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Hilfe für Abhängige : Suchtberatung mit Familien-Charakter

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Freundeskreis Suchtkrankenhilfe ist erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige. Ingrid Schulz übernimmt den Vorsitz.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Als Ingrid Schulz vor neun Jahren erkannte, dass ihr Mann ein Alkoholproblem hat, wollte sie ihn zuerst nicht zur Suchthilfe begleiten. „Das ist dein Ding, das musst du alleine machen“, sagte sie damals zu ihm. Zwei Jahre dauerte es, bis sich die 67-Jährige ein Herz fasste und ihn zu einem der Treffen begleitete. Heute ist sie die Vorsitzende des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe. Obwohl sie selbst gar nicht abhängig ist.

Co-Abhängige nennt man Angehörige, die durch die Sucht eines Partners oder eines Verwandten indirekt von der Krankheit betroffen sind. Für sie ist der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe in der Großen Danneddelstraße ebenso Anlaufstelle, wie für die Betroffenen selbst. Fast jeden Abend treffen sich die Mitglieder in den Vereinsräumen, um sich auszutauschen, Erfahrungen vermitteln und sich gegenseitig Halt zu geben. „Das ist schon wie Familie hier, ich könnte gar nicht mehr ohne“, sagt Wilfried Becker. Seit fast 14 Jahren geht der ehemalige Trinker regelmäßig zu den Treffen, hatte in der Zeit auch schon einen Rückfall. Das sei normal, sagt er, umso wichtiger seien deshalb die Gespräche untereinander – „damit man nicht wieder in ein Loch fällt“.

Als Schriftwart gehört er zusammen mit Peter Petersson als stellvertretender Vorsitzender und Elke Kann als Kassenwartin zum neuen Vorstand des Vereins. Der Schwerpunkt ist die Alkoholsucht, doch auch Medien-, Spiel-, Tabletten und andere Süchte stehen auf der Agenda. „Bei uns ist jeder willkommen, egal, was für ein Problem er hat“, sagt Ingrid Schulz. Doch bis jemand zur Beratung in eine der Gruppen käme, vergehe oft viel Zeit. „Die meisten trinken schon 25 Jahre, bevor sie endlich zu uns kommen“, weiß Wilfried Becker. Denn der Gang durch die Türe der Beratungsstelle sei oft ein großes Hindernis. „Es ist ein großer Schritt, sich überhaupt dazu zu bekennen“, weiß auch Ingrid Schulz. Mit ihrem neuen Posten als Vorsitzende löst sie Vorgänger Jonny Boos ab, der jahrelang den Vorsitz innehatte. Für ihr neues Amt hat sich die Glückstädterin vorgenommen, wieder mehr frischen Wind in die Vereinsarbeit zu bringen. „Ich möchte neue Ideen umsetzen.“ Welche genau, stehe noch nicht fest, im Moment würden erst einmal Vorschläge gesammelt. Fest stehe auf jeden Fall, dass der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe wieder mit einem Stand auf den Matjes-Wochen vertreten sein wird. So sollen nicht nur Vorurteile abgebaut, sondern vor allem die Hemmschwelle gesenkt werden. Nach einem ersten persönlichen Gespräch falle es Betroffenen oft leichter, auch in die Gruppenberatung zu kommen. Denn der Anstoß dazu, sich Hilfe zu suchen, sollte von alleine kommen. Schulz: „Man muss es auch wollen.“

Die Gruppen des Freundeskreis Suchtkrankenhilfe treffen sich jeden Wochentag von 19 bis 21 Uhr in der Großen Danneddelstraße 36 (freitags Medien- und Onlinesucht), Kontakt: suchtkrankenhilfeglueckstadt@web.de oder im Internet unter www.suchtkrankenhilfe-glueckstadt.org

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