zur Navigation springen
Glückstädter Fortuna

17. August 2017 | 16:17 Uhr

Interview : „Glückstadt wacht auf“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die 400-Jahr-Feier, die Entwicklung im Stadtteil Nord, die Sauberkeit auf den Straßen – die Liste der neuen Bürgermeisterin Manja Biel ist lang

Seit dem 2. Mai führt Manja Biel (43) die Amtsgeschäfte als Bürgermeisterin in Glückstadt. Im Interview mit Redaktionsleiter Tobias Stegemann spricht sie über ihre ersten Wochen als Verwaltungschefin, über die Stärken der Stadt und über die Problemfelder, die sie angehen möchte.

Mit der Eröffnung der 49. Glückstädter Matjeswochen liegt das erste Highlight hinter Ihnen. Hat Sie in den Tagen bisher etwas überrascht?
Manja Biel: Ich hatte ja einen großen Vorteil, weil die Wahl bereits im November vergangenen Jahres stattfand. Insofern hatte ich seither Zugang zu sämtlichen Informationen und die Möglichkeit, an alle Sitzungen teilzunehmen. Es war für mich also nicht der Sprung ins ganz kalte Wasser. Zudem hatte ich mit meinem Vorgänger, Herrn Blasberg, eine reibungslose Übergabe. Besser hätte es nicht laufen können.

Empfinden Sie es eigentlich als Besonderheit, als erste Frau in Glückstadt in diesem Amt zu sein?
Für mich ist das völlig unerheblich.

Ist es bei den Menschen, denen Sie begegnen, anders?
Da ist es schon ein Thema.

Wie äußert sich das konkret?
Oftmals ist es die Aussage: ,Ich finde es toll, dass es eine Frau geworden ist.’ Und wenn das nicht das einzige Kriterium gewesen ist, warum ich gewählt wurde, kann ich damit auch gut leben. Ich bewege mich allerdings seit Jahren in Männerdomänen, daher habe ich kein Problem damit.

Wenn Sie Glückstadt in drei prägnanten Worten beschreiben müssten. Welche wären das?
Charmant. Vielfältig. Nordisch.

Wo sehen Sie die Stärken der Stadt?
Glückstadt hat riesiges Potenzial. Es ist gesegnet mit einer wunderbaren Altstadt. Neue Möglichkeiten ergeben sich, wenn man an den A20-Ausbau und die Elbquerung denkt. Das wird einen Schub geben. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation empfinde ich es als einen großen Pluspunkt, dass die Glückstädter aus ihrer Geschichte heraus geübt sind mit dieser Situation.

Und wo machen Sie die größten Problemfelder aus?
Eine große Herausforderung ist die Stadtteilentwicklung Nord. Da hat es in der Vergangenheit Konflikte gegeben, auch die Bausubstanz ist in weiten Teilen schwierig. Aber mit dem Projekt der sozialen Stadt sind wir auf einem guten Weg. Darüber hinaus würde ich es gerne sehen, dass Glückstadt sauberer wird. Dazu ist nicht nur das Engagement der Bürger notwendig. Wenn die Gemeinde ihrer Teil dazu beitragen soll, will und auch muss, dann kostet das Geld. Die Finanzmittel sind leider begrenzt.

Würden Sie in diesem Punkt mehr Bürgerengagement einfordern?
Auch. Grundsätzlich sollte man sich zunächst fragen, was kann ich leisten, bevor man nach dem Staat oder der Stadt ruft.

Nun ist eine Bürgermeisterin keine kleine Kanzlerin, sondern die Chefin der Verwaltung, die Beschlüsse der Politik umsetzt. Haben Sie dennoch eine Vorstellung, wie Glückstadt in sechs Jahren, wenn die nächsten Wahlen anstehen, aussehen soll?
Glückstadt ist sicherlich keine Schlafstadt, sondern wacht im wahrsten Sinne des Wortes auf. Insbesondere in der Wahrnehmung der Metropolregion. Sie wächst gefühlt näher an Hamburg heran. Sowohl in wirtschaftlicher als auch in touristischer Hinsicht. Das ist ganz wichtig.

