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Lokales

15. Dezember 2017 | 11:52 Uhr

Netzwerk : Häusliche Gewalt: 50 Fälle im Jahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Netzwerk gegen Gewalt in der Familie vor zehn Jahren gegründet

von
erstellt am 13.Nov.2014 | 17:58 Uhr

„Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung“. Immer wieder betonen die Mitglieder des Netzwerks bei Häuslicher Gewalt in Dithmarschen dies. Das Netzwerk wurde vor zehn Jahren gegründet. Vom Amtsgericht über das Frauenhaus bis zur Rechtsmedizin sind alle relevanten Einrichtungen vertreten. Das Interesse, sich mit der Gewaltproblematik auseinanderzusetzen und die Zusammenarbeit funktioniert nach Angaben der Koordinatorin Kerstin Hansen gut. „Das Thema muss immer wieder in die Öffentlichkeit transportiert und die Menschen dafür sensibilisiert werden.“

Gewalt ist ein gegenwärtiges Thema. Prügelnde Mütter, prügelnde Frauen und prügelnde Männer. „Das ist für die Polizei an der Tagesordnung“, macht Astrid Heidorn deutlich, die bei der Polizei für Prävention zuständig ist und versucht, Kinder zu informieren und zu sensibilisieren. Alkohol und finanzielle Sorgen seien häufig die Gründe für Gewalt, erklärt sie. Manchmal reicht ein Eingreifen der Polizei. Manchmal werden die Männer auch aus der Wohnung geworfen. Wegweisung heißt dies im Juristenjargon. Ein Instrument, das es seit 2002 gibt und funktioniert. Zwischen 20 und 25 Mal wird dies von der Polizei jedes Jahr in Dithmarschen umgesetzt. Allerdings nur in Härtefällen, wenn eine Gefahr für die Frau und die Kinder besteht. Insgesamt rund 50 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt gibt es jährlich. Vor einigen Jahren lag die Zahl noch bei 100.

Bei häuslicher Gewalt geht es nicht nur um Schläge. Häusliche Gewalt hat vielfältige Erscheinungsformen: Sie reichen von Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen über psychische, physische und sexuelle Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen und Tötungen. Ein globales Thema.

Einer aktuellen Studie von James Fearon von der Universität Stanford zufolge, stellt Gewalt in der Gesellschaft – Morde und vor allem Gewalt gegen Frauen und Kinder – ein weitaus größeres Problem dar als Bürgerkriege. Nach Schätzung von Experten, belaufen sich die Folgekosten für die Gesellschaft allein von Gewalt durch Beziehungspartner auf 4,4 Billionen Dollar.

Einen Ausweg zu finden, ist für Frauen oft schwierig. Kinder, materielle Abhängigkeit und die Hoffnung, dass sich der Mann eines Tages wieder ändert, spielen dabei eine Rolle. „Frauen geraten zudem immer wieder an gewaltbereite Männer – das ist ein Teufelskreis“, erklärt Gerhardt Ostwald, Richter am Amtsgericht Meldorf. Häufig seien diese Frauen sehr isoliert, würden die blauen Flecke aus Scham verheimlichen, erklärt Susanne Hendricks vom Frauenhaus. Dass sie auch Rechte haben, wüssten sie oft nicht. Hilfe gibt es nicht nur Frauen. Auch für Männer, die den Mut haben, sich ihrer gewaltbereiten Veranlagung zu stellen. Viele werden vom Gericht zu einem Gewalttraining verdonnert. Einige würden aber auch freiwillig kommen, erklärt der zuständige Supervisor Marko Eichhorst. „Viele Männer profitieren davon.“

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