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Nordbahn in Neumünster : 15-Jährige am Bahnhof stehengelassen – Mutter zeigt Zugbegleiter an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Mädchen hatte kein Ticket und keinen Ausweis dabei. Der Sprecher erklärt, das Personal habe richtig gehandelt.

Aukrug/Neumünster | Jahresticket verloren? Auch keinen Ausweis dabei? Und kein Geld für eine Fahrkarte? Dann raus aus dem Zug! – Weil ihre 15-jährige Tochter in Neumünster den Zug verlassen musste, hat Marieanne Mokris Anzeige gegen einen Zugbegleiter der Nordbahn erstattet. Die Vorsitzende des „Vereins der Freunde und Förderer“ (V.F.F.) der Aukrugschule fordert die Bahngesellschaft auf, ihr Personal im Umgang mit minderjährigen Fahrgästen besser zu schulen. Die Situation sei laut einem Sprecher auch für die Nordbahn ungewöhnlich gewesen. Der Mitarbeiter habe jedoch keinen Fehler gemacht.

„Als Mutter muss ich sicher sein können, dass meine Kinder – wenn sie mal einen Fehler begehen – nicht abends allein auf die Straße gesetzt werden“, sagt Marieanne Mokris. Die Aukrugerin ist empört, weil ihre Tochter Anastasia in Neumünster aus dem Zug geworfen wurde, weil sie weder ihre Jahresfahrkarte für die Bahn noch einen Ausweis und auch kein Geld für eine Fahrkarte vorweisen konnte.

Anastasia besucht die Gemeinschaftsschule Faldera in Neumünster. „So gegen 17.30 Uhr wollte sie nach der Schule mit der Nordbahn von Neumünster nach Aukrug fahren; ihr gültiges Bahnjahresticket könnte sie nicht vorzeigen, weil es verlegt wurde“, erzählt Marieanne Mokris. Anastasia hatte ihre mit Foto versehene personalisierte Jahreskarte am Wochenende verloren. „Ein neues Jahresticket haben wir beantragt, aber das kommt ja nicht von heute auf morgen“, erklärt die Schülerin, „einen Ausweis hatte ich nicht dabei, aber das muss ich als 15-Jährige ja auch nicht.“ Marieanne Mokris: „Daraufhin hat der Mitarbeiter der Nordbahn sie einfach aus dem Zug geworfen, obwohl der Akku ihres Handys leer war und sie auch kein Geld hatte. Das hat meine Tochter auch dem Zugbegleiter mitgeteilt, aber der warf sie aus dem Zug mit den Worten ‚Besorg dir doch irgendwie Geld‘.“

Als Glücksfall erwies sich laut Mokris, dass Anastasias elfjähriger Bruder Alexander aus Solidarität mit seiner großen Schwester ebenfalls ausstieg. Alexanders Handy war funktionstüchtig, und so konnte die Mutter die beiden am Bahnhof abholen. „Ich bin sonst viel in Hamburg und Lübeck unterwegs, aber an diesem Abend war ich zufällig in der Nähe“, berichtet Marieanne Mokris, die gleich am Bahnhof bei der Bundespolizei Anzeige gegen den Nordbahn-Mitarbeiter erstattete. Um ein Exempel zu statuieren. „Als Elternteil wünscht man sich einfach, dass die Kinder auf sicherem Wege nach Hause kommen“, sagt die Aukrugerin. Es sei in Ordnung, „wenn der Kontrolleur als Erziehungsmaßnahme ein Strafgeld verhängt, aber ich möchte nicht, dass meine Kinder ausgesetzt und dadurch unnötig in Gefahr gebracht werden“.

Weil Schüler mit einer derartigen Ausnahmesituation überfordert seien. „Kinder reagieren doch total kopf- und hilflos in so einer Lage“, weiß die V.F.F.-Vorsitzende. Alexander wollte zu Fuß nach Aukrug laufen, aber seine Schwester beschloss, mit ihrem Bruder bei der Bahnhofspolizei auf die Mutter zu warten. Eine gleichaltrige und ebenfalls ticketlose Freundin von Anastasia ist Marieanne Mokris zufolge vor ein paar Monaten sogar abends um 22.30 Uhr in Neumünster wieder aus dem Zug geworfen werden. Die Freundin sei „weinend zum Zugführer gelaufen, der sich sogleich hinter das Mädchen und gegen den Kollegen gestellt“ habe. „Ich würde mir wünschen, dass das Personal der Nordbahn im Umgang mit Minderjährigen besser geschult wird“, betont Marieanne Mokris. „Die Mitarbeiter sollten sich in die Lage der Kinder versetzen können und darin unterrichtet werden, was zu tun ist, wenn Jugendliche keinen Fahrschein haben.“

„Das Mädchen hat sich vor der Abfahrt beim Zugbegleiter gemeldet und mitgeteilt, dass es weder einen Fahrschein noch Geld dabei hatte. Das war auch für uns eine ungewöhnliche Situation, die wir vorher noch nicht hatten“, sagte ein Sprecher der Nordbahn. Die 15-Jährige habe darauf bestanden mitzufahren. Daraufhin sei sie aufgeklärt worden, dass sie ohne Fahrschein, Geld und Ausweis nicht mit der Bahn reisen könne. Es könne nicht die Rede davon sein, dass sie aus dem Zug geworfen wurde. Schließlich sei Neumünster der Startbahnhof ihrer Route gewesen. Der Sprecher stellte klar: „Das Personal hat richtig gehandelt.“ Die Mitarbeiter seien durchaus geschult. „Wir nehmen solche Fälle sehr ernst.“

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erstellt am 28.Dez.2016 | 10:30 Uhr

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