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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 18:18 Uhr

Erstaufnahme : 2000 Flüchtlinge für Boostedt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Fraktionen der 4500-Einwohner-Gemeinde sind sich einig: Humanitäre Hilfe steht außer Frage. Das Land ist gefordert, zu helfen.

Boostedt | Seit gestern ist es offiziell: Die Erweiterung der Boostedter Erstaufnahmestelle auf 2000 Plätze ist beschlossene Sache. Das bestätigte die Pressestelle der Besonderen Aufbauorganisation Flüchtlinge (BAO).

Die Unterbringung der Schutzsuchenden wird zurzeit vorbereitet. „Heute Vormittag waren dort 1292 Flüchtlinge untergebracht“, berichtete Oberkommissar Rainer Wetzel (BAO) gestern Mittag zum Stand der Dinge. Die Belegung ändere sich praktisch stündlich.

„Wir haben auf diese Situation ja keinen Einfluss. Aber natürlich sollen die Menschen im Winter nicht in Zelten sitzen, wenn sie bei uns ein Dach über dem Kopf haben können. Diese humanitäre Hilfe steht für uns nach wie vor außer Frage“, erklärte Wolfgang Brückner, Fraktionssprecher der CDU, zur Kapazitätserhöhung auf Anfrage.

Seine Fraktion fordere vom Land jedoch auch alle notwendigen Maßnahmen, um für die Flüchtlinge eine anständige Bleibe zu schaffen. „Dies gilt für die medizinische Betreuung durch Ärzte ebenso wie für alle anderen infrastrukturellen Einrichtungen zur Versorgung der Menschen“, führte er weiter aus. Die Boostedter, und hier insbesondere die ehrenamtlichen Helfer, engagierten sich von Beginn an für die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge. Bisher gelte die Erstaufnahmestelle und die Willkommenskultur im Ort als vorbildlich. Und so solle es auch bleiben, so Brückner.

„Das Betrübliche ist, dass wir in die Konversion der Kaserne schon so viel Energie gesteckt haben. Wir beschäftigen auf unsere Kosten eine Konversionsmanagerin. Es wurden Kontakte zu ersten Interessenten geknüpft. Was sollen wir denen sagen? Die jetzige Situation wirft uns um Jahre zurück“, sagte der Gemeindevertreter.
Im Hinblick auf eine Veränderung der Aufnahmeordnung für Flüchtlinge (der Courier berichtete) erklärt Brückner, dass innerhalb des Konversionsprozesses sicherlich auch die Schaffung von sozialem Wohnraum denkbar wäre. „Aber zurzeit sehe ich in Anbetracht der aktuellen Belastung keine Möglichkeit, im Ort dauerhaft Asylbewerber unterzubringen“, sagte Brückner.

Im Kern stimmte auch der SPD-Fraktionssprecher Bernd Schauer den Äußerungen von Wolfgang Brückner zu. „Für uns ist es ein selbstverständliches Zeichen der Solidarität, Menschen in Not zu helfen. Dazu gehört es, diesen Menschen ein festes Dach über dem Kopf zu bieten, damit sie nicht in Zelten unterkommen müssen“, erklärte er auf Anfrage. Er sei fest davon überzeugt, dass die Boostedter auch gegenüber dieser nochmals gestiegenen Zahl von Flüchtlingen weiterhin große Hilfsbereitschaft an den Tag legen werden. Klar sei aber auch: Je mehr Menschen auf engem Raum unter schwierigen Umständen zusammenleben, desto größer die Probleme, so Schauer weiter.

„Wir verlangen deshalb vom Land den Einsatz von wesentlich mehr hauptamtlichem Personal. Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Kaserne rund um die Uhr sowie die Gewährleistung von ausreichenden Wohn- und Hygienestandards“, lauteten die Forderungen von Bernd Schauer. Im Hinblick auf die Konversion der Kaserne sehe er jedoch auch unter den neuen Bedingungen keine Veranlassung, die Planungen für die Zukunft des Geländes aufzugeben.  


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