Scholtz-Kaserne : 100 weitere Container für Flüchtlinge

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Das Land ließ schon Wohncontainer am Landesamt aufstellen, doch die Stadt legte ihr Veto ein / Nun kommen sie in die Unterkunft am Haart

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31. Juli 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Der anhaltende Strom von Flüchtlingen bringt die Landesregierung offenbar immer mehr in Schwierigkeiten. Am Mittwoch hatte das Innenministerium schon damit begonnen, ein neues Containerdorf auf dem Gelände des Landeslabors an der Max-Eyth-Straße errichten zu lassen. Doch die Stadtverwaltung legte offenbar ein Veto ein. Nun werden die rund 100 Wohncontainer auf einem städtischen Grundstück innerhalb der ehemaligen Scholtz-Kaserne aufgestellt.

Alles lief äußerst kurzfristig ab. Am Dienstagnachmittag ging im Rathaus die Nachricht aus dem Innenministerium ein, dass man dringend weiteren Platz für etwa 400 Flüchtlinge brauche – und zwar in Neumünster. Man beabsichtige, auf dem Gelände des Landeslabors vorübergehend ein Containerdorf zu errichten. Da das Grundstück dem Land gehört, hätte die Stadt kaum eine Chance gehabt, das zu verhindern.

Doch begeistert war die Stadtverwaltung davon nicht – auch, weil die Fläche am Landeslabor für die Nordbau (9. bis 13. September) fest als Parkplatz gebucht ist. Als Alternative bot sie dem Land ihr eigenes Grundstück hinter dem Landesamt (aber innerhalb der Kasernenmauern) an; das hatte sie einst gekauft, um dort Wohnungen zu bauen.

Das Ministerium schlug ein. „Es liegt nicht im Interesse des Landes, die wichtige Messe Nordbau zu beeinträchtigen. Deshalb haben wir das Angebot der Stadt Neumünster gerne angenommen – auch vor dem Hintergrund, dass die Nähe zum Landesamt viele Vorteile bringt, beispielsweise keine zeitaufwändigen Transfers“, sagte gestern Sprecherin Susanne Berndt vom Landesamt. Möglicherweise ziehen die ersten Flüchtlinge dort am Wochenende ein.

Ende August/Anfang September sind dann auch die ersten Erweiterungsbauten des Landesamts am Haart fertig (neben dem Amt in Richtung Emil-Köster-Straße). Dort entsteht auf 8000 Quadratmetern Platz für weitere 400 Betten (der Courier berichtete). „Die Landesregierung ist der Stadt Neumünster dankbar, dass die Erweiterung am Haart so zügig bewilligt wurde“, sagte Susanne Berndt.

Günter Humpe-Waßmuth, 1. Stadtrat und derzeit Vertreter des Oberbürgermeisters, findet die Entscheidung des Landes richtig. „Der Standort direkt neben den Holstenhallen war einfach nicht geeignet. Da waren wir uns im Rathaus einig“, sagte er gestern zum Courier. Und er machte auch deutlich, dass die Sporthalle der Gemeinschaftsschule Brachenfeld definitiv am 14. August geräumt werde. Humpe-Waßmuth: „In Neumünster packen alle gern mit an, und auch die Bevölkerung verhält sich vorbildlich. Aber ich verlasse mich darauf, dass die Container von unserem Grundstück abgebaut werden, sobald die neuen Aufnahmestellen in Seeth und Kiel voll arbeiten. Wir haben Verständnis für die Nöte des Landes, aber irgendwann ist auch für Neumünster eine Grenze erreicht. Dann müssen endlich auch mal andere Städte mithelfen.“

Neumünster wird für das Land immer die begehrteste Lage für die Erstaufnahme bleiben, weil das Landesamt mit der Verwaltung hier sitzt. So ist ja auch das nahe Boostedt ins Spiel gekommen. Werden die Flüchtlinge woanders untergebracht, müssen sie für Behördengänge immer nach Neumünster.

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