Glückstadt : Matjeswochen: Heiße Phase beginnt

Freuen sich schon auf die Matjes-Wochen: Sandra Kirbis und Annett Kautz.
Freuen sich schon auf die Matjes-Wochen: Sandra Kirbis und Annett Kautz.

Vom 11. bis zum 14. Juni feiert Glückstadt sein Sommerfest. Die Organisatoren sind bereits mitten in den Vorbereitungen.

von
13. Mai 2015, 08:00 Uhr

Glückstadt | Es ist noch ein Monat bis zu den Matjeswochen vom 11. bis zum 14. Juni, aber für Tourismus-Chefin Sandra Kirbis und ihre rechte Hand Annett Kautz beginnt jetzt „die heiße Phase“. Absprachen mit Stadtwerken und Ordnungsamt,  die Organisation von Reinigungskräften und Toilettencontainern, Schirmen und Getränkewagen, das Einholen von Genehmigungen und am allerwichtigsten natürlich die Bestellung der Matjes-Häppchen für die Eröffungsfeier – kurz gesagt, die Liste, die  die beiden abarbeiten müssen, ist schier unendlich. Allerdings haben Kirbis und Kautz mittlerweile auch schon viel Erfahrung – seit über zehn Jahren organisieren sie jetzt schon die Matjes-Wochen für den Verkehrs- und Gewerbeverein. „Natürlich kennen wir inzwischen die Abläufe. Und noch viel wichtiger: Wir kennen unsere Partner“, erzählt Sandra Kibris, „Das hat sich alles sehr gut eingespielt und wir können uns auf die Leute verlassen.“

Ein Jahr PlanungDie Organisation einer Matjes-Woche beginnt eigentlich  gleich am Anschluss an die vorhergehende Veranstaltung – oder wie es Annett Kautz sagt: „Nach der Matjes-Woche ist vor der Matjes-Woche“. Vor allem die Musikgruppen müssen schon ein Jahr im Voraus angefragt werden. Das ganze Jahr über planen und organisieren Kirbis und Kautz dann immer mal wieder für die Glücksstädter Großveranstaltung  mit rund 100000 Gästen  – aber erst jetzt ist der Moment gekommen, wo sich die beiden 38-jährigen Frauen kaum noch um etwas anderes kümmern können.

Mittlerweile sind sie so weit, dass sie die Höhepunkte des Programms präsentieren können: Musikalisch ist das sicherlich die Coverband „Steam“, die am Sonnabend ab 21 Uhr auf dem Marktplatz ihrem Namen alle Ehre machen und auf der Bühne „für ordentlich Dampf sorgen wird“, wie es Sandra Kirbis sagt. Ganz persönlich freut sie sich jedoch auf die letzte Band am späten Sonntagnachmittag, auf das Hamburger Duo „Nervling“, das sein Publikum mit charismatischen Stimmen, akkustischer Gitarre und Glockenspiel in die Welt des Soul entführen will –  „und das auf der Hafenbühne, das ist einfach eine tolle Atmosphäre“, sagt Kirbis. Sie hat die Gruppe bereits vor zwei Jahren auf die Matjes-Woche eingeladen und war so begeistert, dass sie „Nervling“ eigentlich schon 2014 wieder dabei haben wollte. „Aber da waren die beiden leider auf Welttournee“. In diesem Jahr hat es geklappt und Sandra Kirbis hat sich fest vorgenommen, sich während des Konzerts zumindest eine kurze Auszeit vom Matjeswochen-Zirkus zu gönnen. „Dann schalte ich mein Handy aus und die Kollegen halten mir den Rücken frei.“

Das ist auch nötig, denn während der übrigen Zeit sind Sandra Kirbis und Annett Kautz voll während der Veranstaltungstage eingebunden. „Ab Mittwoch, wenn der Aufbau beginnt, müssen wir ständig abrufbereit sein“, erzählt Sandra Kirbis. „Wir pendeln ständig hin und her und man kann sicher sein: Wenn wir gerade auf der einen Seite einem Händler seinen Platz zuweisen, ist mit Sicherheit genau auf der anderen Seite irgendwo kein Strom oder Wasser da.“ Immerhin haben sich die beiden Frauen ihre Aufgaben gut aufgeteilt: Annett Kautz ist bereits ab 5 Uhr morgens unterwegs, dafür übernimmt Sandra Kirbis die Schicht bis weit nach Mitternacht. Vorbei ist dann alles erst am Sonntagabend, nach dem Abbau. „Das geht dann dafür ganz plötzlich – um 20.30 Uhr ist alles auf einmal wie ausgestorben, man sieht keine Autos mehr, keine Menschen – und es ist fast so, als hätte die Veranstaltung nie stattgefunden.

Der erste BissDie Ehre des ersten Matjes-Happens  hat in diesem Jahr bei der Eröffnung am Donnerstag der Staatssekretär Dr. Frank Nägele zusammen mit Bürgervorsteher Paul Roloff und Ralf Krüger vom Verkehrs- und Gewerbeverein. „Er war vorher schon einmal hier und freut sich schon – es gibt viele Offizielle, die diesen Termin gerne wahrnehmen und es sich dann später im Rathauskeller schmecken lassen“, sagt Annett Kautz.  Die Tradition der Matjesprobe hängt eng mit den Ursprüngen des Festes zusammen. Seit 1968 steht der Silberling im Mittelpunkt des Sommerfestes, das die traditionelle Matjessaison eröffnet.  Dabei kann man die Spezialität heute das ganze Jahr über genießen. „Immer wieder werden wir gefragt, ob unsere Matjes hier in Glückstadt denn auch frisch seien“, erzählt Annett Kautz, „dabei werden die Heringe heutzutage ja direkt nach dem Fang schockgefrostet und sind deshalb das ganze Jahr über frisch zu bekommen.“

In  den Anfangsjahren der Matjeswochen war das noch ganz anders – „damals waren die Fische mit dem richtigen Fettgehalt für Matjes  nur direkt nach dem Fang im Mai oder Juni frisch zu haben.“ Denn Matjes meint eigentlich das alljährlich wiederkehrende pubertierende Stadium des Herings vor Beginn seiner Fruchtbarkeitsphase. Daher kommt auch der Name: Matjes, abgeleitet von Meisje, bedeutet „junges Mädchen“. Früher kam es durchaus auch mal vor, dass das Fest ein paar Wochen nach hinten verschoben werden musste, weil nach einem strengen Winter noch nicht rechtzeitig genügend Heringe gefangen werden konnten. Das passiert heute nicht mehr so schnell, trotzdem finden Sandra Kirbis und Annett Kautz, dass Daumendrücken nicht schaden kann – damit der Wettergott ein Einsehen hat und das Wasser im Hafen nur von unten und nicht von oben kommt.

Das Programm:

Von Donnerstag bis Sonntag treten auf den Bühnen auf dem Marktplatz und  am Hafenkopf insgesamt 23 Musikgruppen auf. Dabei ist etwas für jeden Geschmack – vom Shanty-Chor  bis zum plattdeutschem Rap. Neben wiederkehrenden Höhepunkten wie der Matjesprobe, dem Entenrennen oder der Matjesmeile ist das Programm randvoll mit zahlreichen Aktionen am und auf dem Wasser.  Unter anderem  demonstriert die Treckerscheune Bahrenfleth  das Be- und Entladen des Ewer Frieda, die Dampfpinasse Mathilda lädt zu Hafenrundfahrten ein und die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft zeigt Rettungsvorführungen. Lustig geht es bei der Wackelbalkenschlacht zu, bei der Teilnehmer ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen müssen, oder bei der 9. Glückstädter Hafenquerung, bei der es darum geht, wer am schnellsten den Binnenhafen über eine  Kette aneinander gereihter Schlauchboote überquert. Ganz neu ist das Wett-Wriggen, bei dem es ähnlich den Gondolieren in Venedig mit Schottel-Schaluppen über den Hafen geht. Dafür werden erfahrene Teilnehmer gesucht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen