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Zu Besuch im Sperrwerk : Jens Wollbaum ist der Herr der „Schmiernippel“

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Das Störsperrwerk ist nach dem Eidersperrwerk das zweitgrößte Sperrwerk in Schleswig-Holstein. Mit Besen und Schmierfett sorgt Jens Wollbaum dafür, dass es immer einsatzbereit ist.

Wewelsfleth | „Herr der Schmiernippel“, so nennt sich Sperrwerkswärter Jens Wollbaum. Mit Besen und einer Fettpresse sorgt der 46-Jährige an der Stör-Mündung dafür, dass Schleswig-Holsteins zweitgrößtes Sperrwerk immer einsatzbereit ist. Das rund 265 Meter lange Stör-Sperrwerk bei Wewelsfleth im Kreis Steinburg ist eines der sechs Sperrwerken im Schleswig-Holsteinischen Teil der Elbe. Seit 40 Jahren stoppt es die Sturmfluten der Nordsee, damit das Hinterland nicht „Land unter“ melden muss. Der Maschinenschlosser Wollbaum ist dafür verantwortlich, dass die alte Technik sicher funktioniert.

Ein Team von Sperrwerkswärtern hält das Störsperrwerk in Schuss, damit es im Falle einer Sturmflut einsatzbereit ist.
Ein Team von Sperrwerkswärtern hält das Störsperrwerk in Schuss, damit es im Falle einer Sturmflut einsatzbereit ist. Foto: dpa
 

Das Eidersperrwerk ging 1975 in Betrieb: Drei riesige begehbare Betonpfeiler in einer neu gegrabenen künstlichen Flussmündung, die die Stör in vier Ströme teilen. Das Wasser könne durch sie mit den Gezeiten frei hinein- und herausfließen, sagt Hendrik Brunckhorst vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Bei Sturmflut werden jedoch die beiden je 22 Metern breiten Öffnungen für die Schifffahrt in der Mitte mit sogenannten Stemmtoren und die jeweils 43 Meter breiten Öffnungen an den Seiten mit Rollsegmenten geschlossen. „Ich muss nur auf einen Knopf drücken, dann sind die Tore in fünf Minuten zu“, sagt Wollbaum. Bei Stromausfall springt ein Notstromaggregat an - ein mächtiger Schiffsdiesel, der im Keller des Mittelpfeilers steht und für Licht und Antriebsenergie sorgt. Sollte auch der ausfallen, bleiben als dritte Sicherheitsstufe noch die „Airbags“: Überdimensionierte Luftballons, die mit Hilfe von Pressluft die Tore zudrücken.

Im Sommer öffnet sich die Störbrücke pro Tag bis zu 35 Mal.
Im Sommer öffnet sich die Störbrücke pro Tag bis zu 35 Mal. Foto: dpa

Über das Sperrwerk führt eine viel befahrene Brücke: Die Bundesstraße 431 - sie verbindet die Wilster- mit der Krempermarsch - wird dort täglich von rund 4500 Autofahrer befahren. Doch zum Leidwesen vieler Autofahrer haben die Schiffe hier Vorfahrt, wie Wollbaum sagt. „Wenn ein Schiff kommt, wird die Brücke aufgefahren, und die Autos müssen warten.“ Im Winter seien das vielleicht fünf Schiffe in der Woche. „Im Sommer jedoch können es durch die Sportschiffer zu Spitzenzeiten bis zu 30, 35 Öffnungen pro Tag sein.“

„Wir sind eigentlich die Maulwürfe hier“, sagt Jens Wollbaum. Die meiste Zeit verbringt er im Keller des Sperrwerks.
„Wir sind eigentlich die Maulwürfe hier“, sagt Jens Wollbaum. Die meiste Zeit verbringt er im Keller des Sperrwerks. Foto: dpa
 

Bewegt werden Brücke und Sperrwerkstore durch Hydraulikzylinder und zum Teil 40 Jahre alten Relais. Die Technik sei altersbedingt empfindlich: „Wir sagen immer, die ganze Anlage ist eine Klappertechnik.“ Um alles am Laufen zu halten, müssen Wollbaum und seine beiden Elektriker-Kollegen die Anlage sorgfältig kontrollieren und pflegen. Regelmäßig werden alle Teile auf ihre Funktion überprüft, gereinigt, Lager abgeschmiert, Öl gewechselt und kleinere Reparaturen gleich selbst erledigt. Allein rund 70 Schmiernippel warten auf ihn und seine Fettpresse. „Wir versuchen, die Anlage unter der Woche so in Schuss zu halten, dass wir ein ruhiges Wochenende haben“, sagt Wollbaum lachend. Obwohl der Arbeitsplatz von Wollbaum direkt an der Elbe liegt, sieht er die Schiffe auf dem Fluss nur selten fahren. Denn die alte Technik ist fast komplett unter Tage installiert. „Die meiste Zeit verbringe ich irgendwo im Keller“, sagt er: „Wir sind eigentlich die Maulwürfe hier.“ 

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erstellt am 23.Sep.2014 | 08:50 Uhr

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