Hintergrund : 1981 bei der Stadthalle gab es drei SPD-Abweichler

Es ist nicht das erste Mal, dass die SPD-Fraktion ungeschlossen gegen ein Bauvorhaben stimmt. Vor 32 Jahren pfiffen drei Abgeordnete auf die Weisung ihrer Partei.

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20. März 2013, 07:40 Uhr

Neumünster | Die spektakuläre Abstimmung über das Einkaufszentrum hat einen historischen Vorläufer: Ende 1981 sprach sich die Ratsversammlung für den Bau des Neuen Rathauses und gleichzeitig für den Bau der Stadthalle auf dem Kleinflecken aus. Ein SPD-Parteitag hatte sich damals dem Projekt eines "Kulturpalastes für die oberen Zehntausend" verweigert, doch drei Abgeordnete scherten im Rat aus. Der damalige Kulturdezernent Karl-Heinz Harbeck, der damalige Fraktionsvorsitzende Jürgen Oldenburg und die junge Ratsfrau Helga Hein stimmten mit der CDU, um endlich das ersehnte Theater zu bekommen.

Auch vor 30 Jahren ging es um Geld, um viel Geld. Das aus allen Nähten platzende Rathaus brauchte dringend einen Anbau. Doch auch das vom SPD-Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder unterstützte Projekt Stadthalle galt als unentbehrlich, sollte es doch Platz bieten für die Stadtbücherei und auch für ein modernes Innenstadt-Hotel. Vor allem aber sollte Schluss sein mit dem baufälligen Provisorium "Corso" - im umgebauten Kino am Hürsland in Tungendorf fanden damals die Theateraufführungen statt.

Abstimmung über "Doppelbeschluss"

Der Kostenrahmen beider Projekte (59 Millionen Mark Stadthalle; 24 Millionen Rathaus) übertraf nach Meinung von Finanz-Experten jedoch das Machbare - eine Einschätzung, die Harbeck allerdings zeitlebens bestreiten sollte. Doch die SPD favorisierte fortan das Neue Rathaus und lehnte die Stadthalle ab. Antreiber der sogenannten "Jungtürken" gegen die eigene Parteispitze waren seinerzeit (der spätere Oberbürgermeister) Hartmut Unterlehberg, und Volker Andresen, der spätere Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein.

Vor diesem Hintergrund wurde im Rat schließlich über den "Doppelbeschluss" abgestimmt, der das "halbe Rathaus" mit der "halben Stadthalle" verband. Von beiden Projekten sollte jeweils nur der erste Bauabschnitt realisiert werden (dass es bis heute dabei bleiben sollte, hat damals niemand geahnt). Doch die SPD blieb bei ihrem strikten Nein zur Stadthalle - mit den drei Ausnahmen.

Helga Hein sollte später neben Helmut Loose das einzige SPD-Ratsmitglied sein, das an der Eröffnung der Stadthalle 1986 teilnahm; der Boykott wirkte nach. Heute sieht die Sozialdemokratin und dienstälteste Ratsfrau ihr damaliges Stimmverhalten aus der Distanz von drei Jahrzehnten gelassen. Beim Einkaufszentrum jedenfalls stimmte sie mit der Parteilinie. Denn: "Solch ein Ausscheren wie 1981 macht man nur einmal im Leben."

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