Glückstädter Matjeswochen : Das Programm auf dem Wasser

Im Binnenhafen ist nicht nur an Land viel zu sehen: Wie 2014 sind wieder historische Schiffe beim Open Ship dabei.
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Im Binnenhafen ist nicht nur an Land viel zu sehen: Wie 2014 sind wieder historische Schiffe beim Open Ship dabei.

Beim „Open Ship“ der Matjeswochen am 13. und 14. Juni gibt es für die Besucher auf dem Wasser viel zu sehen und zu erleben.

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04. Juni 2015, 06:30 Uhr

Während der Matjes-Wochen ist am Sonnabend und Sonntag wieder mächtig was los im Binnenhafen. Auf dem Wasser sind sieben Schiffe zu Gast, die ihr Deck für Besucher öffnen, Rundfahrten durch den Hafen anbieten oder Vorführungen zeigen. „Dieses Jahr dreht sich ganz viel um den Ewer Frieda“, sagt Jörg Mahn von der „Interessengemeinschaft Matjeswochen auf dem Wasser“. Neben der Vorführung von Rettungssystemen für die Berufsschifffahrt wird die Crew zum ersten Mal zusammen mit der Treckerscheune Bahrenfleth einen historischen Lade- und Löschbetrieb vorführen. „Das war schon lange ein Traum von mir – und dieses Jahr wird es endlich klappen“, erklärt Mahn, „Land trifft Wasser, genauso wie der Umschlag früher in Glückstadt gemacht wurde. Heute kennt man ja nur noch die Containerschiffe.“

Außerdem bringt Jürgen Albers, Eigentümer des Ewer Frieda, noch etwas ganz besonderes aus Hamburg mit: Der Schiffbauingenieur hat auf dem Schrott zufällig eine Schottel-Schaluppe gefunden. Die Firma Schottel in Spay am Rhein baute insgesamt 20  000 dieser kleinen Beiboote aus Stahl. Sie waren als Rettungs- und Arbeitsboote für Binnenschiffe entwickelt worden. Wenn die Binnenschiffe abgewrackt wurden, behielten die meisten Eigentümer diese „praktisch unverwüstlichen Boote“, wie Jürgen Albers weiß. „Viele haben sie heute auch in ihren Vorgärten stehen und nutzen sie als Blumenkübel.“ Nicht so Albers: Seine Schottel-Schaluppe hat er als Beiboot für den Ewer Frieda wieder seetauglich gemacht und bringt sie mit zu den Matjeswochen – und zwar als Sportgerät. „Wir als Besatzung des Ewers Frieda haben im Januar die Auszubildenden des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Glückstadt und Hamburg zu einem Wett-Wriggen herausgefordert. Und jeder, der will, kann mitmachen.“

Wriggen, das ist die spezielle Fortbewegungsart der Schottel-Schaluppen. Natürlich kann man sie auch rudern, aber wer im Hafen unterwegs ist, will gerne sehen, wohin er fährt und zwischen den großen Schiffen gut manövrieren können. Deshalb werden die Schaluppen im Stehen und mit Hilfe eines Achter-Ruders am Heck fortbewegt. „Es ist gar nicht so einfach, das Boot mit dieser Achter-Bewegung geradeaus zu lenken“, erzählt Albers. „Aber es geht uns ja nicht um den sportlichen Ehrgeiz, sondern um den Spaß an der Sache. Und wer will, kann das Wriggen ab Donnerstag schon im Binnenhafen üben.“ Am Sonntag ab 10.30 Uhr geht es dann ähnlich den venezianischen Gondolieren auf einer 50 Meter langen Strecke über den Hafen. Wer noch eine alte Schottel-Schaluppe möglichst vom Typ „3/5“ besitzt, ist eingeladen, sie mitzubringen und mitzumachen. Anmeldungen nimmt die Tourismusinformation entgegen.


Ein Mord auf dem Ewer Frieda


Am Sonnabend-Abend ab 22.30 Uhr wird es spannend im Binnenhafen: Zusammen mit dem Mediennetzwerk Hamburg zeigen Jürgen Albers und seine Crew den „Tod des Kapitän Luis de Mendoza“ mit Theater-Szenen, Musikeinspielungen und Schattenspielen auf den Segeln. Oder wie es Jörg Mahn ausdrückt: „Wir haben jetzt sogar einen Mord auf den Matjeswochen!“. Das Projekt sei aus einer Bierlaune heraus entstanden – „die hatten mal einen Film auf die Segel projiziert und kamen so auf die Idee.“

Beim Open Ship am Sonnabend und Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr können gleich mehrere historische Schiffe besichtigt werden. Ein besonderer Blickfang wäre sicherlich die Dampfpinasse Mathilda aus dem Museumshafen Övelgönne in Hamburg, ein echtes handwerkliches Kleinod. Mit dem 1912 in England gebauten Schiff waren Fahrten im Hafen geplant. Ob es wirklich dazu kommt, weiß Peter Fischer, der für die Fahrtenplanung zuständig ist, allerdings noch nicht: „Die Kampen zum Festmachen sind kaputt, dadurch können wir hinten nicht festmachen.“ Jetzt wird der Bootsbauer Mathilda noch einmal gründlich unter die Lupe nehmen, um festzustellen, ob die alte Lady rechtzeitig zu den Matjeswochen repariert werden kann.

Sicher dabei und auch zu besichtigen sein wird die Rigmor von Glückstadt, der Zollkreuzer „Glückstadt“, eine Segelyacht der Bundeswehr von der Marineschule in Mürwik und die „Fritz Lexow“. Der 14 Jahre alte Nachbau eines Segelkutters von 1913 des Ehepaars Wulff aus Wilster ist für Jörg Mahn eine „wirklich super Arbeit“. Jetzt bleibt für die Besucher also nur noch die Qual der Wahl.

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