Humor à la Shakespeare

Elfenkönigin Titania (Wibke Lühr) hat sich durch einen Zauber in einen Esel (Charlotte Zils) verliebt.
Elfenkönigin Titania (Wibke Lühr) hat sich durch einen Zauber in einen Esel (Charlotte Zils) verliebt.

Schauspiel-AG des Detlefsengymnasiums zeigte den „Sommernachtstraum“

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29. Mai 2015, 17:00 Uhr

Ein lauter Gong aus den Lautsprechern lässt die Zuschauer bei der Premiere am Mittwoch zusammenzucken. „So kann man auch für Ruhe sorgen“, flüstert ein Mann seiner Sitznachbarin zu, als es in der großen Aula des Detlefsengymnasiums schlagartig ruhig wird. Gespannt richten sich alle Augen auf den Vorhang, wo das Liebespaar Hermia (Luise Evers) und Lysander (Valentin Westphal) erscheint und sich mit den Worten William Shakespeares Liebesschwüre zuflüstert.

Mit dem „Sommernachtstraum“ hat sich die Schauspiel-AG viel vorgenommen. Die leise getuschelten Zweifel der Zuschauer („Ob die wohl den ganzen Text können?“) sind aber vollkommen unbegründet. Die zwölf Schauspieler zwischen 12 und 17 Jahren beherrschen die komplizierten Texte perfekt. Gleichzeitig gelingt es ihnen, die Komödie aus dem 16. Jahrhundert mit Hilfe ihrer Spielfreude und einer kreativen Sprachcollage aus alten und neuen Textpassagen dem Publikum von heute nahe zu bringen.

Nach und nach lassen sich die rund 170 Zuschauer immer tiefer in das Verwirrspiel des Stückes hineinziehen, verfolgen gespannt das Drama der jungen Helena (Godje Roß), die von ihrem Geliebten abgewiesen wird, lachen über die Laien-Schauspielgruppe, die für ihr Stück in einem Stück ausgerechnet den einzigen männlichen Darsteller für die Rolle des zarten Edelfräuleins auswählt und genießen zusammen mit dem hinterhältigen Kobold Puk (Matthias Butz), wie sich sein Verwirrspiel immer weiter entfaltet und Früchte trägt. Denn der Liebesnektar aus der verzauberten Blume führt plötzlich dazu, dass gleich zwei Männer die traurige Helena lieben, die schöne Hermia (Luise Evers) alleine dasteht und die Elfenkönigin (Wibke Lühr) einem Esel (Charlotte Zils) verfällt, der – um das Verwirrspiel komplett zu machen – früher einmal einer der Handwerker aus dem Laienspiel war. Oder um es mit den Worten eines Zuschauers zu sagen: „Und das alles, weil Puk es versaut hat.“

Am meisten begeistert sich das Publikum für die vielen Anachronismen, die die jungen Schauspieler zusammen mit ihren Lehrern Valentina Schneider und Vincent Schubarth eingebaut haben. Da benachrichtigt Puk – übrigens mit Fußballhosen, pinkem T-Shirt, Satin-Blazer und Blume im Haar ein echter Blickfang – seinen Herrn Oberon (Nele Tiedemann) über das Handy. Und Hermia und Lysander, das Liebespaar aus Athen, wollen sich nach dem Wald voller Zecken erst einmal ein Zimmer in einem Hotel mit Wellnessangebot nehmen. Am meisten Lacher erntet aber der Bodyguard der Elfenkönigin (Lasse Sörensen), der im schwarzem Anzug mit einem lässigen Klick auf die Fernbedienung den Bühnenvorgang schließt, ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen.

Aus der zweiten Reihe verfolgt Gisela Meyer das Theaterstück. Sie ist die Großmutter von Anna Meyer, die wie die meisten anderen Schauspieler gleich mehrere Rollen besetzt. Gisela Meyer ist beeindruckt von der Leistung der Schüler: „Das machen sie ganz toll – vor allem, dass sie so taff auf der Bühne stehen und man ihnen die Aufregung gar nicht ansieht.“ Sie weiß wovon sie spricht, steht sie doch als Mitglied der Glückstädter Speeldeel selber regelmäßig auf der Bühne. „Als ich damals angefangen habe, habe ich das nicht so locker hingekriegt.“

Beim Verbeugen am Schluss sind die Schüler dann aber doch sichtlich erleichtert alles so gut über die Bühne gebracht zu haben – und nehmen ihren verdienten Applaus mit Stolz entgegen.

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