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Glückstädter Fortuna

23. August 2017 | 07:00 Uhr

Landwirtschaft : Hilfe, der Kohl ist zu klein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Erntearbeit ist ein hartes Geschäft, aber der Verdienst für die Gemüsebauern ist gering.

Die Lastwagen rollen wie eh und je. Im Gemüseanbaugebiet rund um Glückstadt sind wieder die Erntefahrzeuge mit Kohlkisten unterwegs. Der Oktober ist der Erntemonat für den Kohl. In dieser Woche wird die Weißkohlernte überwiegend abgeschlossen sein. Aber die Gemüsebauern haben schon bessere Jahre erlebt. Die Mengen sind deutlich geringer als im Vorjahr und auch der Preis ist gesunken.

Nur noch sieben Landwirte bauen in der Region Weißkohl an. Einer von ihnen ist Niels Schilling vom Altendeich: „Durch die nassen Monate Juni und Juli ist der Weißkohl klein geblieben. Nach dem Pflanzen im Mai hat sich das Blatt in der ersten Wachstumsphase nicht so entwickelt, dass es den Boden abgedeckt hat. Dadurch ist viel Krautbewuchs entstanden“, sagt er. Und weiter: „Der Ertrag ist um ein Drittel geringer als im vergangenen Jahr. Und der Preis liegt mit etwa zwölf Cent pro Kilogramm um zehn Cent unter dem Niveau des Vorjahres.“ Der Weltmarkt liefere genügend Kohl, sodass die Mindermengen in regionalen Anbaugebieten keinen Einfluss auf den Preis hätten.

Zusammen mit vier polnischen Saisonarbeitskräften und seinem Vater Werner (76) ist Niels Schilling (47) seit zwei Wochen am Kohlschneiden. Die Erntehelfer legen die Kohlköpfe auf ein Förderband, das über ein halbes Landstück reicht. Auf dem Erntewagen werden die Köpfe in Großkisten gepackt. Schadhafter Kohl wird gleich wieder auf das Land geworfen und später zusammen mit den Blättern und Wurzeln durchgemulcht.

Der Trecker, der den Erntewagen zieht, läuft ohne Fahrer. 100 Meter in der Stunde bewegt er sich voran und kann über eine Fernbedienung gesteuert werden. So wird auf diesem Betrieb täglich etwa ein halber Hektar geerntet, das ergibt 40 Großkisten zu je 750 Kilogramm. Schilling verkauft den Kohl nicht sofort an den Handel wie die meisten seiner Berufskollegen, sondern lagert ihn über Winter in einem Kühlhaus. „Von März bis Juni verkaufe ich den Kohl an den Einzelhandel, nachdem er nochmals durchsortiert ist. Dann ist die Chance größer, einen besseren Preis zu erzielen.“

Ohne die polnischen Arbeitskräfte, die schon seit mehreren Jahren von Juli bis Ende Oktober auf seinem Betrieb arbeiten, könnten Vater und Sohn Schilling die körperlich anstrengen Arbeiten nicht schaffen. „Das klappt sehr gut. Dieses Jahr ist erstmals eine Frau mit dabei“, erkennt Niels Schilling die zuverlässige Erntearbeit an. Wenn die Weißkohlernte beendet ist, wird noch der Chinakohl vom Feld geholt. „Dann ist Schluss mit der Arbeit auf dem matschigen Feld bei dem nasskalten Wetter. Darauf freue ich mich schon.“

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