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Modellprojekt : 13 Männer auf dem Weg in ihre Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gastwirte und Hoteliers ermöglichen jungen Flüchtlingen den Einstieg in eine Ausbildung. Ausnahme-Regel für den Berufsschulunterricht

Neumünster | Ein Modellprojekt engagierter Hotel- und Gaststättenbetriebe aus Neumünster könnte sich als Rezept für die Zukunft erweisen. Während gerade in der Gastronomie viel über den Fachkräftemangel geklagt wird, haben sie jugendlichen Flüchtlingen einen Weg ins Gastgewerbe geebnet.

13 junge Männer bekamen und nutzten die Chance, sich zwölf Monate lang in der Praxis und auch in der Berufsschule zu bewähren. Der Lohn der Anstrengungen: Alle Teilnehmer setzen ihren Weg nahtlos in einer regulären Ausbildung fort und haben ihre Lehrverträge bereits unterschrieben. Die Betriebe wollen sich so die Fachkräfte für die Zukunft aufbauen.

„Das ist einmalig in Schleswig-Holstein“, sagte Vicky Sommerfeld vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung mit einem dicken Lob für die Akteure. Das sind: Rainer Kuck und Schützling Ismail Aslami (Kontraste), Marlies Möller, Osman Azad und Ali Kadad (Neues Parkhotel), Klaus Nehren, Mohammed Jafari und Nasrullah Sadat (Rathauskantine), Sönke Thieme und Claudia Brockmann mit Sayed Heidar Agha Hashemi und Khasibollah Jakarkheyr (Klatsch-Palais/Südbahnhof), Erhard Garbrecht und Ziauddin Nilkzadeh (Speisekammer), Rüdiger Wöbcke und Siaulhaq Sahil (Burger King), Burghard Wesselmann und Seied Mahdi Hosseini (Hotel Prisma), Sonja Ickert mit Mostafa Jafari und Ahmad Alim (Safety Villa) sowie Michael Neumann und Mostafa Zawari (Johann & Amalia).

Mit im Boot sind auch Neumünsters Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer, das Team der Agentur für Arbeit, die Betreuungseinrichtungen Iuvo und Safety Villa, die Amtsvormundschaften bei der Stadt und die Elly-Heuss-Knapp-Schule. Die richtete eine eigene Flüchtlingsklasse ein und begleitete die Schüler aktiv dabei, Deutsch zu lernen – mit durchaus guten Erfolgen. „Ich habe in der Schule und im Betrieb viel Deutsch gelernt“, sagte Seied Mahdi Hosseini bei der Abschlussfeier im Neuen Parkhotel. Auch Ali Kadad ist sich sicher: „Ich habe viel von meinen Kollegen gelernt und werde immer besser.“ Jetzt möchte er in dem Beruf eine Ausbildung und Karriere machen, den er schon in Syrien ausübte: Kellner.

Schulleiter Jörg Leppin von der Elly-Heuss-Knapp-Schule hatte im Bildungsministerium eine pragmatische Ausnahme-Regelung erreicht: Die Flüchtlinge dürfen in Neumünster zur Berufsschule gehen und bekommen auch hier weiter Sprachunterricht. Die eigentliche Berufsschule für die Gastro-Berufe ist in Kiel.

Für die Gastwirte und Hoteliers ist das Modellprojekt ein voller Erfolg. „Ich bin sehr zufrieden, wirklich toll. Ismail ist lernwillig, fügt sich ein. Seine Höflichkeit ist unglaublich“, sagte Kontraste-Inhaber Rainer Kuck und sprach damit nicht nur für sich, sondern auch für seine Kollegen.

Standpunkt (von Thorsten Geil)

Haltet durch, Jungs!

Das ist schon ein ganz schöner Aufwand, den die Gastwirte, die IHK und andere Verbände und Behörden betreiben, um jungen Flüchtlingen zu einer Ausbildung zu verhelfen. Aber es ist eine Arbeit, die sich in vielerlei Hinsicht lohnen kann.

Zum einen natürlich für die jungen Leute selber: Sie bekommen eine riesige Chance, um in Deutschland Fuß zu fassen, auf eigenen Füßen zu stehen und nicht vom Staat abhängig zu bleiben.

Dann lohnt  sich diese Arbeit (hoffentlich) für die Gastronomen, die Lehrlinge gefunden haben und sich ihre Fachkräfte von morgen selber ausbilden.

Und am langen Ende lohnt sich diese Arbeit auch für unsere Gesellschaft, denn eine erfüllende Arbeit und der tägliche Umgang mit Einheimischen sind die besten Voraussetzungen für Flüchtlinge, um sich in Deutschland zu integrieren.

Sicher, diese 13 jungen Männer sind so etwas wie Vorzeige-Flüchtlinge; es gibt auch genug andere  Karrieren. Mancher Arbeitgeber hat schon vor Jahren versucht, einen Flüchtling auszubilden – und hat aufgegeben. Immer wieder gab es Probleme mit der Akzeptanz weiblicher Vorgesetzter, mit mangelnder Disziplin oder, ganz simpel, mit dem Umgang mit Schweinefleisch – was in einem deutschen Restaurant ein Problem sein kann. Darum möchte man den 13 Azubis zurufen: „Haltet durch, Jungs! Ihr tut es für Euch und für alle anderen Flüchtlinge!“

 

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erstellt am 05.Jul.2017 | 08:00 Uhr

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