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Tradition seit dem Mittelalter : Heide fiebert den „Hohnbeer“-Umzügen entgegen

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Die Heider Hohnbeer-Feiern haben ihren Ursprung in bäuerlichen Feldgemeinschaften des Mittellalters. Damals wurde im Februar abgerechnet. War die Ernte gut, wurde gefeiert. Wenn nicht, wurde „een Lütten genommen“.

Heide | Seit Wochen wird in Heide gehämmert und geschraubt, werden Grün-Girlanden aus Tannenzweigen geflochten und Schmuck-Girlanden in den blau-weiß-roten Schleswig-Holstein-Farben aufgehängt: Es ist „Hohnbeer“-Zeit. Dazu gehört auch der Aufbau einer großen Ehrenpforte zwischen Kirche und Pastorat am Marktplatz. Doch was für Außenstehende nach Arbeit aussieht, ist in der Kleinstadt bereits Teil eines traditionellen Festes. „Wir sind schon mitten drin im Feiern“, sagt Volker Voigt, der „1. Föhrer vun de Süderegg“.

Das „Hohnbeer“ zählt zu den wichtigsten Festen in der Stadt Heide. Es werde seit 175 Jahren zur Pflege und Förderung des Gemeinschaftssinns und zur Erhaltung der plattdeutschen Sprache während der Fastnachtzeit gefeiert, sagt Stadtsprecher Jannick Schwender. Das Spektakel dauert rund zwei Monate und geht zurück auf die mittelalterlichen Feldgemeinschaften. Zu jener Zeit bewirtschafteten die Bauern die Äcker und Weiden gemeinsam. Damals wurde im Februar abgerechnet. War die Ernte gut, wurde groß gefeiert. Fiel sie schlecht aus, wurde natürlich „een Lütten genommen“, erzählt Voigt.

In Heide gab es damals vier solcher Feldgemeinschaften – die sogenannten Eggen. Sie erhielten ihren Namen nach den Himmelsrichtungen. Die Norder-, Süder- und Österegge bestehen bis zum heutigen Tag. Heute füllen drei Traditionsvereine mit insgesamt rund 1200 Mitgliedern das „Hohnbeer“ mit Leben.

Das „Beer“ von Hohnbeer bedeutet Fest, und der „Hohn“ ist das niederdeutsche Wort für den Hahn - ein Freiheits- und Fruchtbarkeitssymbol, erklärt Jens Lätare, der „1. Föhrer von de Norderegg“. Damals sperrte man einen lebendigen Hahn in eine Holztonne. Die Eggenbrüder warfen mit Knüppeln oder Steinen auf die Tonne, um sie zu zerstören und dem Hahn seine Freiheit wiederzugeben. Danach wurde Hohnbeer gefeiert.

„1841 beschloss der Bauer und Holzpantoffelmacher Jacob-Peter Claußen, genannt ,Peter Bur‘, zusammen mit seiner Süderegge, diese Tierquälerei aufzugeben und das Hohnbeer als Gemeinschaftsfest der Eggen neu aufleben zu lassen“, erzählt Volker Voigt.

Zu jener Zeit galt die niederdeutsche Sprache – das Plattdeutsch – als Sprache der armen Leute. „Sie war nicht gesellschaftsfähig. Erst der spätere Lehrer und Heimatdichter Klaus Groth – damals Mitglied der Österegge - verhalf der plattdeutschen Sprache wieder zu einem besonderen Ansehen“, erzählt Voigt. „Seitdem wird das Hohnbeer zur Pflege und Förderung des Gemeinschaftssinnes und der Erhaltung der plattdeutschen Muttersprache in jedem Jahr zu Fastnachtszeit von den Eggen gefeiert.“

Dabei ist der Hahn auf der Tonne das Symbol aller drei Heider Eggen. In der Norderegge wirft man mit Boßelkugeln nach einem Holzhahn in einer Holztonne – das „Schmieten no den Hohn in de Tünn“, während Süderegge und Österegge ihr Hohnbeer mit einem Straßenboßeln feiern.

Höhepunkt des Hohnbeer sind die Festzüge der drei Eggen an drei aufeinander folgenden Samstagen. Ab 6.30 Uhr starten die „Eggen-Brüder“ in ihrer traditionellen Garderobe: Schwarzer Zylinder, schwarzer Mantel, und schwarzer Anzug, dazu das „Wittwark“ - weißes Hemd, weiße Fliege, weißer Schal und weiße Handschuhe. Bis mittags feiern und marschieren sie auf festgelegten Routen zu diversen Umtrunk- und Einkehrstellen. Den Abschluss bildet am Abend ein großer Festball, erzählt Voigt: „Bis in die Morgenstunden, wenn der Hahn kräht.“

 

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erstellt am 01.Feb.2016 | 07:10 Uhr

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