Glückstadt : Neues Pflaster statt alter Steine

gscrschmidt
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Die Denkmalbehörde hat grünes Licht für die Umgestaltung des Marktplatzes gegeben. Im Sommer könnten die Arbeiten für eine barrierefreie Pflasterung erfolgen.

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09. Dezember 2017, 08:41 Uhr

„Die denkmalrechtliche Genehmigung zur barrierearmen Umgestaltung des Marktplatzes liegt seit Kurzem vor.“ Diese Mitteilung machte Bürgermeisterin Manja Biel auf der Sitzung des Bauausschusses. Eine Neupflasterung mit glatterer Oberfläche, die im Format und im Material dem Glückstädter Granit-Altstadtpflaster entspricht, sei denkmalrechtlich vertretbar. Nun sollen die Planungen für die Umbauarbeiten mit geschliffenen Steinen und geringen Fugen im Diagonalverband vorangetrieben werden. „Die Durchführung sollte möglichst nach der Matjeswoche im nächsten Jahr beginnen.“

In ihrer Genehmigung hat die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreisbauamtes eine Abwägung zwischen dem historischen Stadtbild und den Belangen von Menschen mit Behinderung, älteren Menschen sowie von Personen mit Mobilitätseinschränkungen vorgenommen. Für diese Menschen ist die Nutzbarkeit und Begehbarkeit des Platzes aufgrund des hohen Fugenanteils und diverser Unebenheiten nicht gegeben. Außerdem handele es sich bei der bestehenden Pflasterung des Marktplatzes aus dem Jahr 1987 nicht mehr um den historischen Belag, sodass das vorhandene Material an sich nicht den Denkmalwert des Platzes ausmache.

Ursprünglich bestand der Marktplatz aus Kopfsteinen (Lesesteinen), hat sich im Laufe der Zeit aber stetig den veränderten Nutzungsbedingungen angepasst. Im 19. Jahrhundert erhielt der Platz Wege in Reihenpflastung, die sich an den polygonalen Stadtgrundriss anpassten. Mit zunehmender Mobilität wurden diese Wege zum ehemaligen Brunnenhaus auf der Marktplatzmitte verbreitert. Ab 1930 existierte die Umfahrung des Marktplatzes in Reihenpflaster und ab 1955 nutzte man die Platzmitte als Parkplatz. 1987 wurde der vorhandene Platz in seine jetzige Form umgestaltet. Der zentrale Marktbereich wurde durch ein Granitbord von der umlaufenden Straße abgesetzt und die Parkplatznutzung wieder aufgehoben. Das eigentlich vorgesehene historische Lesesteinpflaster wurde aber durch ein Polygonalpflaster ersetzt, um eine bessere Nutzbarkeit und Begehbarkeit zu erreichen. Dieses Pflaster entspricht nach heutigen Ansprüchen nicht mehr einer barrierearmen Nutzung.

In der Politik wurde bereits länger über die Ausführung kontrovers gestritten. Es ging um drei Alternativen: den Ist-Zustand erhalten, eine Teilpflasterung mit glatten Wegen oder den Komplettumbau mit glatten Steinen. Auch die Bevölkerung war durch eine Umfrage beteiligt und entschied sich mit großer Mehrheit für die Vollpflasterung. Dass diese Variante (Kostenschätzung 435 000 Euro) jetzt zur Ausführung kommen soll, wertete Stadtvertreter Siegfried Hansen (Piraten) als eine gelungene Bürgerbeteiligung: „Es zeigt, dass Bürger etwas bewegen können. Ich danke allen, die sich dazu eingebracht haben.“

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