zur Navigation springen

Interview : „Faktor Tourismus wird unterschätzt“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Projektmanagerin Annett Kautz verlässt Glückstadt. Sie und Tourismus-Chefin Sandra Kirbis sprechen über den Wandel in ihrer Arbeit.

„Ich bin dann mal weg“, so verabschiedet sich Annett Kautz. Die 39-jährige Fachfrau im Tourismusmanagement wechselt als Angestellte in die Kreisverwaltung des Saalekreises in Merseburg. Seit 2006 hat sie die Geschicke im Glückstädter Tourismusbüro mitgestaltet. Im Interview mit unserer Zeitung sprechen Annett Kautz und Tourismus-Chefin Sandra Kirbis (39) über diese Zeit.

Was hat Sie bewogen nach Glückstadt zu gekommen?

Kautz: Ich habe zunächst Landschaftsökologie in Greifswald studiert und ein Aufbaustudium zum Master für nachhaltiges Tourismusmanagement in Eberswalde absolviert. Danach kam ich im Rahmen eines Praktikums nach Heide. Als die Stelle in Glückstadt ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben.

Wie war der erste Eindruck von Glückstadt?

Kautz: Eine Freundin begleitete mich zum Vorstellungsgespräch. Wir haben am Marktplatz gegessen und sind am Hafen spazieren gegangen. Eine sympathische Kleinstadt – das war mein erster Eindruck. Glückstadt gefiel mir auf Anhieb, aber ich war auch aufgeregt. Es sollte meine erste Stelle als Projektmanagerin für Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit werden.

Haben Sie gleich die Arbeit im Tourismus mitgestaltet?

Kautz: Ich habe mich erst einmal eingearbeitet. Ich hatte ein gutes Team, es war eine wichtige Lehrzeit für mich. Und Glückstadt war schon gut vernetzt.

Kirbis: Damals waren wir gerade dabei, vieles neu aufzustellen. Annett Kautz hat von Anfang an viel zur Arbeit beigetragen und geholfen, Projekte weiter zu entwickeln, die noch in den Kinderschuhen steckten. Ich selbst habe 2004 angefangen, die damalige Tourismus-Chefin Silvia Schnegulau 2003. Sie ging 2006 für zwei Jahre in Elternzeit und ich übernahm die Geschäftsführung. Ab 2008 teilten wir uns die Aufgabe bis Silvia Schnegulau 2010 ging. Wir haben immer alle Hand in Hand gearbeitet.

Kautz: Nach neun Jahren sind wir ein eingespieltes Team und verstehen uns blind.

Um welche Projekte ging es beispielsweise?

Kirbis: 2006 haben wir die Geschäftsstelle des Holstein Tourismus übernommen. Zudem hat sich die Öffentlichkeitsarbeit weiter entwickelt. Dazu gehört auch die Wartung und Pflege der Internetseite. Diese hat Annett Kautz maßgeblich gestaltet. Zudem ist sie seit 2006 für den Stadtlotsen zuständig. Ein umfangreicher Newsletter, den wir vier Mal im Jahr versenden. Darunter auch Sonderausgaben, zum Beispiel zu den Festungswochen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ?

Kautz: Wir arbeiten mit allen gut zusammen. Und wir stecken viel Herzblut in unsere Arbeit. Manchmal trifft aber Kritik auch persönlich. Beispielsweise wenn es um die Größe des Weihnachtsmarktes geht. Aus unserer Sicht muss es nicht immer ‚Größer, Schneller, Weiter‘ sein. In diesem Beispiel geht es uns um das Gesamterlebnis: Durch die Stadt bummeln, einkaufen, Kultur genießen, Essen gehen und im Anschluss einen leckeren Glühwein auf dem Markt trinken.

Was sind Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Kautz: Veranstaltungen wie die Matjesmeile. Inzwischen habe ich auch ein dickeres Fell bekommen im Umgang mit den Standbetreibern. Außerdem kommen viele seit Jahren wieder und man kennt sich inzwischen. Neu war für mich in diesem Jahr der Kunsthandwerkermarkt am Hafen, den ich erstmals betreut habe. Und zu nennen ist die Kulturnacht, die 2007 aus dem Kulturmärz herausgelöst wurde.

Kirbis: Die Kulturnacht ist eine Veranstaltung, die für sich selbst stehen kann und im September die Nebensaison belebt. Es ist neben dem Kulturmärz ein weiterer kultureller Höhepunkt im Jahr geworden.

Was hat sich am Tourismus in den vergangenen Jahren in Glückstadt geändert?

Kautz: Er wächst immer weiter. Das hat auch mit der Neugestaltung der Hafenpromenade zu tun. Sie ist zur Flaniermeile geworden. Meiner Meinung nach zieht Wasser immer Touristen an.

Kirbis: Manchmal gehen wir beide selber abends an die Treppen am Hafenkopf und genießen den Feierabend. Wir arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Hinzugekommen sind in Glückstadt neue, schöne Unterkünfte. Beispiele sind das Hotel Anno 1617 und das Brückenhaus. Die Übernachtungszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Ein großer Gewinn war auch die Eröffnung der Jugendherberge.

Was kann noch zum Besseren verändert werden?

Kirbis: Ein wichtiges Thema ist die Belebung der Nebensaison.

Kautz: Es müsste mehr Geld in den Tourismus investiert werden. Der Faktor Tourismus wird in der Stadt noch immer unterschätzt. Wir selbst benötigen dringend mehr Personal und finanzielle Kapazitäten, denn die Arbeit ist in den Jahren immer umfangreicher geworden.

Werden Sie beide in Verbindung bleiben?

Kirbis: Zwischen uns hat sich eine wunderbare Freundschaft entwickelt. Natürlich bleiben wir in Kontakt. Und nun können wir einen lang gehegten Wunsch von uns erfüllen und endlich einmal gemeinsam in den Urlaub fahren. Geplant ist im kommenden Sommer eine Fahrt nach Griechenland.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Dez.2015 | 09:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen