Glückstadt: Schultheater : Von Eseln, Elfen und Ehestreit

Der Hofstaat der Elfenkönigin Titania (Wibke Lühr, 3. von links): Eine Elfe (Jana Schulze), Bohnenblüte (Martje Jansen), eine französische Elfe (Anna Meyer), MC Sweetboy (Valentin Westphal) und Senfsamen (Greta Mohrbach) (von links).
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Der Hofstaat der Elfenkönigin Titania (Wibke Lühr, 3. von links): Eine Elfe (Jana Schulze), Bohnenblüte (Martje Jansen), eine französische Elfe (Anna Meyer), MC Sweetboy (Valentin Westphal) und Senfsamen (Greta Mohrbach) (von links).

Die Schauspiel-AG des Detlefsen-Gymnasiums bringt am Mittwoch ihre eigene Version von Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf die Bühne.

shz.de von
26. Mai 2015, 10:28 Uhr

Glückstadt | In Jogginghose und Turnschuhen flätzt sich der Elfenkönig Oberon (Nele Tiedemann) in den Schaukelstuhl. In der einen Hand hält er eine Bierdose, mit der anderen gestikuliert er wütend in Richtung seiner Ehefrau. Die Elfenkönigin Titania (Wibke Lühr) beschuldigt ihn, fremdgegangen zu sein („Fünf Dienstreisen in einem Monat – und das als Hausmeister!“). Währenddessen zitiert der gemeinsame Sohn MC Sweetboy (Valentin Westphal) aus der Shakespeare-App Gedichte voller schön klingender Wörter und hochtrabender Metaphern.

Die Schauspiel-AG des Detlefsen-Gymnasiums hat sich alle Mühe gegeben, William Shakespeares „Sommernachtstraum“ zumindest teilweise in die heutige Zeit zu transportieren. Im Laufe eines Dreivierteljahres haben die zwölf Schüler mit ihren Lehrern Valentina Schneider und Vincent Schubarth aus einer der meistgespielten Komödien überhaupt eine Textcollage aus Originalpassagen und eigenen Texten gemacht. Sie erzählen die Verwechslungsgeschichte um vier jungen Verliebte – ein Theaterstück innerhalb eines Theaterstücks – und den Ehestreits beim Königspaar der Elfen mal in der klassischen Sprache des Dichterfürsten, mal in norddeutschem Alltags-Schnack – und manchmal sogar auf englisch oder französisch.


Jeder spielt mehrere Rollen

„Wir wollten das Stück auch für Jugendliche interessant machen“, sagt die 15-jährige Luise Evers. „Es interessieren sich ja nicht unbedingt alle Leute in unserem Alter für Shakespeare.“ Auch für viele der Schauspieler zwischen 12 und 17 Jahren war die Sprache aus dem 16. Jahrhundert zunächst Neuland. Wie auch das Schauspielen überhaupt – nur zwei von ihnen haben vorher schon Erfahrungen auf der Bühne sammeln können. „Aber das macht total Spaß“, findet Jana Schulze, „vor allem, weil wir uns in andere Rollen hineinversetzen können und beim Schreiben über unsere eigenen Ideen lachen.“ Für sie ist es vollkommen in Ordnung, Smartphones und Sammelmarken aus dem Supermarkt in den klassischen Stoff einzuweben. „Schließlich erzählt auch Shakespeare von einer fantastischen Welt – da muss man das nicht so genau nehmen“, findet auch Kunstlehrer Vincent Schubarth.

Weil das Ensemble für die Figuren-Vielfalt im Stück recht klein ist, wechseln fast alle Schauspieler permanent zwischen den Rollen. Ob Jungen Frauen spielen oder Mädchen Männer – darüber wird munter hinweg gespielt. „Einen Mann zu spielen ist eigentlich viel einfacher“, findet Nele Tiedemann, die unter anderem den Elfenkönig Oberon gibt. „Als Elfe zum Beispiel muss man sich sehr elegant bewegen, aber als Mann kann man ein Trampeltier sein“. Während diese Bemerkung mit großem Gelächter aufgenommen wird, ergänzt Wibke Lühr alias Titania: „Die größte Herausforderung ist es eigentlich, dass wir uns immer so schnell umziehen müssen.“ Immerhin: Es gibt keine aufwändigen Kostüme und auch das Bühnenbild ist sehr zurückhaltend gestaltet – auch um einen Kontrast zum opulenten Sommerkonzert am Detlefsengymnasium aufzubauen. „Bis auf die Tüllröcke und Flügel der Feen haben wir fast alles Kostüme von Zuhause mitgebracht“, erklärt Anna Meyer. Das Bühnenbild wurde entweder von früheren Aufführungen „recycelt“ oder besteht aus den Stangen von alten Schulkarten, die gleichzeitig als Bäume im Wald und als Säulen im Herzogspalast herhalten müssen.

Die schauspielerische Herausforderung wird ohne großartige Requisiten, die die Fantasie anregen, umso größer. Vor allem für Charaktere wie den Oberon, der in einer Szene als der eifersüchtige, ungehobelte Saufkumpan im Schaukelstuhl herumpöbelt und in der nächsten als gottgleicher Elfenfürst liebevoll den Tropfen einer verzauberten Blume in die Augen seiner Königin träufelt.

Jetzt, so kurz vor der Premiere, macht sich doch etwas Nervosität unter den jungen Schauspielern breit. „Vorher ist man immer aufgeregt, aber wenn man dann auf der Bühne steht, konzentriert man sich auf das Stück und vergisst völlig, dass man vor einer großen Menge Menschen steht“, weiß Wibke Lühr, die schon zuvor Erfahrungen auf der Bühne gesammelt hat. Und Lehrer Schubarth versichert: „Lampenfieber ist wichtig, ohne das könnte man sich nicht konzentrieren, das sagen sogar die Profis.“ Bleibt also nur noch, für den großen Auftritt Hals und Beinbruch zu wünschen.


>Premiere des Sommernachtstraums: Mittwoch, 27. Mai, 19 Uhr, im Detlefsengymnasium. Eine weitere Aufführung gibt es Donnerstag, 28. Mai, zur selben Zeit und am selben Ort. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. Nach Abzug der Kosten wird das Geld an die Flüchtlingshilfe und für die Erdbebenopfer in Nepal gespendet.

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