Neumünster : 238 Lehrstellen sind noch frei

Restaurantfachleute werden gesucht: In der Gastronomie stehen die Chancen für angehende Azubis gut, eine Lehrstelle zu bekommen.
Mal über den Tellerrand schauen: In der Gastronomie stehen die Chancen für angehende Azubis gut, eine Lehrstelle zu bekommen.

Agentur für Arbeit: 163 Jugendliche haben ihren Traum-Ausbildungsplatz bisher nicht gefunden.

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10. August 2018, 12:00 Uhr

Neumünster | Viele junge Leute haben zum 1. August ihre Berufsausbildung begonnen. Doch auf dem Ausbildungsmarkt ist noch eine Menge im Fluss. Betreibe suchen händeringend Nachwuchs. Allein in Neumünster sind noch 238 offene Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind neun weniger als vor einem Jahr, aber mehr als 2016.

Dem gegenüber stehen 163 unversorgte Jugendliche, die ihre Wunsch-Lehrstelle noch nicht gefunden haben. „Das sind 44 weniger als vor einem Jahr“, sagt Andrea Julke, die Sprecherin der Agentur. Die meisten freien Ausbildungsstellen gebe es im Handel, gefolgt von Köchen. „Eine ganz bunte Mischung. Daran sieht man, dass das ein branchenübergreifendes Problem ist“, so Julke.

„Das Spiel läuft noch. Viele Jugendliche brechen zu Anfang der Ausbildung ab – und stehen dann möglicherweise für andere Betriebe zur Verfügung“, so die Agentur-Sprecherin. Es gebe auch weiterhin die bewährten Nachvermittlungsaktionen, etwa am 13. September ein Azubi-Speeddating im Berufsinformationszentrum an der Brachenfelder Straße.

Das Neumünsteraner Handwerk verzeichnet einen kleinen Aufwärtstrend , denn die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge ging von 166 (2016) und 189 (2017) auf 193 (2018) nach oben. „Das ist positiv, denn der Bedarf an Nachwuchs ist groß – auch wegen der sehr guten Handwerkskonjunktur. Die Handwerksunternehmen sind auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen und möchten diese auch selbst ausbilden“, sagt Anja Schomakers, die Sprecherin der Handwerkskammer Lübeck.

Das kann Ulrike Petter von der Kreishandwerkerschaft bestätigen. „Gesucht wird im Neumünsteraner Handwerk durch die Bank weg. Besonders im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe stehen die Chancen gut noch einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagt sie. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gingen viele Betriebe dazu über, vermehrt beziehungsweise überhaupt wieder auszubilden, um sich ihre Fachkräfte selbst heranzuziehen.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind die Zahlen nicht bis auf Neumünster-Ebene zu regionalisieren, aber insgesamt leicht gestiegen. „Wir haben in Schleswig-Holstein und im Kammerbezirk einen leichten Zuwachs“, sagt Hans Joachim Beckers. Der Leiter des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung bei der IHK Schleswig-Holstein beziffert die Zahl der bei der IHK eingetragenen Ausbildungsverträge zum Stichtag 31. Juli auf 8736. Das sei ein knappes Plus von 0,75 Prozent.

Beckers: „Wir sind zuversichtlich, dass da noch einiges kommt.“ Aus Sicht der Jugendlichen sei die Situation entspannt. Das ist bei den Betrieben anders. „Wir könnten 3500 Ausbildungsstellen mehr besetzen, wenn es denn geeignete Bewerber gäbe“, sagt Beckers und nennt das eine „Situation, die nicht besser wird“.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appelliert angesichts der vielen unbesetzten Lehrstellen, sich auch in der Lebensmittelbranche umzuschauen. „Vom Industriekaufmann bis zur Getränke-Laborantin – die Ernährungswirtschaft bietet ein breites Spektrum, viele Perspektiven und im späteren Job auch einen überdurchschnittlichen Verdienst“, sagt NGG-Geschäftsführer Finn Petersen. Auch in Neumünster gebe es hier noch offene Ausbildungsplätze.

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