen. Der Sozialverband half uns in allen rechtlichen Fragen, und was das Schönste war: Hier fanden wir Geselligkeit“, erzählte die alte Dame, die im Dezember ihren 100. Geburtstag feiern wird. Geselligkeit schätzt Hildegard Meyer bis heute. Im Singkreis des SOVD trifft sie regelmäßig auf Gleichgesinnte.

„Die starke Gemeinschaft solidarischer Menschen“, unterstrich auch Staatssekretärin Anette Langner in ihrem Grußwort. 4000 Ehrenamtliche kümmern sich in rund 370 Ortsverbänden um die Belange der Mitglieder. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam!“ organisieren sie zahlreiche Veranstaltungen – von Ausflugsfahrten über Informationsabende bis hin zu geselligen Treffen.

Auf die Entwicklung vom Verband, der Versehrten eine Stimme verleiht, hin zu einem modernen Dienstleister verwies Adolf Bauer. „Wir haben die Eckpfeiler der deutschen Sozialpolitik geprägt“, sagte der SOVD-Präsident. Er blicke gespannt auf die Bundestagswahl und den Umgang der zukünftigen Regierung mit der Alterssicherung. „In einem Land, dessen Wirtschaft boomt, fordern wir eine Lebensstandardsicherung“, so Bauer.

Sven Picker ging noch einen Schritt weiter. „Befristung, Leiharbeit und Werkverträge zeichnen das heutige Arbeitsmarktbild. Das ist auch für Jugendliche sehr ärgerlich“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende in seiner Ansprache. Das Sozialgesetzbuch werde trotz gegenteiliger Versprechen immer komplizierter. „Alle, die für den Bundestag kandidieren, sollten eine unserer Beratungsstellen besuchen, um sich ein Bild zu machen“, schlug Picker vor. Boni-hungrigen Bankvorständen rief er unter großem Applaus der Gäste ein „Schämt Euch!“ zu und versprach: „Wir kämpfen weiter für eine Gesellschaft mit einem menschlichen Antlitz.“

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erstellt am 29.Mai.2017 | 08:30 Uhr

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