Neumünster : 15 000 Erben-Fotos sind jetzt digital

Zettel auf jeder Filmdose, in der Negative stecken: So wanderten die Erben-Fotos zur Digitalisierung.  Fotos: Vaquette
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Zettel auf jeder Filmdose, in der Negative stecken: So wanderten die Erben-Fotos zur Digitalisierung. Fotos: Vaquette

Filmdose für Filmdose: Akribisch wurden Negative gescannt und verschlagwortet. Jetzt sind die Dateien auf einer Festplatte.

shz.de von
15. August 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Auf den Filmdosen kleben Zettel, in jeder Dose sind Negative. Jedes Negativ wurde gescannt, mit der Information vom Zettel versehen und in einen Umschlag mit den anderen Negativen aus der Dose gesteckt. Auf dem Umschlag steht die Zettel-Information: Das haben fleißige Mitarbeiter in den vergangenen Wochen tausendfach getan: „Ich freue mich unendlich, weil sonst der öffentliche Zugang zu diesen wertvollen Fotos nicht möglich wäre“, sagt Monika Krebs. Denn jetzt sind insgesamt 15 000 Fotos von Walter Erben digitalisiert.

Die 68-jährige Fotografin und Journalistin hütet seit 2010 ihren „Schatz“ – das gesamte Archiv des stadtbekannten Fotografen. Dieses umfasst etwa 100 000 Negative. Alle sollen in digitaler Form der Nachwelt erhalten bleiben – jetzt sind weitere 7500 Stück geschafft.

Seit acht Jahren sortiert die Neumünsteranerin den Erben-Nachlass, sichtet die Negative, ordnet Namen, Plätze und Jahre zu. Nicht immer einfach: „Die Leuchttischarbeit ist anstrengend, und eine wirkliche Ordnung hatte Erben nicht. Wo Adenauer drauf stand, war nicht immer Adenauer drin“, sagt Monika Krebs, die ab 1969 bei Erben in die Lehre ging. Erben fotografierte von 1947 bis Anfang der 80er-Jahre das Leben in der Stadt – Feste, Straßen, Gebäude, Menschen von der Marktfrau bis zum Promi. Der Holsteinische Courier hat schon viele Fotos veröffentlicht und erhält von seinen Lesern ein bewegtes oder entzücktes Echo. Digitalisiert wurden jetzt der große Themenblock Holstenhalle, Bauten und Straßenbau, Personen und alltägliche Szenen wie Vatertag oder Lions.

„Verschiedenes, Dose 1, 16 Filmstreifen, 171 Negative, Motiv I 78, 1. Film: zwei Negative – Vatertag, Männer mit Schinken und Bier“: Die wohl wichtigste Arbeit war die Verschlagwortung, um Tausende von Motiven eindeutig zuzuordnen – das hat Monika Krebs als eine Sisyphus-Aufgabe gemacht. So beschriftet, wanderten die Massen an Negativen zu den Elbe-Werkstätten in Hamburg. Das ist eine Einrichtung für Menschen mit Handicap; rund 170 arbeiten in der Abteilung Digitalisierung. „Negative gehören zu unserem täglichen Brot, das war ein sehr schönes Projekt, tolle Motive“, sagte Michael Pencke, Leiter der Abteilung, der gestern kistenweise Negative in Umschlägen an Monika Krebs zurückgab sowie Festplatten an sie und an Astrid Frevert, Leiterin des Museums Tuch+Technik. „Brillant, was die Mitarbeiter geleistet haben. Damit ist meine Weiterarbeit erheblich erleichtert worden“, freute sich gestern Monika Krebs.

Möglich wurde das Projekt durch die Fielmann-Stiftung, die die Kosten in Höhe von mehreren tausend Euro sponserte. „Das werden wir weiter unterstützen“, sagten Gunna Plagmann, stellvertretende Leiterin der Fielmann-Niederlassung Neumünster, und Jürgen Ostwald von der Fielmann AG.

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