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Kiel/Rendsburg : 15 000 Unterschriften für die Natur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost übergibt Petition gegen Änderung des Landesnaturschutzgesetzes an Ministerpräsident Torsten Albig.

Kiel | Ein Chor von Jagdhornbläsern begrüßte Ministerpräsident Torsten Albig gestern Morgen vor der Staatskanzlei in Kiel. Der Grund für das Aufkommen war die Übergabe einer Petition, die von der Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein überreicht wurde. Die 15  000 Unterschriften richteten sich gegen die angedachte Änderung des Landesnaturschutzgesetzes. Danach soll unter anderem ein Betretungsrecht eingeführt werden, das den Zutritt zu landwirtschaftlich genutzten Flächen erlaubt, sofern diese nicht bestellt sind.

Nach verschiedenen Stellungnahmen und einer Demonstration vor dem Landeshaus sahen die Jäger die Petition als letzten Weg, um sich Gehör zu verschaffen. Zur Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost, die die Aktion initiierte, gehören unter anderm auch die Hegeringe Bordesholm, Brügge, Loop und Langwedel.

„Bei vorherigen Gesprächen kam bei uns das Gefühl auf, dass wir zwar angehört wurden, man uns aber nicht zuhörte“, erklärte Dr. Michael Fritzsche von der Kreisjägerschaft. Darüber hinaus zeige die Unterschriftenaktion, dass sich nicht nur ein kleiner Kreis Gedanken zu dem Thema mache, sondern sich verschiedene Bevölkerungsgruppen von dem Gesetzesentwurf betroffen fühlten.

Die Jäger sehen in dem geänderten Betretungsrecht eine Gefahr für Tier- und Pflanzenwelt. Die regere Nutzung der Flächen durch den Menschen könne zum einen vermehrt zu Wildunfällen führen, da das Großwild aufgeschreckt werden könnte. Zum anderen würden die freien Flächen oft als Brutstätte für Vögel dienen, beispielsweise dem Kiebitz. „Die Tiere fühlen sich schnell bedrängt“, erzählte Jäger Olaf Malmström. „Man muss nicht auf ein Nest treten, um die Brut zu gefährden. Es reicht schon, daran vorbeizugehen. Der brütende Vogel kann aufgeschreckt werden und die Eier erkalten.“

Darüber hinaus ist das Argument, die Nutzung der Flächen sei nur erlaubt, so lange sie brach lägen, in Fritzsches Augen nicht aussagekräftig. Ob eine landwirtschaftliche Fläche brach läge oder nicht, sei selbst für einen Fachmann schwer zu erkennen, geschweige denn für einen Laien. Ein entsprechendes Gesetz könne demnach dazu führen, dass die Flächen betreten werden, selbst wenn sie bestellt sein sollten. Hinzu käme, dass das Gesetz bei vielen den Eindruck erwecken könnte, dass ein Betreten der Flächen im Winter gefahrlos sei, da man kein verstecktes Saatgut oder ähnliches vermuten muss. „Gerade im Winter ist es jedoch wichtig, dass die Tiere ungestört sind“, so Fritzsche. „Wenn sie aufgeschreckt werden, vergeuden sie Energie und verlieren Fettreserven, die sie für die kalten Monate dringend benötigen.“

Ministerpräsident Albig hingegen gab zu bedenken, dass das Betretungsrecht in mehreren Bundesländern bereits seit vielen Jahren dem neuen Gesetzesentwurf entspräche und er „von Seehofer noch nie gehört hätte, dass es zu Schwierigkeiten geführt habe“. Laut Malmström sei in dieser Berechnung allerdings die unterschiedliche Struktur der beiden Bundesländer außer Acht gelassen. Während Bayern eines der waldreichsten Bundesländer sei, habe Schleswig-Holstein am wenigsten Waldflächen. „In Schleswig-Holstein können die Tiere nicht im Wald leben, deswegen suchen sie Schutz auf den freien Flächen“, so Malmström.

Obwohl Albig die Besorgnis nicht teile, dass durch die Änderung im Landesnaturschutzgesetz „Horden von Menschen auf die Felder laufen würden“, nahm er die Bedenken der Kreisjägerschaft dennoch ernst. Er betonte, dass die Natur durch den Gesetzesentwurf geschützt werden solle. Dazu gehöre es aber auch, die Flächen für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Man habe die Pflicht, den Menschen zu ermöglichen, ein Bewusstsein für den Artenreichtum zu entwickeln. Dies sei die Grundlage dafür, dass sich in Zukunft mehr Menschen für den Naturschutz engagierten.

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erstellt am 17.Dez.2015 | 16:52 Uhr

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