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Holsteinischer Courier

17. August 2017 | 15:59 Uhr

150 Kartons auf dem Weg in die Ukraine

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Teeestube David unter der Leitung von Eberhardine Seelig schickte Spenden auf die Reise / Ukrainische Helfer holten sie ab

Handtücher, jede Menge Bettwäsche, Sanitärartikel und Kinderkleidung in verschiedenen Größen: 150 prall gefüllte Kartons machten sich gestern auf den Weg von Neumünster nach Lviv (Lemberg) im Westen der Ukraine. „Drei Monate hat es gedauert, bis wir die bürokratischen Hürden genommen hatten. Jetzt, da alle Kartons verladen und die Autos abfahrbereit sind, sind alle Mühen vergessen“, berichtete Eberhardine Seelig, die Leiterin der Teestube David. Sie und ihr Mann kümmern sich seit 23 Jahren um die medizinische und soziale Nachsorge krebskranker Kinder in der Ukraine.

Die von vielen Seiten gespendeten Dinge in den Kartons waren ursprünglich für ein Rehazentrum nahe Kiew gedacht, doch nach einer Besichtigung der Immobilie vor sieben Jahren nahmen Eberhardine Seelig und ihre Helfer erst einmal Abstand. „Nichts von dem, was uns von Seiten der Behörden zugesichert worden war, hatte mehr Bestand“, erzählte die 75-jährige Tasdorferin. Die bereits gesammelten Sachspenden haben sie deshalb erst einmal eingelagert. Proteste auf dem Maidan und der Kriegsausbruch in der Ukraine ließen das Projekt in weite Ferne rücken.

Dann kam Mitte November ein Hilferuf aus der Region Lviv. Die Hilfsorganisation „Lugansk Regional Charitable Foundation“ hat in der Nähe der westukrainischen Stadt ein Flüchtlingslager für 200 Kinder aufgebaut. Kriegswaisen und Kinder, die von ihren Eltern aus den Krisengebieten Donezk und Lugansk Richtung Westen geschickt worden waren, haben hier vorläufig eine sichere Bleibe gefunden. Doch es fehlt an allem. Für die Seeligs und ihre Mitstreiter war deshalb schnell klar: „Unsere Sachspenden schicken wir nach Lviv.“ Dass die Vorbereitungen für den Transport ein Vierteljahr in Anspruch nehmen würde und sich dabei ein dicker Ordner mit behördlichem Schriftverkehr füllen würde, hatte selbst eine unerschrockene Ukraine-Kennerin wie Eberhardine Seelig nicht für möglich gehalten. „Nach diesen Erfahrungen könnte ich glatt bei einer internationalen Spedition anfangen“, schmunzelte sie und wünschte Olexandr, Andrej, Maryan und Jaroslv einen guten und sicheren Heimweg. Die vier Ukrainer arbeiten als freiwillige Helfer für verschiedene Hilfsorganisationen. „Seit den Protesten auf dem Maidan und ihren politischen Folgen organisiert die ukrainische Zivilgesellschaft vieles selbst. Das erfüllt uns mit Stolz und Enthusiasmus“, beschrieb Olexandr sein Engagement.

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erstellt am 14.Mär.2015 | 11:28 Uhr

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