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Neue Medien : Glückstadts virtueller Treffpunkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In einer Facebook-Gruppe treffen sich 2630 Bürger und diskutieren über Themen, die die Elbestadt betreffen.

Glückstadt | Eine Frau möchte wissen, was für Musiker gerade an der Stadtkirche auftreten, ein Mann zeigt seine neuesten Luftbilder von Glückstadt und ein Dritter erkundigt sich, ob er sein Mofa auf dem Bürgersteig parken darf. In der Gruppe „Glückstädter Treffpunkt“ im sozialen Netzwerk Facebook wird diskutiert, gestritten und geholfen.

Über 2640 Menschen sind Mitglied – Tendenz steigend. Die Seite fungiert als ein Marktplatz für Informationen über alles, was die Glückstädter bewegt – nur eben im Internet. Ordnungshüter in diesem virtuellen Treffpunkt sind vier Administratoren, Jan Grube, Ronny Schultz, Steffi Vedder und Marion Kuhrts-Mahn schauen nach dem Rechten und sorgen dafür, dass die Diskussionen nicht in persönliche Beleidigungen und rassistische Äußerungen übergehen. Wer diese unsichtbaren Grenzen übertritt, wird eiskalt aus der Gruppe geworfen. „Wir verwarnen in der Regel einmal, aber wenn es jemand übertreibt, schmeißen wir ihn sofort raus“, erklärt Gruppen-Gründer Jan Grube.

Angefangen hat alles vor drei Jahren mit der Facebook-Gruppe „Glückstadt-Elbe“, dem Vorgänger vom „Glückstädter Treffpunkt“. Dort brach nach einiger Zeit ein erbitterter Streit darüber aus, was gepostet werden darf und was nicht. „Irgendwann hatte der damalige Administrator keine Lust mehr. Er wurde persönlich angefeindet und hat die Gruppe geschlossen“, erzählt Jan Grube. Das war vor eineinhalb Jahren. Damals nahm Grube die Sache in die Hand und gründete mit dem „Treffpunkt“ seine eigene Facebook-Gruppe für die Elbestadt. „Ich fand es schade, dass es diese Gruppe nicht mehr geben sollte. Sie hatte mir persönlich viel geholfen.“

Denn dem damaligen Hobby-Fotografen eröffnete die Gruppe den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich hatte immer wieder meine Fotos dort gezeigt. Die waren gut angekommen und so bin ich nach und nach bekannter geworden in Glückstadt.“ Jetzt verdient der
27-Jährige seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie. Wenn er gerade kein Foto-Shooting hat, kontrolliert er seine Gruppe regelmäßig – meist einmal in der Stunde. „Ich verfolge nicht alles, aber wenn unter einem Post 300 Kommentare stehen, kann man sich schon denken, dass es zur Sache geht.“

Zur Sache geht es momentan häufig, wenn es um die Unterbringung der Flüchtlinge in Glückstadt geht. „Da prallen Welten aufeinander. Manchmal reden sich die Leute in Rage, einige schlagen eine härtere Gangart ein, andere wollen sachlich diskutieren“, erklärt Marion Kuhrts-Mahn. Meinung sei ja gut und schön – „aber die Leute sollen sich vernünftig artikulieren. Rassismus und Respektlosigkeiten lassen wir nicht zu.“

Anders als in vielen anderen Facebook-Gruppen haben Grube und Kuhrts-Mahn nichts dagegen, wenn jemand etwas Werbung für sein Geschäft macht und besondere Veranstaltungen und Angebote ankündigt. „Aber es muss sich in Grenzen halten.“ Das gilt auch für politische Ansichten. Denn die Administratoren wollen vermeiden, dass die Gruppe zum Propaganda-Instrument einzelner Politiker wird. Einen Bürgermeister-Kandidaten haben sie deshalb für die Zeit seiner Kandidatur nicht mehr in der Gruppe zugelassen.

Immer wieder müssen Kuhrts-Mahn, Schultz, Vedder und Grube die Gruppe auch gegen Hacker-Angriffe und Kredit-Haie verteidigen. „Deshalb achten wir sehr darauf, wen wir noch in die Gruppe lassen“, erklärt Kuhrts-Mahn. „Wir nehmen zum Beispiel nur Leute auf, die mindestens ein Jahr lang bei Facebook Mitglied sind. So können wir vermeiden, dass sich Leute, die wir rausgeschmissen haben, eine falsche Identität zulegen und einfach weitermachen.“

Diese strengen Regeln führen auch schon einmal dazu, dass die Administratoren persönlich angegriffen werden. Aufhören wollen sie trotzdem nicht – dafür schätzen sie viel zu sehr die positiven Seiten. „Man ist immer auf dem Laufenden, weiß was in Glückstadt los ist. Wenn jemand etwas besonderes sieht, postet er es in der Gruppe und jeder weiß Bescheid.“

Auch neue Freundschaften im realen Leben sind schon über die Gruppe entstanden. Marion Kuhrts-Mahn, Ronny Schultz und Steffi Vedder hat Jan Grube etwa über die erste Glückstadt-Gruppe kennengelernt. Eine Justizangestellte, ein Tätowierer, ein Fotograf und eine Hausfrau – letztere noch dazu aus Essen im Ruhrgebiet – wären sich wohl sonst nicht so schnell über den Weg gelaufen. „Wir waren uns aber gleich sehr sympathisch“, sagt Grube. „Und mindestens einmal im Jahr treffen wir uns einfach so und schnacken ein bisschen.“

 

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erstellt am 17.Aug.2015 | 05:13 Uhr

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