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Typisierungsaktion : 313 Schüler wollten Jurij (13) helfen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Großer Andrang bei der Typisierung für den krebskranken Ukrainer in der Theodor-Litt-Schule. Heute und morgen gibt es weitere Aktionen

Großes Gedränge herrschte gestern ab 10 Uhr in der Aula der Theodor-Litt-Schule an der Parkstraße: Hunderte von Schülern standen Schlange, um sich an der Typisierungsaktion für den leukämiekranken Jurij Ljadov (13) aus der Ukraine zu beteiligen. Im Vorfeld hatte die Organisatorin Eberhardine Seelig vom Verein Teestube David die Klassen besucht, die Aktion erklärt und Jurijs Geschichte erzählt. Sie strahlte gestern inmitten der Schülermassen: „Ich bin überwältigt über diese Motivation.“ Am Ende der Aktion wurden 313 Blutproben von möglichen Stammzellenspendern gezählt.

Bandage festzurren, Blut stauen, „bitte eine Faust machen“: So wie Dr. Heiko Dau sagten das Arzthelferinnen, Krankenschwestern und Medizinisch-Technische Assistentinnen im Minutentakt. Vene ertasten, ein kleiner Pieks – nur ein paar Milliliter Blut wurden abgenommen, etwa ein Fingerhut voll. Der 60-jährige Chirurg im Ruhestand hat eine persönliche Motivation: 2005 hatte er Knochenmarkkrebs, und ihm half dabei eine Typisierungsaktion: „Ich bin selber Stammzellenempfänger.“

Eine andere Motivation hatte Anna Leppert (18), die sich mit Cathrin Glaser (18) und Jessica Galinski (17) eingereiht hatte: „Mein Opa ist an Leukämie gestorben. Ich bin hier, weil ich weiß, dass es auch einen selbst treffen kann und ich helfen möchte.“ Brigitte Thimm, Krankenschwester im Ruhestand, suchte bei Anna zunächst vergeblich eine Vene und brachte die junge Frau zu Heiko Dau. Der fand die richtige Stelle. „Anna, halt’ durch!“, rief aufmunternd ihr Mitschüler Tobias Ladehoff (22) von nebenan. Die überstand alles tapfer und konnte hinterher schon wieder lächeln.

Rund 25 Ehrenamtliche wiesen die Schüler an die fünf Tische, an denen das Blut abgenommen wurde, verköstigten sie, halfen mit den notwendigen Unterlagen. Viele Schüler hatten von der Aktion über Plakate und Infos erfahren, die die 20-köpfige Berufsschüler-Klasse mit Schwerpunkt Kommunikation verteilt hatte. Lehrer wurden per Mail informiert, viel half auch Mundpropaganda. Am Freitagmorgen liefen Schul-Pressesprecherin Katharina Kauper und ihre Schüler extra zu den Außenstellen an der Holstenstraße, um weitere Berufsschüler zu erreichen, die nicht jeden Tag in der Hauptstelle sind.

„Das ist eine ganz hervorragende Resonanz! 313 Proben sind ein super Ergebnis, ich bin positiv überrascht, denn junge Leute wollen sich oft nicht mit so ernsten Themen auseinandersetzen“, freute sich gestern Elisabeth Terboven, Koordinatorin der gemeinnützigen Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld, die sich für Leukämie- und Tumorkranke engagiert. Dass es sich um junge Spender handelt, ist ihr besonders wichtig: „Das sind die wertvollsten. Die Überlebenschance mit jüngeren Zellen ist höher.“ Am Montag werden die Neumünsteraner Blutproben zum Labor der Stiftung nach Birkenfeld gefahren und untersucht. In einer Woche etwa könnten Ergebnisse feststehen und weltweit abgeglichen werden, schätzte Elisabeth Terboven.

Auch heute und morgen können sich Interessierte typisieren lassen: heute von 10 bis 16 Uhr in der Klaus-Groth-Schule an der Parkstraße 1, am Sonntag beim Jugendverband, Boostedter Straße 3. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren brauchen das Einverständnis der Eltern (Formular zum Herunterladen: www.ukrainischekrebshilfe.de). Angesprochen sind vor allem junge Menschen, gerne auch mit ausländischen Wurzeln; aber auch Erwachsene sind herzlich willkommen, wenn sie die Grundbedingungen erfüllen. Mehr Infos gibt es auch unter www.stefan-morsch-stiftung.de.

Ein NDR-Team filmte für das gestrige „Schleswig-Holstein-Magazin“: Der Beitrag ist unter www.ndr.de/mediathek aufzurufen.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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