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Bücherei-Neubau in Kappeln Sigrid Lorenzen kämpft für den Wochenmarkt auf dem Deekelsenplatz

Von rn | 23.07.2020, 18:07 Uhr

Die Kappelnerin sammelt Unterschriften für den Standort Deekelsenplatz und gegen den Bücherei-Neubau.

Sigrid Lorenzen sitzt auf der Bank in der Sonne. Um sie herum jede Menge Menschen, viele mit Maske, vereinzelt mit Rollator, alle mit einer Tasche überm Arm oder auf dem Rücken. Es ist laut, geschnackt wird zu allen Seiten, manchmal auch quer über weite Entfernung. Es ist Wochenmarkt auf dem Deekelsenplatz. Und Sigrid Lorenzen möchte, dass das auch in Zukunft genau so bleibt. Dafür sammelt sie Unterschriften. Und genießt ganz nebenbei die augenscheinlich fröhliche Stimmung.

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Vor mittlerweile vier Wochen haben die Stadtvertreter einstimmig den Weg frei gemacht für einen möglichen Bücherei-Neubau auf dem Parkplatz zwischen Deekelsenplatz und Querstraße. Genauer: für die Prüfung dieses Vorhabens. Gleichzeitig haben sie sich – genauso einstimmig – von der Mietoption in der Stadtpassage verabschiedet. Sigrid Lorenzen war bei der Sitzung dabei und hatte sie genutzt, um ihre Sorge vor einem drohenden Verlust des Wochenmarktes, der eben jeden Donnerstag auf dem Deekelsenplatz aufgebaut wird, kund zu tun. Als potenzielle Alternativen hatte die Verwaltung den Rathausmarkt und die Schmiedestraße für kleinere Marktstände angeführt, in der vergangenen Woche hatten etliche Händler selbst den Parkplatz am Rathaus als künftigen dauerhaften Standort ins Spiel gebracht.

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Für Sigrid Lorenzen sind das alles keine optimalen Lösungen. „Wir haben genug Leerstände in der Stadt, wo eine Bücherei einziehen könnte“, sagt sie. Einen Neubau am Deekelsenplatz jedenfalls könne sie sich nicht vorstellen. In der Woche nach der Stadtvertretersitzung hat Sigrid Lorenzen deshalb damit begonnen, Unterschriften auf dem Wochenmarkt zu sammeln. Überschrift: „Wir möchten keinen Neubau für die Bücherei zwischen Querstraße und Deekelsenplatz. Wir möchten unseren Wochenmarkt dort behalten!“ Sie spricht gezielt Kappelner an und solche aus dem näheren Umland, Menschen, die sie vom Sehen kennt, von Wochenmarktbesuchen. Inzwischen hat Sigrid Lorenzen knapp 380 Unterschriften zusammen, von Bürgern aus Kappeln, aus Rabel, Hasselberg, Gelting, Böel oder Winnemark.

„Wenn ich hier bin, gehe ich oft anschließend noch durch die Stadt und kaufe weitere Dinge ein.“
Elke Horn, Wochenmarkt-Besucherin aus Arnis

Gestern setzt Elke Horn aus Arnis ihren Namen auf die Liste. „Ich möchte auf jeden Fall, dass der Wochenmarkt hier an der Stelle bleibt“, sagt sie. Horn schätzt vor allem die zentrale Lage. „Wenn ich hier bin, gehe ich oft anschließend noch durch die Stadt und kaufe weitere Dinge ein“, sagt sie. Von einem zentral gelegenen Markt profitiere also aus wirtschaftlichen Aspekten gleich die ganze Stadt. Ob Elke Horns den Wochenmarkt auch auf dem Rathaus-Parkplatz besuchen würde? „Wahrscheinlich“, sagt sie. „Aber die Atmosphäre ist hier viel schöner.“ So stimmungsvoll sei das Einkaufen auf dem Deekelsenplatz, „dass ich mich hier jedes Mal festschnacke“.

„Neu bauen kann jeder. Aber viel mehr Stil hat es doch, Altes zu bewahren.“
Sinja Lorenzen, Wochenmarkt-Besucherin aus Süderbrarup

Auch Sigrid Lorenzens Nachbarin Birgit Bielke nennt den Markt in der Stadtmitte „einen echten Treffpunkt“. Und Lorenzens Tochter Sinja blickt skeptisch auf den möglichen Neubau. „Neu bauen kann jeder“, sagt sie. „Aber viel mehr Stil hat es doch, Altes zu bewahren. Das macht den Charme einer Stadt wie Kappeln aus. Ich finde, da sollte man sich als Stadt auch mal treu bleiben.“ Passend dazu berichtet Sigrid Lorenzen von Menschen, die ihre Unterschrift auf die Liste gesetzt haben mit dem Argument, ein Neubau an der Stelle verknüpft mit der Auslagerung des Wochenmarktes würde „das Stadtbild kaputt machen“.

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Was sich die Initiatorin von ihrer Aktion erhofft? „Ich möchte einen Denkprozess anstoßen“, sagt Sigrid Lorenzen. „Und ich möchte bewirken, dass die Bürger mitentscheiden dürfen.“ Die Standortsuche für die Bücherei ziehe sich schon so lange hin – „da kommt es auf ein paar Wochen mehr auch nicht mehr an“. Zeit, die die Kappelnerin nutzen möchte, um Politik und Verwaltung dazu zu veranlassen, ihre Entscheidung noch einmal zu hinterfragen. Um dieses Anliegen zu bekräftigen, will sie ihre Unterschriften-Liste noch ein bisschen länger führen – um sie dann demnächst mit eben diesem Wunsch zu überreichen.