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111 Jahre altes Trinkwasser-Rohr verursachte das Verkehrschaos

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Neumünster | Eigentlich findet Jörg Stoltenberg für das vor ihm hängende Trinkwasser-Rohr nur lobende Worte: "Sehr korrosionsbeständig, mit einer guten Wandstärke, sehr unempfindlich", sagt der Sachbereichsleiter Fernwärme bei den Stadtwerken (SWN). Genau 111 Jahre lag das mit einem hohen Graphit-Anteil gegossene Eisenrohr ohne Aufsehen zu erregen unter der Boostedter Straße zwischen Altonaer und Gerichtsstraße. Doch genau dieses sogenannte Grauguss-Rohr ist jetzt Schuld, dass sich die Bauarbeiten am Fernwärmenetz um zwei Monate verzögern, dass der Abschnitt der Boostedter Straße voll gesperrt werden musste und dass der Verkehr an einer weiteren Hauptzufahrtsstraße zur Innenstadt nicht mehr fließt (der Courier berichtete).

Gestern wurde das letzte Stück des Übeltäters entfernt. Warum dann eine mehrmonatige Vollsperrung nötig wurde, ist nicht klar. Vorhersehbar waren die Probleme mit dem Museumsexponat laut Stoltenberg ebenfalls nicht: "Wir hatten das Rohr zwar in unseren Unterlagen, aber der Verlauf war nicht klar." In den 90er-Jahren wurden alle alten Bücher und Pläne der SWN digitalisiert ins so genannte geografische Informationssystem gespeist. "Gut möglich, dass es dabei einen Übertragungsfehler gab", sagt der Fachmann. Klar ist: Bei den laufenden Arbeiten am Fernwärmenetz und der Umstellung von Dampf auf Heizwasser tauchte es plötzlich an gänzlich unpassender Stelle auf.

Das gut 100 Meter lange Metall aus dem Jahre 1902 ist womöglich das älteste noch existierende Original des 1899 in Neumünster aufgebauten Trinkwassernetzes. "Mir ist nicht bekannt, dass es noch anderswo so alte, unberührte Rohre gibt", sagt Stoltenberg. An manchen Stellen wurden Grauguss-Rohre mit Beton ausgegossen, oft aber auch einfach durch moderne Rohre ersetzt - so wie jetzt unter der Boostedter Straße, wo mittlerweile eine ganz normale Kunststoffleitung abseits der Fernwärme-Trasse eingebaut wurde.

Kein Falschfahrenmehr möglich


Nach dem ersten Verkehrs-Chaos durch die Vollsperrung am Dienstag (der Courier berichtete) beruhigte sich die Situation gestern. Mittlerweile ist die Boostedter Straße in der Baustelle so gesperrt, dass kein Auto mehr um die Bauzäune fahren kann. Auch ein versehentliches Abbiegen in die Friesenstraße ist von der Boostedter Straße aus nicht mehr möglich. Der Parkplatz des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ist nur noch vom Haart aus erreichbar und seit gestern Abend ausgeschildert. "Die Verkehrssituation ist jetzt viel ruhiger als sonst. Wir haben uns ja schon immer gewünscht, dass die Friesenstraße zur Einbahnstraße wird. Leider hat die Stadt darauf bisher nicht reagiert", sagte gestern FEK-Sprecherin Maren von Dollen.

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erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

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