Soroptimisten : Die besten Schwestern von Glückstadt

Dr. Sibylle Lindenberg war auf Bundesebene Präsidentin der Soroptimisten und lange Chefärztin in Glückstadt.
Dr. Sibylle Lindenberg war auf Bundesebene Präsidentin der Soroptimisten und lange Chefärztin in Glückstadt.

Vor 25 Jahren hat Dr. Sibylle Lindenberg den örtlichen Soroptimisten-Club gegründet. Das Jubiläum feiern die Frauen am Sonnabend.

shz.de von
28. Mai 2015, 15:00 Uhr

Es war der 19. Mai 1990, als Dr. Sibylle Lindenberg mit 27 anderen Frauen den 70. deutschen Soroptimisten-Club in Deutschland gründete. Landwirtinnen, Gärtnerinnen, Arzthelferinnen, Lehrerinnen – Lindenberg hatte eine bunt gemischte Gruppe engagierter Clubschwestern gesucht und gefunden. „Ich habe darauf geachtet, dass ganz verschiedene Berufe vertreten sind“, erklärt die heute 75-Jährige. „Es sollte kein reiner Akademiker-Club werden.“

Bei den Soroptimistinnen gibt es wie bei vielen anderen Serviceclubs die Regel, dass jeder Beruf nur einmal vorkommen sollte. „Aber letztlich geht es darum, ob jemand interessant ist und etwas beitragen kann. Die Themenvielfalt soll gewährleistet werden. Welchen Beruf die Person dann ausübt, ist eher zweitrangig“, sagt Lindenberg. Wichtig ist allerdings, dass der Soroptimist International Club ein reiner Frauen-Club ist. Der Name ist aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet so viel wie „Beste Schwestern“. Heute gibt es in Glückstadt 40 Clubschwestern, die zwischen 31 und 80 Jahren alt sind.

Die Soroptimistinnen setzen sich auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen ein. „In den vergangenen Jahrzehnten haben wir viel erreicht. Immerhin liegt die Erwerbstätigkeit bei Frauen mittlerweile bei über 70 Prozent.“ Allerdings gäbe es auch noch einiges zu tun – vor allem im Bereich der ungleichen Bezahlung, der Karriereförderung oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.


Gutes tun – lokal und international
 

Auf lokaler Ebene setzen die Soroptimistinnenen ihren Schwerpunkt vor allem auf die Jugendarbeit, wobei dabei kein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gemacht wird. So haben die Soroptimistinnen etwa einen Sportplatz in Glückstadt Nord eingerichtet, Sitzbänke vor der Jugendherberge installiert oder frühkindliche Leseprojekte in der Familienbildungsstätte gefördert. Die Gelder dafür werden durch verschiedene Projekte eingenommen. So sind die Soroptimistinnen mit einem Bowle-Stand bei den Matjeswochen, einem Punsch-Stand auf dem Weihnachtsmarkt und einem Bücherturm in der Kulturnacht vertreten.

Zu den Soroptimistinnen kam Sibylle Lindenberg wie die Jungfrau zum Kinde. 1982 zog die gebürtige Berlinerin von Wolfsburg nach Glückstadt um, weil ihr in der hiesigen Klinik eine Stelle als Chefärztin angeboten worden war. „Ich hielt weiterhin aber engen Kontakt mit einer Freundin aus Wolfsburg. Eines Tages erzählte sie mir dann, sie sei Mitglied bei den Soroptimistinnen geworden – und ich müsse unbedingt auch einen Club in Glückstadt gründen.“ Lindenbergs erste Reaktion war strikte Ablehnung: „Einen Frauenclub zu gründen, kam für mich nicht in Frage.“ Aber dann erzählte ihre Freundin, dass beim Soroptimisten-Club weder gehäkelt noch gekegelt werde. „Stattdessen gehe es vor allem darum, gesellschaftlich-politische Themen aufzugreifen und eine gleichberechtigte Stimme bei den Bemühungen um eine gerechtere Welt zu sein – vor allem wenn es um die Belange von Frauen und Mädchen geht. Das waren genau meine Themen.“

Auch auf internationaler Ebene beteiligen sich die Clubschwestern aus Glückstadt an Projekten der Soroptimistinnen. Gerade aktuell ist ein Schulprojekt für Flüchtlinge an der syrischen Grenze in der Türkei (wir berichteten). Auch Kontakte zu anderen Soroptimistinnen auf der ganzen Welt spielen eine große Rolle. Sibylle Lindenberg hat – auch durch ihre langjährige Tätigkeit im Bundesvorstand – viele Freundschaften geknüpft, vor allem in die Türkei und in die Ukraine.

Es ist Lindenbergs feste Überzeugung, dass Wohltätigkeit allein keine Probleme löst. „Wir sind kein caritativer Verein. Uns geht es darum, Probleme bewusst zu machen und über unsere Netzwerke in die Politik zu tragen.“ Um das zu erreichen, hält Lindenberg Öffentlichkeitsarbeit für unerlässlich. „Als ich 1990 zum ersten Mal von Soroptimisten hörte, gab es den Club in Wolfsburg bereits seit 1962 – dort pflegte man den Grundsatz: Gutes tun und nicht darüber sprechen.“ Anders als die männlich dominierten Service-Clubs hätten die Frauen sich immer in der Öffentlichkeit zurückgehalten – mit dem Ergebnis, dass kaum jemand sie kannte. Ihre Präsidentschaft auf Bundesebene nutzte Lindenberg, um die Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Club voranzutreiben. „Mittlerweile sieht man nach den Soroptimisten-Veranstaltungen nicht nur die männlichen Honorationen auf den Zeitungsfotos.“

Nach 25 Jahren blickt Sibylle Lindenberg zufrieden zurück. „Wir haben eine Menge erreicht – alleine, dass jetzt jeder hier weiß wer wir sind und was wir machen, macht mich stolz.“ Sie selber hat sich aus der aktiven Clubarbeit inzwischen etwas zurück gezogen, die aktuelle Präsidentin bei den Glückstädter Soroptimistinnen ist Astrid Nielsen. Anlässlich des Jubiläums ihres Clubs hat diese zu einer großen Feier eingeladen, zu der auch Soroptimistinnen aus der Region und sogar aus Holland, Dänemark, England und der Ukraine kommen. Auch Vertreter anderer Service-Clubs in Glückstadt und Bürgermeister Gerhard Blasberg werden beim Festakt im Detlefsen-Museum dabei sein. Nach dem Motto: „Tue Gutes und sprich darüber.“

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