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Holsteinischer Courier

22. November 2017 | 23:29 Uhr

Neumünster : 1600 Bürger benötigen Betreuung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Fallzahlen sind konstant, die Materie wird aber immer komplizierter. Daher sucht die Stadt Neumünster fachlich versierte Menschen, die sich als Berufsbetreuer zur Verfügung stellen.

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erstellt am 19.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Mehr als 1600 Neumünsteraner können ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln und haben einen gerichtlich bestellten Betreuer. „Diese Zahl ist relativ konstant, aber die Fälle werden komplexer“, sagt Regina Geuer von der Betreuungsbehörde. Die Stadt sucht deshalb Menschen, die sich als Berufsbetreuer betätigen wollen.

Geuers Kollege Gerd Roese schildert einen Fall aus dem beruflichen Alltag. Er betreut eine „junge Frau, Mitte 20 mit langer Jugendhilfe-Karriere, Missbrauchsopfer. Sie lebte bis vor zwei Jahren bei der Mutter, die selbst psychisch erkrankt ist und mit ihrem Leben nicht klarkommt. Die Mutter hat offensichtlich der Tochter wirtschaftlich geschadet, auf ihren Namen Waren bestellt und nicht bezahlt“, so Roese.

„Die Ausgangssituation ist fast immer eine unglaubliche fachliche Herausforderung für die Betreuer. Unsere Arbeit ist immer auch ein Stück Abbild der Gesellschaft“, betont auch Karl Schulz. 46 ehrenamtliche, 24 Berufsbetreuer, zwei Betreuer im Betreungsverein und die vier Behördenbetreuer Geuer, Schulz, Roese sowie Susanne Pfeiffer gibt es in Neumünster.

Sie sind vom Amtsgericht bestellt, zum Teil auf Antrag der Betreuten selbst. „Freiwilligkeit ist eine Grundvoraussetzung. Der Betreute muss es wollen, erkrankt oder behindert sein“, sagt Schulz. Im Idealfall kommen die Betreuer aus dem familiären Umfeld oder dem Bekannten- oder Freundeskreis oder sind die Lebensgefährten. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Oft gibt es keinen Angehörigen oder die sind weit weg oder sehen sich nicht in der Lage, die Aufgabe zu übernehmen. Dann kommen das Gericht und die Betreuungsbehörde ins Spiel. Die Betreuungsbehörde schaut zunächst, ob eine Betreuung, Vertretung oder Vollmacht überhaupt nötig ist und wer dafür in Frage kommt. Dann schlägt sie dem Gericht geeignete Personen für bestimmte Aufgabenbereiche vor. Das kann die Betreuung in finanziellen oder gesundheitlichen Angelegenheiten sein, das Wohnen, die Post oder den Umgang mit Ämtern betreffen.

Berufsbetreuer sind freiberuflich tätig und werden – je nach Qualifikation – mit pauschalen Stundensätzen zwischen 27 und 44 Euro vergütet. „Wir wünschen uns gerne weibliche Fachkräfte, seien es Sozialpädagogen, Krankenschwestern oder Pflegekräfte – gerne mit Erfahrung“, sagt Regina Geuer.

Informationen zur Betreuungsbehörde gibt es unter Tel. 942-22  44 bei Gerd Roese oder unter Tel. 942-25  91 bei Regina Geuer.

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