Berufsstart : 120 Lehrstellen in Neumünster sind noch frei

Hagen Liedtke von der Arbeitsagentur erwartet, viele der unversorgten Lehrstellenbewerber noch unterbringen zu können.
Hagen Liedtke von der Arbeitsagentur erwartet, viele der unversorgten Lehrstellenbewerber noch unterbringen zu können.

In Neumünster gibt es mehr freie Stellen als Bewerber. Dennoch sind noch viele Jugendliche unversorgt.

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01. August 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Heute beginnt in vielen Betrieben das neue Ausbildungsjahr, doch zwischen dem Lehrstellenangebot und den Wünschen der jungen Leute klafft eine große Lücke. Viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs und können ihre Lehrstellen nicht besetzen. Zurzeit gibt es in Neumünster bei 630 gemeldeten Ausbildungsstellen noch 120 freie Plätze. Auf der anderen Seite sind von den 580 bei der Arbeitsagentur registrierten Bewerbern noch 179 unversorgt.

„Die Zahl ist hoch, aber wir sind zuversichtlich, einen Großteil noch unterbringen zu können“, sagte der kommissarische Leiter der Agentur für Arbeit, Hagen Liedtke. Die gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern organisierte Nachvermittlungsaktion läuft gerade erst an.

Bewerbern und Betrieben riet Liedtke, die eigenen Ansprüche noch einmal zu überdenken: „Natürlich muss niemand, der gern Fotograf werden möchte, nun eine Ausbildung zum Mechatroniker machen. Manchmal passen die Wünsche und Anforderungen einfach nicht zusammen.“ Oft hätten Jugendliche aber auch falsche Vorstellungen von den Berufsfeldern. In der Tat konzentrieren sich Jugendliche bei der Lehrstellensuche seit Jahren schon auf wenige Berufe und lassen vermeintlich unattraktive Berufe in der Gastronomie oder in der Fleischerei links liegen.

„Die jungen Menschen sind wählerischer geworden und halten länger an ihrem Wunschberuf fest – auch wenn der nicht realistisch ist, weil das Anforderungsprofil nicht passt“, sagte Hans Joachim Beckers, der bei der IHK Schleswig-Holstein federführend für die Ausbildung ist. Der Wettbewerb um den Nachwuchs werde härter, da die Zahl der Bewerbungen deutlich rückläufig sei. Beckers: „Das merken kleinere und nicht so bekannte Betriebe im ländlichen Raum zuerst.“

Auch das Handwerk hat es in vielen Gewerken schwer, geeignete Bewerber zu finden, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein, Carsten Bruhn. Als Beispiel nannte er das Malerhandwerk. Die Berufsaussichten bezeichnete er als gut, aber ein Problem mochte Bruhn auch nicht verhehlen: „Die Ausbildungsfähigkeit vieler junger Leute hat sich verschlechtert.“

Erhöht hat sich im Juli auch die Zahl der Arbeitslosen in Neumünster. Bei gut 4500 Menschen ohne Job beträgt die Arbeitslosenquote jetzt 11,1 Prozent (wie vor einem Jahr). Im Juni lag sie noch bei 10,7 Prozent. Neumünster bleibt damit im Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte die Kommune mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein.

Für Hagen Liedtke ändert der saisonübliche Anstieg im Sommer aber nichts an der „grundlegend guten Verfassung des Arbeitsmarktes“. Er machte das am Zugang an neu gemeldeten freien Arbeitsstellen fest. Im Juli waren es mit 370 fast 42 Prozent mehr als im Juni und 56 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Das deckt sich mit der optimistischen Aussage des Unternehmensverbandes Mittelholstein“, sagte Liedtke. Der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle hatte Neumünsters Wirtschaft jüngst erst eine robuste Verfassung bescheinigt. Etliche Firmen wollten Personal einstellen.

Seit Beginn des Berichtsjahres wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit 630 Berufsausbildungsstellen in Neumünster gemeldet. 120 sind noch nicht vergeben, darunter auch eigentlich beliebte Lehrstellen im Handel. Auch in der Gastronomie gibt es noch Chancen.

1. Kaufleute im Einzelhandel:

32 freie Ausbildungsstellen.

2. Verkäufer: 26 Stellen.

3. Sport- und Fitnesskaufleute: 10 Stellen.

3. Friseure: 10 Stellen.

5. Handelsfachwirt: 9 freie Stellen.

6. Fleischereifachverkäufer: 8 Stellen.

7. Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima: 7 Stellen.

7. Fachleute in der Systemgastronomie:

 7 Stellen.

9. Köche: 6 Stellen.

9. Restaurantfachleute (3-jährige Ausbildung): 6 Stellen.

9. Fachkraft im Gastgewerbe (2-jährige Ausbildung): 6 Stellen.

9. Berufskraftfahrer: 6 Stellen.

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