Was kann dabei konkret die Verbindungslinie sein?
Der HVV-Anschluss ist dabei unter anderem ein Thema. Wenn Glückstadt auf dem Streckenfahrplan auftauchen würde, wird es anders wahrgenommen und bringt für unser Marketing Vorteile. Deswegen fährt kein Zug schneller.

Was steht darüber hinaus ganz oben auf der Agenda?
Die Entwicklung auf dem ehemaligen Eisenbahngelände. Das ist eine stadtnahe Fläche und dementsprechend wichtig. Gleiches gilt für die Fläche der ehemaligen Wäscherei. Beides sind jedoch keine städtischen Flächen. Touristisch steht 2017 ganz im Zeichen der 400-Jahr-Feier.

Was für ein Fest wünschen Sie sich?
Auf jeden Fall ein vielfältiges Fest. So lautet ja auch das Motto. Vielfältig in der Beteiligung, also dass sich zahlreiche Bürger, Vereine und Verbände auf unterschiedlichste Art einbringen, sie aber auch genauso mitfeiern. Es soll auch ihr Fest sein. Daneben wollen wir Glückstadt insgesamt nach außen bestens präsentieren.

Sie haben eine Bürgersprechstunde eingeführt...
Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Eine Bürgermeisterin muss ansprechbar sein, und die Hemmschwelle sollte gering sein.

Wie ist die Resonanz und was sind die dringlichsten Probleme?
Die Resonanz ist sehr, sehr gut. Wobei kaum einer kommt, um die Stadtverwaltung zu loben (lacht). Ein ganz großes Thema ist beispielsweise die Sauberkeit der Stadt.

Glückstadt profitiert in erster Linie vom Tagestourismus. Gibt es Überlegungen, Möglichkeiten zu schaffen, um Besucher länger in der Stadt zu halten?
Es ist offensichtlich, dass es eingeschränkte Bettenkapazitäten gibt. Wir haben sehr gute individuelle Übernachtungsmöglichkeiten, jedoch nicht eine Lokalität, die eine ganze Busladung aufnehmen kann. Ich denke auch, dass Glückstadt beispielsweise auf jede Hochzeitsmesse in der Region gehört. Aber dafür müssen wir ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Das allerdings ist eine Entscheidung, die unternehmerisch getroffen werden muss. Wenn es eine Chance für einen Hotelbau gibt, werden wir das aktiv unterstützen und bewerben.

Glückstadt wird ein so genanntes Ankunftszentrum für Flüchtlinge bekommen. Können Sie sagen, wann es losgehen soll?
Der Termin ist noch in der Schwebe. Die ehemalige Kaserne wird zu einer qualifizierten Erstaufnahme ausgebaut. Das heißt, das Bundesamt wird unmittelbar vor Ort sein. Die geplanten Belegungszahlen haben sich nicht geändert, nämlich bis zu 2000. Derzeit aber sind diese Zahlen allerdings deutlich geringer.

Wie sieht es mit den Flüchtlingen aus, die Glückstadt per Quote zugewiesen werden?
Dabei handelt es sich um Menschen, die eine gute Bleibeperspektive haben. Dafür sind wir als Stadt zuständig. Die Unterbringung erfolgt in einem Containerdorf und auch in angemieteten Wohnungen.

Wie sieht da der Verteilungsschlüssel aus?
Das Containerdorf ist für einen langen Zeitraum angemietet. In erster Linie sind dort allein reisende Männer untergebracht, möglichst in einer Einzelbelegung. Auch das Containerdorf wird unter dem Begriff ,dezentrale Unterbringung’ geführt und ist keine Sammelunterkunft, das heißt die Container selbst verfügen über kleine Küchen und Bäder. Familien und allein reisenden Frauen mit Kindern wollen wir möglichst Wohnungen zuweisen.

Stichwort wohnen: Sie ziehen nach Glückstadt, richtig?
Das stimmt. Wir bauen gerade um. Als Bürgermeisterin braucht man vor Ort einen Punkt, eine Station um anzukommen.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Jun.2016 | 11:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen