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Hochwasserschutz in Lauenburg : Habeck: „Das Geld reicht vorne und hinten nicht“

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In einer öffentlichen Diskussion stellte sich Umweltminister Habeck der Kritik der Lauenburger und sprach sich gegen eine Sonderregelung für den Schutz von Stadtdenkmälern vor Hochwasser aus.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 18:28 Uhr

Lauenburg | In drei Schritten soll die verfahrene Situation zwischen Stadt und Land um den Lauenburger Hochwasserschutz an der Elbe aufgelöst werden. Das ist das Ergebnis einer knapp dreistündigen Diskussion am Donnerstag in Lauenburg mit Vertretern von Stadt, Kreis und Land im Beisein von Bundestagsabgeordneten aus der Region unter Regie von Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne). Das Land wird ein geologisches Gutachten finanzieren, um die Gefahr eines Abrutschens der Häuser am Elbufer durch Ausspülungen zu untersuchen. Außerdem sollen mögliche Sofortmaßnahmen entwickelt und realisiert werden, um bei einem erneuten Hochwasser glimpflicher davon kommen zu können.

Habeck lehnte jedoch die Forderung der Lauenburger, sich bei der anstehenden Umweltministerkonferenz in Heidelberg für eine Sonderregelung für den Schutz von Stadtdenkmälern wie Lauenburgs Altstadt stark zu machen, konsequent ab. Dies sei mit seinem Denken, nämlich den bestmöglichen Schutz an der gesamten Elbe zu bevorzugen – auch wenn der nicht in Lauenburg liegen würde –, nicht zu vereinbaren.

Überraschend hatte Habeck in Absprache mit Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede die auf Arbeitsebene angesetzte Besprechung spontan öffentlich gemacht, als er die vielen Bürger vor dem Veranstaltungsort sah und mit ihnen ins Gespräch kam. Statt hinter verschlossenen Türen wurde unter freiem Himmel auf dem Platz vor der ehemaligen Zündholzfabrik mit Blick auf die Elbe beraten. Mit Einbeziehung der Demonstranten, die Habeck einen gebastelten Schwarzen Peter überreicht hatten und Transparente mit markigen Sprüchen hoch hielten.

Der Umweltminister entschuldigte sich – und das kam bei den Zuhörern gut an – für seine falsche Wortwahl, als er in einem Interview sagte, man werde es den Lauenburgern nicht bezahlen, dass alles schick werde. Darum, und das machten ihm die Lauenburger noch einmal deutlich, ginge es beim Hochwasserschutz gar nicht. „Es geht nicht darum, dass wir die Häuser schick haben, sondern wir tun alles, um die Häuser und das Denkmal hier zu erhalten“, sagte Elbstraßen-Anwohnerin Susanna Brauer-Bethge. „Wir haben eine gute Lösung gefunden“, spielte sie auf das Gutachten für den optimalen Hochwasserschutz an. Doch Habeck widersprach und zählte einige Punkte auf, die er noch vertieft sehen möchte. Außerdem kündigte er an, zu der von den Lauenburgern favorisierten Lösung einen Alternativvorschlag erarbeiten zu wollen.

Geschätzte Kosten für den Hochwasserschutz: 25 Millionen Euro. 2013 hatte das Hochwasser der Elbe allein in Lauenburg Schäden von 30 Millionen Euro verursacht. Noch immer haben nicht alle Anwohner ihre Häuser wieder auf Vordermann gebracht, weil sie sich den 20-prozentigen Eigenanteil bei der Schadensregulierung nicht leisten können. Land und Bund hatten Hilfe zugesagt und auch zur Verfügung gestellt, doch nicht immer kommt die an, solange Eigenmittel fehlen.

„Ich habe die Sorge, dass wir in die Beratungen zwischen Land und Bund geraten und unsere Sorgen nicht ernst genommen werden“, berichtete Thiede. Und er legte unter donnerndem Beifall nach und forderte eine Sonderlösung beim Treffen der Umweltminister, wenn sie noch diesen Monat über den künftigen Hochwasserschutz beraten: „Das Land muss die Interessen der Stadt Lauenburg vertreten.“ Doch Habeck blieb bei seiner Linie. Statt in Lauenburg 400 Menschen in der Altstadt zu schützen, setzt er eher auf Polderflächen am Oberlauf oder andere Maßnahmen, die wirksameren Schutz an der Elbe insgesamt bieten würden. „Das Geld reicht vorne und hinten nicht“, begründete Habeck seine Entscheidung gegen die Lauenburger.

Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, wurde vereinbart, dass die vertiefende Planung für den in Lauenburg favorisierten Schutz aufgenommen wird. Außerdem wird sich auf Einladung der Stadt jetzt eine Arbeitsgruppe finden, die klären soll, was an Sofortmaßnahmen umgesetzt werden kann. In etwa zwei bis drei Monaten möchte sich Habeck dann erneut persönlich ein Bild über den Fortschritt machen.

Das Wasser der Elbe war im Juni 2013 in Lauenburg auf 9,64 Meter gestiegen, normal sind etwa 4,50 Meter. Die Altstadt stand teilweise unter Wasser, 400 Menschen wurden zwangsweise evakuiert. Seit dem haben die Bürger gemeinsam mit Experten und finanziert vom Land eine Lösung entwickelt, wie der Hochwasserschutz künftig aussehen soll. Diesen umzusetzen, wird sechs Jahre dauern. Die nächste Flut dürfte wahrscheinlich früher kommen.

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