Bildung : Bunt statt nur Schwarz-Weiß

Der türkische Lehrer Ramazan Düzgün bleibt für fünf Jahre in Glückstadt.
Der türkische Lehrer Ramazan Düzgün bleibt für fünf Jahre in Glückstadt.

Ramazan Düzgün unterrichtet Kinder in türkischer Kultur und Sprache / Er setzt sich für ein besseres Zusammenleben zwischen den Kulturen ein

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20. Mai 2015, 17:00 Uhr

„Ich hatte Glück, dass mich mein Nachbar gleich am Anfang zum Schach eingeladen hat – so hatte ich sofort Kontakt zu den deutschen Mitbürgern“, erzählt Ramazan Düzgün. Seit November arbeitet der 41-jährige Türke im Auftrag des türkischen Generalkonsulats als Lehrer in Glückstadt. Der Germanist unterrichtet fünf Jahre lang Kinder mit Wurzeln in der Türkei in der Kultur und Sprache seines Landes. Aber Düzgün sieht nicht nur die Vermittlung der türkischen Sprache und Kultur als seine Aufgabe. Er will auch versuchen, das Zusammenleben zwischen seinen Landsleuten und den Deutschen zu verbessern. „Ich finde es sehr traurig, dass die unterschiedlichen Kulturen hier so wenig miteinander zu tun haben. Viele der Menschen wohnen seit über 50 Jahren Tür an Tür – und leben trotzdem aneinander vorbei.“ Dabei machten die Menschen mit türkischen Wurzeln etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung in Glückstadt aus.

Düzgün kritisiert, dass in den deutschen Medien nur ein sehr einseitiges Bild von der türkischen Kultur vermittelt werde: „Ich lese immer nur von Ehrenmorden und Zwangsehen. Dabei kenne ich persönlich niemanden, der zu einer Ehe gezwungen wurde.“ Ein Schwarz-Weiß-Bild könne man ohne viel Mühe von jeder Kultur zeichnen – „auch ich könnte ohne Probleme nur Negatives über Deutschland berichten. Aber das bringt doch keinen weiter.“

Um die Menschen einander näher zu bringen, engagierte sich Ramazan Düzgün etwa beim türkischen Kinderfest Anfang Mai und versuchte daraus ein Fest für alle Kulturen zu machen. „Über die Kinder kommen auch die Erwachsenen ins Gespräch. Dann sehen sie, dass die Anderen ganz normale Menschen sind, die die gleichen Sorgen haben und sich über die selben Dinge freuen.“ Leider seien nicht alle angesprochenen Gruppen gekommen, „aber nächstes Jahr werde ich früher anfangen, für das Fest Werbung zu machen.“ Die nächste Chance bietet sich bereits im Herbst beim Fest der Vielfalt. Dort will Düzgün mit dem sehr engagierten türkischen Elternkreis eine Tanzveranstaltung auf die Beine stellen und an einem Stand türkisches Essen anbieten. „Dann haben wir auch die Gelegenheit, von unserer Kultur zu erzählen.“

Von den muslimischen Gemeinden in Glückstadt wird Düzgün sehr unterstützt. „Sie haben mir geholfen, meine Wohnung einzurichten und im türkischen Café lässt mich niemand bezahlen. Denn in der Türkei ist ein Lehrer eine wichtige Respektsperson. Er bereitet die Kinder für die Zukunft vor.“

In den kommenden Jahren will Ramazan Düzgün seine Doktorarbeit über Vorurteile bei deutschen und türkischen Eltern fertig schreiben. Es geht ihm aber auch darum, die Vereine zusammenzubringen und Kontakte zu pflegen. „Die Leute müssen über ihre Probleme und Vorurteile reden, um sie aus der Welt zu schaffen. Im Moment beobachte ich oft, dass sie einfach nur aufhören, miteinander zu reden.“

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