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Video von der Elbeinsel Lühesand : Havarierte „CSCL Indian Ocean“ wieder frei

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Bergungsaktion ist geglückt: Das havarierte Schiff „CSCL Indian Ocean“ wird in den Hamburger Hafen geschleppt.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 11:34 Uhr

Hamburg/Hetlingen | Havarie-Experten haben in der Nacht zu Dienstag mit zwölf Schleppern - darunter die „Fairmount Expedition“ und die „Union Manta“, die jeweils rund 200 Tonnen Zugkraft haben - das vor der Elbinsel Lühesand havarierte Containerschiff „CSCL Indian Ocean“ freigesetzt. Um 2 Uhr begann wie geplant die Bergung des Containerriesens, der am Mittwochabend auf Grund gelaufen war. Um 2.20 Uhr befand sich das Schiff schon wieder in der Fahrrinne. Ursprünglich war mit einem mehrstündigen Manöver gerechnet worden. Gegen 5.30 Uhr kam die „Indian Ocean“ in Hamburg an.

 
Die „CSCL Indian Ocean“, die mit einer Länge von 400 Metern und knapp 59 Metern Breite zu den größten Containerschiffen der Welt gehört, war am Mittwochabend wegen eines Defekts an der Steueranlage neben der Fahrrinne auf Grund gelaufen. Das Schiff hat 6600 Container geladen. Dem erfolgreichen Freischleppen waren zwei gescheiterte Versuche und tagelange Vorbereitungen des dritten Anlaufs vorausgegangen.

Trotz steifer Briese und Regen ließen es sich Schaulustige nicht nehmen die Bergung vom Ufer aus zu verfolgen, so voll wie am Wochenende, als in der Gemeinde kaum ein freier Parkplatz zu finden war, wurde es jedoch nicht. Günther Wulff und seine Frau Sabine aus Hetlingen hatten einen Wecker auf 2.45 Uhr gestellt und kamen auf dem Fahrrad, um sich das Spektakel anzuschauen. „So was macht man auch nur als Rentner“, sagte er lachend und knöpfte die Regenjacke zu.

Der Containerriese liegt seit dem Morgen am Containerterminal Eurogate. Davor ist der niederländische Hochsee-Schlepper „Union Manta“ zu sehen.
Der Containerriese liegt seit dem Morgen am Containerterminal der Eurogate. Davor ist der niederländische Hochsee-Schlepper „Union Manta“ zu sehen. Foto: dpa
 

Lang blieben die meisten Schaulustigen jedoch nicht, zum einen machte ihnen das Wetter zu schaffen, zum anderen konnte vom Ufer aus nicht deutlich erkannt werden, was vor sich geht.  „Es ist schwer zu sehen, ob sich das Schiff bewegt“, sagte Hans-Jürgen Schult aus Haseldorf, hinter dem sich seine Frau Sabine vor dem Wind versteckte. Sie hätten sich bereits in den vergangen Tagen den Havaristen angeschaut,  nun wollten sie sehen, ob es gelingen würde, das knapp 400 Meter lange Containerschiff aus der misslichen Lage zu befreien.

Zwölf Schlepper befreien die „CSCL Indian Ocean“ aus dem Elbeschlick.
Zwölf Schlepper befreien die „CSCL Indian Ocean“ aus dem Elbeschlick. Foto: dpa
 

Das Havariekommando in Cuxhaven, das die Aktion leitete, hatte bewusst die Nacht zum Dienstag gewählt, weil dann eine Springtide anstand. Dazu kam der kräftige südwestliche Wind über der Nordsee. Dadurch war das Hochwasser in dieser Neumondnacht um gut 1,20 Meter höher als normal. Der Abschnitt der Elbe wurde für die Dauer des Manövers gesperrt. Wäre der Versuch misslungen, hätte das Schiff wahrscheinlich noch längere Zeit im Schlick bei Stade liegen müssen, da vorerst keine derart günstigen Verhältnisse mehr zu erwarten gewesen wären: In den kommenden Tagen wird das Hochwasser nicht mehr so hoch auflaufen, außerdem sind mehrere Stürme im Anmarsch.

Das Schiff wurde in den Hamburger Hafen geschleppt.
Das Schiff wurde in den Hamburger Hafen geschleppt. Foto: dpa
 

Gegen 4 Uhr lag das Schiff bereits auf Warteposition in der Fahrrinne. Gegen 4.10 Uhr wurden schließlich die Arbeitslichter gelöscht und alles für das Schleppmanöver in Richtung Hamburg vorbereitet. Trotz der inzwischen reparierten Ruderanlage darf der Frachter noch nicht aus eigener Kraft in den Hafen manövrieren.

Während der Bergungsarbeiten, die von rund 30 Fachleuten vorbereitet wurden, war die Elbe für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Im Vorfeld hatten Bagger vor allem an der Steuerbordseite, dem Heck und dem Bugbereich rund 45000 Kubikmeter Erdreich abgetragen und 6500 Tonnen Treibstoffe und Ballastwasser aus dem Schiff abgepumpt, um es möglichst leicht zu machen. Die zwölf Schlepper mit zusammen mehr als 1000 Tonnen Zugkraft schafften es schließlich das Schiff wieder in die Fahrrinne zu bugsieren.

Bisherige Versuche, den Riesen freizuschleppen, schlugen fehl. Der nächste Versuch soll mit einer Springflut am 09. Februar (Dienstag) erfolgen.
Bisherige Versuche, den Riesen freizuschleppen, waren fehlgeschlagen. Foto: Ingo Wagner/dpa

Nach dem ersten Eindruck sei das Schiff wieder voll funktionstüchtig und die Ruderanlage in Betrieb, teilte das Havariekommando mit. Das mindestens 150.000 Tonnen schwere Schiff wurde von fünf Schleppern - darunter die „Fairmount Expedition“ mit rund 16.500 PS - zum Hamburger Hafen gebracht. Gegen 5.45 Uhr wurde das Schiff auf der Elbe gedreht. Nach Auskunft des Havariekommandos wurde es am Predöhl-Kai im Waltershofer Hafen (Eurogate) festgemacht. Später sollte der Rumpf gründlich untersucht werden.

Während der ganzen Aktion kontrollierte ein Überwachungsflugzeug mit Spezialtechnik, ob irgendwelche Flüssigkeiten aus dem Rumpf austreten. Dies sei bislang nicht der Fall gewesen, hieß es.

Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks sollen 3000 der 6600 Container in Hamburg abgeladen werden. Die Reederei China Shipping habe mitgeteilt, dass ein defektes elektronisches Bauteil der Steueranlage zügig ersetzt werden könne. Man gehe davon aus, dass das Schiff den Hamburger Hafen bereits am Freitag wieder verlassen könne.

Die Kosten für die Bergung liegen indes im zweistelligen Millionenbereich. Die Kosten für die Bergung müssten die Versicherungen der Reederei übernehmen, sagte der Leiter des Cuxhavener Havariekommandos, Hans-Werner Monsees, der die Aktion geleitet hatte. Der Steuerzahler werde damit nicht belastet.

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